Ulrike Käfer Kind Karriere

Ulrike Käfer, Mitgründerin von Coworking Toddler

Ulrike Käfer im Kind-und-Karriere-Interview

In dem Format „Kind und Karriere“ stellen wir Menschen aus der Startup-Szene vor, die mit der Herausforderung konfrontiert sind, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Dieses Mal erzählt Ulrike Käfer, Unternehmerin, Mutter und Mitgründerin eines Coworking Spaces für Eltern, von notwendigen Paradigmenwechseln, abendlichen Mutter-Tochter-Ritualen und Entschleunigung.

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Ulrike Käfer, Mompreneur und Mitgründerin von Coworking Toddler, Deutschlands erstem professionellen Coworking Space mit einer angekoppelten hochwertigen Kinderbetreuung. Mit diesem Konzept wollen wir ein erstes realisierbares Modell anbieten, mit dem sich Beruf und Familie vereinbaren lassen und das sowohl Eltern als auch Unternehmen glücklich macht.

Außerdem habe ich eine zweieinhalbjährige Tochter. Einen Monat nach ihrer Geburt habe ich übrigens meine erste Gründung in Angriff genommen: Maternita ist ein Schwangerschafts-Concierge und Baby Planner.

Was macht dein Partner beruflich?

Er ist IT-Berater und ebenfalls selbstständig. Wie haben beide Sicherheit gegen Flexibilität eingetauscht, sodass wir unseren Ansprüchen ans Elternsein, beziehungweise an das Unternehmersein, gerecht werden können.

Auf welche Unterstützung könnt ihr beide in puncto Kinderbetreuung zurückgreifen?

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Meine Tochter geht ganztags in die Kita und danach und an den Wochenenden wechseln wir uns, je nach Terminen, mit ihr ab. Mittlerweile sind wir wahre Koordinierungsgenies. Wir haben leider keine Familie in der Nähe und sind weitestgehend auf uns gestellt. Manchmal springen auch die Nachbarn ein und wenn es gar nicht anders geht, nehme ich meine Tochter sogar mit zur Arbeit. Ich habe gelernt, dass wir selbstständige Eltern privat und beruflich super vernetzt sein müssen. Deswegen ist mir auch das Projekt Coworking Toddler so wichtig.

Hast du denn Elternzeit beantragt?

Ich habe mit meinem Mann gemeinsam sieben Monate Elternzeit genommen. In der Zeit habe ich allerdings auch gegründet. Danach habe ich mein Studium und eine Zusatzausbildung beendet. Eine richtige Pause gab es für uns nie.

Was ist das Beste am Elternsein? Was ist doof?

Puh, da gibt es so vieles. Mein Kind hat mich viele Fähigkeiten gelehrt, die mir als Gründerin extrem weiterhelfen. Ich kann mich organisieren, mich super auf neue Situationen einlassen, trotz wenig Schlaf produktiv sein, und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Das Wichtigste ist aber, dass meine Tochter mich auch mal entschleunigt und ich mit ihr die Welt nochmal neu entdecken kann. Neulich haben wir beispielsweise eine halbe Stunde auf dem Boden gelegen und Ameisen beobachtet.

Doof ist, dass sie so schnell groß wird, das geht mir immer alles zu schnell.

Welche Probleme oder Schwierigkeiten ergeben sich aus der Kombination Kind-Karriere?

„Kind und Karriere“ geht nicht innerhalb der alten gesellschaftlichen Strukturen. Die muss man brechen. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, nicht nur bei den Eltern, sondern eben auch bei den Unternehmen. Ich finde es schade, dass die Vereinbarkeitsdebatte mittlerweile zur politischen Farce wird. Grundsätzlich haben Eltern das Problem, allen und allem gerecht zu werden. Daran scheitern früher oder später viele junge Familien. Sie haben dauerhaft ein schlechtes Gewissen oder trauen sich gar nicht mehr an das Thema Kinder heran. Das ist schade, denn je mehr es von uns gibt, desto mehr kann bewegt werden.

