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Rocket-Chef Oliver Samwer 2014 beim IPO

Kinnevik macht Schluss. Nach acht Jahren Partnerschaft hat sich der schwedische Investor dazu entschlossen, seine Anteile an der Berliner Firmenfabrik Rocket Internet zu halbieren. Das Verhältnis zwischen den beiden Konzernen gilt als gespannt – es soll seit Monaten zahlreiche Uneinigkeiten über die Strategie geben.

Die Schweden preisen im Handelsblatt vom Freitag dennoch ihre Ehe mit Rocket, schließlich halten sie nach wie vor 6,6 Prozent an dem Unternehmen. „Das Investment war fantastisch“, sagt Interims-Chef Joakim Andersson. „Wir haben unseren Einsatz versechsfacht.“ Er gibt allerdings zu, dass ein Interessenkonflikt entstanden ist. „Unsere Geschäftsmodelle sind sich zu ähnlich geworden“, so Andersson zu der Zeitung. „Rocket baut nicht mehr nur junge Firmen auf, sondern investiert auch in größere Unternehmen. Wir tun dasselbe.“

Kinnevik spielte über Jahre eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von Rocket Internet. Wir blicken zurück auf die wichtigsten Ereignisse der Liaison.

Die Hochzeit

Ende 2009
Der Beginn der Liebschaft: Kinnevik beteiligt sich an Rocket Internet und sichert zu, für 35 Millionen Euro bis zu 25 Prozent an Rocket zu übernehmen. In den ersten Monaten wird dann schnell viel Geld investiert: Bis April 2012 fließen etwa 700 Millionen Euro in Rocket und seine Startups.

März 2010

Kinnevik investiert in CityDeal – das Schnäppchen-Portal der Samwer-Brüder, das kurz darauf im Mai vom Vorbild Groupon aufgekauft wird. Trotz eines abgestürzten Börsenkurses nach dem Groupon-IPO Ende 2011 erlöst das schwedische Unternehmen beim Verkauf seiner Aktien im Juni 2012 64,4 Millionen Euro – und damit deutlich mehr als beim Einstieg, der gerade einmal 2,3 Millionen Euro gekostet hatte.

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August 2010

Kinnevik steigt früh bei Zalando ein: Es ist die große – und bisher auch einzige – Erfolgsgeschichte. Heute ist der Mode-Onlinehändler am Kapitalmarkt mehr als neun Milliarden Euro wert und Kinnevik besitzt ganze 31,7 Prozent der Zalando-Anteile.

Juni 2011

90 Millionen Dollar fließen in Rockets Airbnb-Kopie Wimdu, mit an Bord ist auch Kinnevik. Auf dem Startup lag große Hoffnung, doch das Millioneninvestment konnte keinen Erfolg bringen. 2016 trennt sich Wimdu von zahlreichen Mitarbeitern und wird verkauft.

Oktober 2012

Für 287 Millionen Euro erwirbt der schwedische Investor weitere zehn Prozent an Zalando und besitzt damit 35 Prozent an dem Mode-Händler.

Die Milliarden-Ehe

April 2013

Insgesamt hat Kinnevik mittlerweile rund 1,1 Milliarden Euro in Rocket-Startups gesteckt. Der Investor hält nun 36 Prozent an dem 2009 gegründeten Home24. Während der Rocket-Möbelshop heute daran arbeitet, seine Profitabilität zu verbessern, hat sich das Wachstum des Onlinehändlers mittlerweile verlangsamt. 2016 haben die Investoren den Wert des Unternehmens bei einer Finanzierungsrunde mehr als halbiert – von knapp einer Milliarde Euro auf etwa 420 Millionen Euro.

Februar 2014

Nach einem Chefwechsel bei Kinnevik wird Cristina Stenbeck Vorsitzende des Zalando-Aufsichtsrats.

Cristina Stenbeck: Die mächtige Frau hinter Zalando

Die mächtige Frau hinter Zalando

Mächtig, steinreich und dreifache Mutter: Schwedens einflussreichste Investorin, Cristina Stenbeck, wird Chefin im Aufsichtsrat von Zalando.

Juli 2014

Drei Milliarden Euro stecken in Rockets Unternehmungen – ein großer Teil kommt von Kinnevik.

3. September 2014

Zalando kündigt seinen Börsengang an. Lange hatte es Zweifler am Geschäftsmodell gegeben, denn Zalando verbrannte über Jahre viel Geld. Heute hingegen arbeitet das Tech-Unternehmen profitabel.

4. September 2014

Rocket Internet und Kinnevik gründen die Global Fashion Group, in welcher die Zalando-Klone zusammengefasst werden: Dafiti aus Lateinamerika, Jabong aus Indien, Lamoda aus Russland, Namshi aus dem nahen Osten und Zalora aus Südostasien und Australien. Besonders das indische Jabong, in welches insgesamt 47 Millionen Dollar flossen, zeigt sich langfristig als verlustreich. Im Juli 2016 wird es für nur 70 Millionen Dollar an Flipkart verkauft. Kurz zuvor war die Global Fashion Group von drei auf eine Milliarde Dollar abgewertet worden.

10. September 2014

Rocket Internet kündigt offiziell seinen Börsengang an, Kinnevik hält 18 Prozent an der Firmenfabrik.

April 2015

Als Lead-Investor steckt Kinnevik allein 20 Millionen Euro in den Möbel-Shoppingclub Westwing. Insgesamt hat das 2011 gegründete Unternehmen laut Crunchbase bisher mehr als 230 Millionen US-Dollar erhalten. Zuletzt erhielt Westwing vergangenen Sommer Kapital in Millionenhöhe – hielt sich allerdings zu seinem Geschäft bedeckt.

Die Scheidung

Dezember 2015

Erste Risse: Kinnevik soll laut einem Bericht den von Oliver Samwer forcierten HelloFresh-IPO über Anwälte im Rocket-Aufsichtsrat aufgehalten haben. Der damalige Kinnevik-CEO Lorenzo Grabau tritt als Chef des Gremiums ab.

Mai 2016

Grabau kündigt an, das Engagement bei Rocket in zwei bis drei Jahren überprüfen zu wollen.

Juni 2016

Grabau und ein weiterer Kinnevik-Manager verlassen den Aufsichtsrat von Rocket.

Februar 2017

Die Trennung: Kinnevik verkauft die Hälfte seiner Rocket-Anteile und hält künftig noch 6,6 Prozent an dem Konzern. Der Interessenkonflikt zwischen den beiden Investoren ist zu groß geworden – Kinnevik könnte seinen Anteil in Zukunft künftig weiter reduzieren.

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Die Rocket-Aktie stürzt ab. Schuld ist der Investor Kinnevik, der seinen Anteil an Rocket abbaut. Doch warum kommt dieser Schritt gerade jetzt?

Bild: DANIEL ROLAND / Getty