Baboom: der Kim-Dotcom-Player

Bescheidenheit war noch nie eine Stärke des Internetmillionärs Kim Dotcom. Seit heute ist sein neuestes Projekt, der Streaming-Dienst Baboom (www.baboom.com), zugänglich – und bislang gibt es nur ein einziges Album zu hören: „Good Times“, von Kim Dotcom. Außerdem laufen über die Platfform Videos und Tweets – ebenfalls nur von Kim Schmitz alias Kim Dotcom.

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Seinen neuen Dienst beschreibt der gebürtige Kieler als Mix aus Spotify und iTunes. Die Seite sei die erste, auf der Nutzer Musik kostenlos hören und Künstler trotzdem Geld verdienen könnten, so Schmitz im Interview mit Wired. Funktionieren soll das mit einem neuartigen Werbekonzept: Nutzer sollen sich ein Browserplugin herunterladen, das sämtliche Werbeanzeigen im Netz gegen Anzeigen von Dotcoms eigenen Baboom-Werbenetzwerks austauscht. Das dadurch generierte Geld würde dann an die Nutzer gehen, die davon wiederum Musik kaufen könnten.

Dreieinhalb Jahre habe er an Baboom gebastelt, sagt Dotcom. 22 Mitarbeiter hätten in Portugal die Seite entwickelt.

Ursprünglich wollte Dotcom Bamboo und sein erstes Musikalbum auf der Party für seinen 40. Geburtstag am heutigen Montag vorstellen. Die Feier hätte zudem der Anlass sein sollen, um die Gründung der von ihm ins Leben gerufenen Internet-Partei zu feiern, die bei den Parlamentswahlen in Neuseeland im September antreten soll. Doch die Wahlbehörde macht dem Geburtstagskind einen Strich durch die Rechnung: Essen und Trinken dürften in Neuseeland nicht eingesetzt werden, um Wahlstimmen zu gewinnen. Die 25.000 angemeldeten Gäste wurden wieder ausgeladen. „Ich bin gerade sehr traurig“, twitterte Schmitz.

Der 20. Januar als Tag für die Party war nicht beliebig gewählt: Vor genau zwei Jahren wurde das Anwesen von Schmitz nördlich von Auckland von der neuseeländischen Polizei gestürmt. Der Grund: US-Behörden werfen ihm und drei Kollegen Urheberrechtsverletzungen vor, weil sie auf der Plattform Megaupload geschütztes Material verbreit haben sollen. Der Schaden für die Urheber: Rund 500 Millionen US-Dollar. Die USA drängen seither auf Dotcoms Auslieferung – doch der macht in Neuseeland lieber Politik. Mit der üblichen Portion Selbstüberschätzung:

 

Bild: Screenshot Baboom