Daniela Gieseler Kind Karriere

Daniela Gieseler, Gründerin und Geschäftsführerin von AzubiScout

Daniela Gieseler im Kind-und-Karriere-Interview

In dem Format „Kind und Karriere“ stellen wir Menschen aus der Startup-Szene vor, die mit der Herausforderung konfrontiert sind, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Dieses Mal erzählt Daniela Gieseler, Gründerin der Dienstleistungsagentur AzubiScout, von der bereichernden Erfahrung, neben dem Familienleben auch noch einen erfüllenden Job zu haben.

Daniela, stell dich doch bitte kurz vor: Wer bist du und was machst du?

Ich bin Daniela Gieseler, 32 Jahre alt und Gründerin von AzubiScout. Wir bieten Hilfe rund um die Ausbildung für Ausbilder und ausbildende Unternehmen, übernehmen beispielsweise die Beratung und Betreuung von Azubis, Seminare, Coaching und helfen bei der Suche nach Azubis.

Außerdem bin ich Mutter von zwei wunderbaren Töchtern, die große ist vier Jahre alt, die kleine ist zwei. Und „ganz nebenbei“ habe ich auch noch einen Partner, Hobbies und ehrenamtliche Tätigkeiten – und das alles in genau dieser bunten Mischung macht mir sehr viel Spaß.

Auf welche Unterstützung können du und dein Mann zurückgreifen?

Anzeige
Gelegentlich auf die Großeltern, manchmal auf die Patentante. Die Kinder besuchen Oma und Opa sehr gerne und freuen sich schon Tage im Voraus darauf, wenn ein Besuch bei ihnen ansteht. Wenn das mal gerade nicht möglich ist, greifen wir auch schon mal auf Babysitter oder die Tagesmutter, die die beiden gut kennen, zurück. Im Notfall organisieren wir uns mit anderen Eltern aus der Kita, die meine Töchter besuchen, nach dem Motto: Heute nimmst du meine Kinder mit zu dir und morgen kommen deine Kinder mit zu mir.

Was ist das Beste am Mamasein? Was ist doof?

Das Beste? Die Zeit mit den Kindern! Ich liebe es, mit meinen Kindern zu toben, ihnen vorzulesen und verstecken zu spielen – da freut sich das Kind in mir. Es sind diese kleinen Momente, die das Mamasein so besonders machen: Das Lachen, die Art wie die Kinder mich angucken, das Phänomen, dass Mamas Trösten kleine Wehwehchen besser heilen kann als Medizin und das „Ich hab dich lieb, Mama“.

Was ich doof finde? Ganz ehrlich: Basteln! Ich bin heilfroh, wenn ich jemanden finde, der zum Laternenbasteln in den Kindergarten geht. Einmal war ich selbst da: Nach Ablauf der Zeit war ich als einzige nicht mit der Laterne fertig…

Welche Probleme oder Schwierigkeiten ergeben sich für dich aus der Kombination Kind – Karriere?

Manchmal ist es schwierig, beidem gerecht zu werden. Zum Beispiel müsste man eigentlich noch dieses eine Ausbildungskonzept für einen Kunden zu Ende bringen – aber der Kindergarten schließt gleich. Oder die Kinder wollen am Samstag mit uns schwimmen gehen – für mich steht aber noch eine Ausbilderschulung auf dem Programm.

Grundsätzlich kann man mit guter Organisation aber den meisten dieser „Probleme“ vorbeugen. Nur wenn ein Kind krank wird, wird’s schwierig. Aber sonst empfinde ich die Kombination als Bereicherung – nicht als problematisch. Ich bin froh, dass ich in der glücklichen Lage bin, beides zu haben: einen Beruf, den ich leidenschaftlich gerne mache und meine Kinder, beziehungsweise meine Familie.

Hast du Elternzeit beantragt?

Bei der Großen hatte ich Elternzeit als Angestellte und zwar ein Jahr. Nach etwa drei Monaten hat mir meine Arbeit ganz wahnsinnig gefehlt. Sie gehört eben auch zu mir und ich arbeite gerne. Ohne die Herausforderungen auf der Arbeit, die „Denkarbeit“, den Kontakt mit den Menschen fehlt mir etwas. Genauso werde ich aber auch ganz verrückt, wenn ich zwei, drei Tage für Kundentermine in eine andere Stadt reisen muss und meine Kinder nicht sehen kann. Das ist, als ob ein Stück von mir zu Hause geblieben ist.

