Florian Henle Kind Karriere

Florian Henle, Mitgründer von Polarstern

Florian Henle im Kind-und-Karriere-Interview

In dem Format „Kind und Karriere“ stellen wir Menschen aus der Startup-Szene vor, die mit der Herausforderung konfrontiert sind, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Dieses Mal erzählt Florian Henle, Mitgründer des unabhängigen Ökostrom- und Ökogasversorgers Polarstern aus München, von der Kraft, die Kinder einem geben und der Herausforderung, Herr seiner eigenen Zeit zu sein.

Eine kleine Vorstellungsrunde: Wer bist du und was machst du?

Ich bin Papa von zwei wundervollen und sehr aktiven Söhnen und ich bin einer von drei Gründern des unabhängigen Ökoenergieversorgers Polarstern. Beides verlangt viel Zeit von mir und lehrt mich sehr viel – auch über mich selbst.

Wie alt sind deine Söhne?

Die beiden sind dreieinhalb und ein Jahr alt.

Auf welche Unterstützung können du und deine Partnerin zurückgreifen?

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Wir hatten eine Zeit lang ein Au-pair. Jetzt ist mein ältester Sohn im Kindergarten und mein jüngster in der Krippe. Nachmittags kümmert sich meine Frau, die mittlerweile ebenfalls selbstständig ist, um die beiden. Unterstützung bekommen wir außerdem von unseren Eltern, wobei die alle nicht in München wohnen. Es ist also schon einiges an Organisation notwendig, um zum Beispiel Krankheiten oder Geschäftstermine am Abend oder am Wochenende zu koordinieren.

Was ist das Beste am Vatersein? Was ist doof?

So viel geben zu können und so unglaublich viel zurückzubekommen. Einfach bedingungslos geliebt und gebraucht zu werden, das macht mich sehr glücklich und stark. Von Zeit zu Zeit vermisse ich meine Selbstbestimmtheit und genügend Schlaf, wobei Letzteres langsam besser wird.

Hast du denn Elternzeit beantragt?

Nein. Ich wurde innerhalb der ersten drei Gründungsjahre zweimal Vater. In dieser Zeit beruflich eine Pause einzulegen, ist praktisch unmöglich. Das Team ist klein und es werden die Grundsteine für die Unternehmensentwicklung gelegt. Als Gründer hier mehrere Monate zu fehlen, funktioniert leider nicht.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich generell für dich aus der Kombination Kind – Karriere?

Herr seiner eigenen Zeit zu sein. Das ist die größte Herausforderung.

Wie ist die zeitliche Gewichtung zwischen Kind und Karriere?

Am Wochenende stehen die Kinder im Mittelpunkt. Wenn ich etwas arbeiten muss, dann höchstens am Abend. Ausnahmefälle sind beispielsweise Messen, wobei wir das im Team bisher stets so organisiert bekommen, dass ich praktisch nie das ganze Wochenende weg bin. Unter der Woche wünsche ich mir oft, mehr Zeit mit meinen Kindern zu haben. Auf der anderen Seite ist es wichtiger, wie man die Zeit verbringt als wie viel Zeit. Wenn ich zu Hause bin, dann gehe ich zwischen 18 und 20 Uhr nur in wichtigen Fällen ans Telefon. Diese Zeit gehört meinen Kindern.

Wieviel „Abstand zum Beruf“ kann man denn tatsächlich schaffen?

Das liegt ehrlich gesagt zum größten Teil an einem selbst. Als Gründer eines Startups ist es natürlich etwas anderes als bei einem Angestellten eines Konzerns. Als Gründer eines Unternehmens, hinter dem ich voll und ganz stehe und für das ich „brenne“, fällt es nicht immer ganz leicht, abzuschalten. Aber wenn, dann gelingt es beim Spielen mit den Kindern. Die tolerieren nicht, wenn ich nicht bei der Sache bin. Ob beim Toben oder beim Ritterspielen, sie verlangen die volle Aufmerksamkeit. Das ist auch gut so und es hilft beim Abschalten. So schnell schafft das – zumindest bei mir – kein Spielfilm und keine Joggingrunde im Wald.

Gestaltest du deinen Tag anders, seitdem du Vater bist?

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Nicht anders, sondern strukturierter. Zeitmangel ist wie gesagt das größte Thema, wenn man Kind und Karriere unter einen Hut bekommen will. Im Internet surfen oder die Mittagspause spontan verlängern – das mache ich immer noch, aber viel seltener, weil ich weiß, dass ich dann später heimkomme. Meistens setze ich mich auch noch einmal an den Rechner, wenn die Jungs im Bett sind.

Gibt es „heilige Rituale“, feste Termine mit der Familie, die du um keinen Preis missen möchtest?

Das Abendessen und das Frühstück mit meiner Familie. So fängt der Tag schön an und hört gut auf. Die Jungs sprudeln vor Energie, das macht mir richtig gute Laune.

Was hast du von deinen Kindern bisher gelernt?

Was der einzelne Moment wirklich wert ist und was im Leben wirklich wichtig ist. Und wie viel man mit einem Lächeln bewirken kann.

Und wie hat sich deine berufliche Entwicklung verändert, seitdem du Vater bist?

Komplett. Rund vier Monate vor der Geburt meines ersten Sohnes haben wir Polarstern gegründet. Beruflich und privat hat sich in dieser Zeit mein Leben stark verändert. Zum Positiven, wie ich es heute empfinde.

Was bereust du?

Weniger Zeit für meine Familie zu haben, als ich es eigentlich will.

Welche Tipps hast du für werdende Mütter und Väter, die Kind und Karriere unter einen Hut bekommen wollen?

Nehmt euch Zeit. Und: Man kann nicht alles im Leben planen. Die Kinder geben einem genug Kraft, dass man seine Ziele erreichen kann, egal in welcher Lebenssituation man steckt.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Florian.

 

Foto: Florian Henle