Wie ist die zeitliche Gewichtung zwischen Kind und Karriere?

Ich arbeite circa 60 Stunden in der Woche. Das geht gar nicht anders, wenn man gründet. Allerdings hat von 16 bis 20 Uhr meine Tochter meine vollste Aufmerksamkeit, zumindest meistens. Wenn sie dann im Bett ist, arbeite ich weiter. Das ist nicht immer leicht, aber wenn man an eine Idee glaubt, hat man auch einfach so viele Hummeln im Hintern, die einen diese Idee auch abends um elf noch vorantreiben lassen.

Was machst du morgens zuerst: E-Mails checken oder Kinder wecken?

Unterschiedlich. Je nachdem, wer zuerst wach ist. Wenn ich zuerst aufwache, dann E-Mails checken. Ansonsten weckt das Kind auch gerne mal uns.

Gibt es „heilige Rituale“, feste Termine mit der Familie, die du um keinen Preis missen möchtest?

Davon haben wir einige. Zum Beispiel hören wir abends gerne zusammen ein Hörspiel und kuscheln. Morgens brauchen wir beide sehr lange zum Aufwachen, dann trinkt sie ihre Honigmilch und ich meinen Kaffee. Mit dem Papa fährt sie regelmäßig S- und U-Bahn, einfach so, ohne Ziel. Das lieben sie.

Was hast du von deiner Tochter gelernt?

Trödeln. Die Zeit auch mal vergessen. Stehen bleiben und die Welt entdecken, egal, ob es regnet oder nicht. Vor allem erinnert sie mich jeden Tag daran, was wirklich wichtig ist.

Welche Verbesserung der Gesetzeslage würdest du dir in Bezug auf die Elternzeitregelung wünschen?

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Ich bin ein großer Fan vom Grundeinkommen und denke, dass sich damit viele Probleme in Luft auflösen und vor allem tolle Ideen nicht mehr an den Finanzen scheitern würden. Ansonsten hoffe ich, dass das Thema Vereinbarkeit in Zukunft weniger ein politisches sein wird. Die Wirtschaft muss erkennen, dass ein Schritt in Richtung Vereinbarkeit nicht nur ein Marketinginstrument ist, sondern auch strategische Vorteile bringt. Der Coworking Toddler zum Beispiel ermöglicht, dass Mitarbeiter langfristig gebunden werden und der Wiedereinstieg eher stattfindet. Teure und aufwändige Elternzeitvertretungen fallen zum Teil weg und das Unternehmen tritt als attraktiver Arbeitgeber auf. Man sieht: Es muss einfach ergebnisorientierter gedacht werden.

Wie hat sich deine berufliche Entwicklung seit dem Elternsein verändert?

Ich bin wider Erwarten Gründerin geworden. Das wollte ich nie sein. Momentan kann ich mir nichts anderes vorstellen. Die Kraft und Vision, die ich durch mein Leben als arbeitende Mutter erst bekommen habe, kann ich endlich in ein zielführendes und rentables Business-Modell umsetzen. Besser geht es doch gar nicht!

Hast du denn seit deinem Elternsein einen anderen Blick auf die Arbeit?

Ja, ich sehe die Arbeit nun nur als einen Teil meines Lebens. Sie nimmt mich nicht mehr vollständig ein.

Welche Tipps hast du für werdende Mütter und Väter, die Kind und Karriere unter einen Hut bekommen wollen?

Ich stelle den Mompreneurs, die ich betreue, immer eine entscheidende Frage: Was ist deine Motivation? Sobald sie das herausgefunden haben, wird auch schnell klar, wo und wie sie beruflich und privat ihre Ziele erreichen wollen und was wirkliche Priorität hat. Alles Weitere ergibt sich erstaunlicherweise mit der Beantwortung dieser Frage.

Danke für dieses Gespräch, Ulrike.

 

Foto: Ulrike Käfer