Da ich nicht mehr in meinen alten Job als Marketing Managerin und Ausbildungsleitung zurückwollte, habe ich die Elternzeit bei meiner zweiten Tochter für die Gründung genutzt. Jetzt kann ich mir leicht merken, wie alt mein Unternehmen ist.

Wie ist die zeitliche Gewichtung zwischen Kind und Karriere?

Unterschiedlich, je nachdem, wie viel zu tun ist. Zum Ausbildungsbeginn im August habe ich immer sehr viele Termine und arbeite teilweise 60 Stunden pro Woche. Dafür gibt es andere Monate, in denen ich mit 20 bis 30 Stunden pro Woche auskomme und somit viel Zeit für die Kinder habe. Meist liegt es irgendwo dazwischen. Ich versuche, die Zeit in der die Kinder in der Kita sind, möglichst effektiv zu nutzen. In dieser Zeit stehen Kundentermine, Seminare und Telefonate an. Die Büroarbeit erledige ich dann oft abends, wenn die Kinder schon im Bett sind. Dadurch kann ich mir am Nachmittag für sie Zeit nehmen.

Inwiefern strukturierst du deinen Tag anders, seitdem du Mutter bist?

Früher war es mir nicht so wichtig, wann Feierabend war. Ich hatte Spaß an meiner Arbeit und es störte mich nicht, wenn es 19 Uhr wurde, bis ich zu Hause war. Heute wäre das undenkbar. Normalerweise höre ich zwischen drei und halb vier auf zu arbeiten und danach ist Kinderzeit – freitags nach Möglichkeit sogar schon um 12.

Was machst du morgens als Erstes? E-Mails checken oder Kinder wecken?

Anzeige
Kinder wecken, oder von ihnen geweckt werden. Die Kleine ist oft schon zwischen fünf und sechs Uhr wach. Aber dann genießen wir alle zusammen eine Runde morgendliches Kuscheln im großen Bett, das ist sonst nur am Wochenende drin. Gegen sieben, halb acht fange ich dann an zu arbeiten. Wenn möglich versuche ich, erst die wichtigste Tagesaufgabe anzugehen, bevor ich das erste Mal in die Emails schaue. Aber dann folgen auch frühzeitig, oft ab acht Uhr, die Kundentermine.

Was hast du von deinen Kindern gelernt?

Den Moment mehr zu genießen. Weniger hektisch zu sein – zugegeben, hier befinde ich mich noch in einer Lernphase. Und dass es noch viel schöner ist, Geschichten mit den Kindern gemeinsam zu genießen – unser absoluter Favorit: Peter Pan.

Welche Tipps hast du für werdende Mütter und Väter, die Kind und Karriere unter einen Hut bekommen wollen?

Egal was ihr macht: Macht es mit ganzer Konzentration und Hingabe! Wenn ihr mit euren Kindern spielt, hört auf an die Arbeit zu denken, checkt keine Mails nebenher und schaltet das Telefon auf stumm. Wenn ihr auf der Arbeit seid, konzentriert euch auf die Arbeit und versucht, den Gedanken daran, was das Kind wohl gerade macht, etwas zurückzuschieben. Sonst kann man weder das eine noch das andere richtig genießen und wird beiden Rollen nicht gerecht. Perfektionismus ist eine Falle, in die ich selbst noch oft hineintappe. Und gute Planung und Organisation ist wesentlich – das habe ich zum Glück gut im Griff.

Ein ganz wichtiger Grundsatz, besonders für Frauen: Wählt den Weg, der euch glücklich macht. Lasst euch nicht von euren Chefs, Eltern, Freunden und Nachbarn einreden, dass ihr irgendetwas anders machen müsst. Und genießt die Zeit mit euren Kindern, so oft es geht.

Daniela, vielen Dank für dieses Gespräch.

 

 

Foto: Daniela Gieseler