Dominic Adenuga Kind Karriere

Nicole Oberhofer, Gründerin von Clevermess

Nicole Oberhofer im Kind-und-Karriere-Interview

In dem Format „Kind und Karriere“ stellen wir Menschen aus der Startup-Szene vor, die mit der Herausforderung konfrontiert sind, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Dieses Mal mit Nicole Oberhofer, Gründerin und Entwicklerin von Clevermess, dem weltweit ersten digitalen Schuh-Messgerät für Kinder. Nicole nahm am HVB Gründerinnen-Mentoring teil und wurde 2014 von der Expertenkommission des German Accelerators ins Silicon Valley eingeladen. Im Interview spricht sie über den Spagat zwischen To-Do-Listen und Spielzeiten und die kleinen Wunder des Alltags.

Wer bist du? Was machst du?

Ich bin Nicole Oberhofer, 31 Jahre alt und wohne mit meiner Familie in Titting, Oberbayern. Vor etwa drei Jahren habe ich ein Fuß- und Schuhmessgerät für Kinder erfunden und arbeite seitdem an der Umsetzung dieser Idee, die jetzt endlich auf den Markt kommt.

Wie viele Kinder hast du und wie alt sind diese?

Ich bin Mutter von zwei wunderbaren Kindern. Meine Tochter ist fünd Jahre alt, mein Sohn ist gerade drei geworden.

Was macht dein Partner?

Mein Mann und ich betreiben seit circa zehn Jahren eine eigene Werbeagentur.

Auf welche zusätzliche Unterstützung könnt ihr beiden zurückgreifen?

Wir haben leider keine weitere familiäre Unterstützung, allerdings haben wir einen sehr komfortablen Kindergarten, in dem beide Kids täglich bis 16 Uhr gut betreut sind. Mein Mann und ich teilen uns die anderen Zeiten gut auf, sodass auch Termine, die länger dauern, kein Problem sind. Notfalls können wir auf ein Kindermädchen zurückgreifen, das sich dann um unsere Kinder kümmert.

Was ist das Beste am Elternsein? Was ist doof?

Die Freude und die bedingungslose Liebe, die man von Kindern erhält, ist einfach unbezahlbar. Sie entdecken jeden Tag aufs Neue Wunder des Alltags und öffnen uns auch die Augen dafür. Ich genieße die Zeit mit meinen Kindern sehr, auch wenn der Spagat zwischen meiner To Do Liste und der Spielzeit manchmal extrem anstrengend und fordernd ist.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich für dich aus der Kombination Kind – Karriere?

Anzeige
Das Schwierigste an dieser Kombination ist, beiden Bereichen gerecht zu werden. Gerade am Anfang, als die Kids noch sehr klein waren, plagte mich ständig ein schlechtes Gewissen. Wenn ich gearbeitet habe und mein Kind gern mit mir spielen wollte, hatte ich ein schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber. Aber wenn man sich um Kind und Haushalt kümmert, bleibt im Hinterkopf immer der Gedanke daran, was noch alles für das Unternehmen zu tun ist. Alles in Allem denke ich, muss man ein Stück weit davon abkommen, immer alles sofort zu 100 Prozent machen zu können. Flexibilität zeigt sich darin, dass man sich die Zeiten gut einteilt und bedeutet gleichzeitig, dass ich auch viel abends und am Wochenende arbeite.

Wie ist denn die zeitliche Gewichtung zwischen Kind und Karriere?

Meine Kinder gehen von 8:30 Uhr bis 16:00 Uhr in die Kita. Das ist dann auch meine Kernarbeitszeit. Danach versuche ich, die restliche Zeit bis zum Schlafengehen mit meinen Kindern zu verbringen. Im Großen und Ganzen klappt das ganz gut. Wenn ich meine zusätzlichen Arbeitszeiten von den Abenden und Wochenenden hinzuzähle, verbringe ich sicherlich gut 60 bis 70 Prozent der Woche mit Arbeit, den Rest verbringe ich mit meiner Familie.

Was machst du morgens als erstes? E-Mails checken oder Kinder wecken?

Ich checke meine Emails noch im Bett, bevor ich aufstehe. Erst dann kann der Tag beginnen.

