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Die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt beim Besuch des Berliner 3D-Drucker-Startups BigRep

Es ist Wahlkampf – selbst wenn man noch nicht allzu viel davon merkt. Politiker werben um potenzielle Wählerstimmen, auch in der Startup-Szene. Für sie heißt es: Besichtigungstouren machen, Hände schütteln, Wahlversprechungen abgeben. Auch die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt und die grüne Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop sind in der Gründerszene unterwegs. Wir haben sie am Rande eines Startup-Trips zu einem Interview getroffen.

Frau Göring-Eckardt, Frau Pop, Sie haben gerade eine Tour durch vier Berliner Startups gemacht. Haben Sie als Grünen-Politikerin Lieblingsstartups?

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Göring-Eckardt: Am meisten beeindruckt hat mich die Innovationskraft, die der 3D-Druck hat, weil er unheimlich Material-effizient ist. Vieles von dem, was wir in Bezug auf Ressourcenverschwendung und Klimawandel fordern, findet sich beim Thema 3D-Druck wieder. Wenn der Grundstoff dafür sogar noch aus Recycling-Material ist, wie bei einem Startup, das wir uns heute angesehen haben, dann ist das doppelt gut.

Enorm war bei allen vier Startups der Eifer, den die Gründer an den Tag gelegt haben. Ich arbeite auch viel. Aber wenn ich sehe, dass jemand zwischen 15 und 20 Stunden am Tag arbeitet, damit das Startup läuft, dann beeindruckt mich das wahnsinnig.

Frau Pop, als Wirtschaftssenatorin kümmern Sie sich um die Berliner Wirtschaftsförderung. Wohin soll das Kapital in der Startupszene fließen?

Pop: Ich würde in die Kooperation zwischen Startups und etablierten Unternehmen investieren. Das größte wirtschaftliche Potenzial liegt in der Kooperation zwischen Altem und Neuem. 

Was heißt das konkret?

Pop: Wir arbeiten daran, eine Digital-Agentur auf den Weg zu bringen, die mittelständische Unternehmen und Startups zusammenbringt. In der Digitalagentur soll das geschehen, was sich bislang nur Großkonzerne leisten können: eine Plattform zu schaffen für die Zusammenarbeit von Mittelstand, Startups und Wissenschaftlern, um digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Im grünen Wahlprogramm heißt es: „Mit einer neuen geeigneten Rechtsform wollen wir den Pionieren des Wandels Rückenwind geben.“ Welche neue Rechtsform stellen Sie sich vor?

Göring-Eckardt: Wir wollen dafür sorgen, dass bei der Gründung eine Bürokratiepause entsteht. Erst wenn das Startup am Markt besser etabliert ist, nach zwei Jahren, sollen die Gründer dann diese Hürden nach und nach nehmen.

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In Berlin kommt hinzu, dass Anträge meist lange bearbeitet werden, bis endlich eine Bewilligung vorliegt. Beispielsweise Arbeitserlaubnisse für Programmierer aus anderen Ländern.

Pop: Das Gegenteil ist richtig. Berlin hat ein einzigartiges Modell: den Business-Immigration-Service. Dort dauert es mittlerweile nur noch drei Tage bis Aufenthaltsgenehmigungen erteilt werden. Im Gegensatz etwa zu den USA sind wir außerdem kulant. Wir sagen: Kommt erst mal an und beginnt zu arbeiten. Reicht die Sachen ein und wenn es eine Woche über die Deadline ist, ist das auch okay.

Es gibt aber andere Bereiche, wo wir besser werden könnten: Online-Kommunikation der Verwaltung beispielsweise oder die Mehrsprachigkeit.

Bild: Gründerszene / Michel Penke

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