Gibt es „heilige Rituale“, feste Termine mit der Familie, die du um keinen Preis missen möchtest?

Für uns ist es wichtig, dass wir gemeinsam frühstücken. Ich möchte den Kindern die Möglichkeit geben, gemeinsam in den Tag zu starten und sich darauf zu freuen. Auch wenn das Ganze morgens manchmal recht stressig abläuft, so möchte ich es nicht missen. Und auch ich stimme mich so auf den Tag ein und kann erstmal ankommen und wach werden für alles, was bevorsteht.

Bereust du bisher irgendetwas?

Manchmal bereue ich, dass ich die Babyzeit mit meinen Kindern nicht so umfangreich genießen konnte wie andere Mamas, die ein ganzes Jahr Elternzeit haben. Andererseits finde ich, man sollte immer versuchen, das zu tun, was einem wichtig ist. Und wenn eine Kindergartenveranstaltung wichtig ist, dann kann ich sie auch in meiner Terminplanung berücksichtigen.

Was hast du von deinen Kindern gelernt?

Meine Kinder zeigen mir jeden Tag von Neuem, dass Stress und Hektik nicht die richtigen Zeitgenossen sind. Je mehr Stress und Druck ich auf die beiden ausübe – „Beeil dich doch mal!“ – umso langsamer geht alles. So ist es ja in der „wahren Welt“ auch. Versuche, die Dinge gelassener zu sehen. Es braucht nicht immer einen riesigen Stress, um etwas zu erreichen.

Wie hat sich deine berufliche Entwicklung seit dem Elternsein verändert?

Für mich war die größte Veränderung, dass ich meine Zeit anders nutze als vorher. Bevor man Kinder hat, kann man als Unternehmer seine Zeit relativ frei einteilen. Mit Kindern verändert sich das alles. Ich habe gelernt, die vorhandene Zeit effektiver zu nutzen und Prioritäten in den Aufgaben zu setzen. Meine Arbeit war mir immer enorm wichtig, jetzt sind halt auch meine Kinder noch wichtig.

Wie wichtig ist dir die Work-Life-Balance deiner Mitarbeiter und wie wird sie in deinem Unternehmen durchgesetzt?

Sobald ich Mitarbeiter beschäftige, werde ich versuchen, eine gute Work-Life-Balance und ein flexibles Umfeld für sie zu erreichen, sodass auch andere Mütter und Väter die Zeit mit ihren Kindern genießen können. Das geht in einem Startup sicherlich nur, wenn man es schafft, als Arbeitgeber mit den Mitarbeitern an einem Strang zu ziehen, das gleiche Ziel vor Augen zu haben und mit größtmöglicher Begeisterung und Motivation an und in dem Unternehmen zu arbeiten. Da ich selbst den Spagat zwischen Arbeit und Familie kenne, werde ich den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, flexibel zu sein und wenn zum Beispiel wichtige Termine mit dem Kind anstehen, diese auch mit einzuplanen. Ein ehrliches Verhältnis zueinander sowie Verständnis für die verschiedenen Lebenssituationen sind hier sicher förderlich. Ich denke, so kann eine gewinnbringende Zusammenarbeit auf Dauer erreicht werden.

Und zum Schluss: Welche Tipps hast du für werdende Mütter oder auch Väter, die Kind und Karriere unter einen Hut bekommen wollen?

Ich kann in dem Fall nur aus der Unternehmersicht sprechen. Für mich war es richtig, die Kinder schon frühzeitig – ab anderthalb Jahren – in eine Kindertagesstätte zu bringen. Denn dort sind sie gut betreut und werden gefördert, was man oftmals zu Hause aus Zeitmangel so nicht schaffen würde. Mir hat mal jemand dahingehend einen guten Tipp gegeben: „Wenn Sie gestresst sind, ist es Ihr Kind auch! Legen Sie die Betreuungszeiten so, wie es für Sie passt. Dann passt es auch für die Familie.“ Und genauso ist es – wenn ich am Nachmittag meine Kinder aus der Kita hole, weiß ich, dass ich eine Menge Arbeit am Tag geschafft habe. Und dann kann ich auch die Zeit mit den Kindern genießen!

Nicole, vielen Dank für dieses Gespräch.

 

Foto: Clevermess