Kinnevik Rocket Investment

Rocket zahlt 113 Millionen Euro an Dividenden

Für Investment AB Kinnevik (www.kinnevik.se) wird das Investment in den Samwer-Inkubator Rocket Internet (www.rocket-internet.de) und seine Portfoliounternehmen immer wichtiger. In den vergangenen Jahren hat sich das Engagement auf stattliche 1,1 Milliarden Euro ausgeweitet. Der Fair Value (Marktpreis) der Beteiligungen belief sich dabei nach Angaben im Geschäftsbericht 2012 (PDF) auf umgerechnet 1,6 Milliarden Euro. Dabei nicht zu vergessen: Insgesamt 113,4 Millionen Euro an Dividenden erhielt der schwedische Investor im vergangenen Jahr für seine Beteiligungen.

Zu den Investments gehören neben Zalando (www.zalando.de), Home24 (www.home24.de) oder Wimdu (www.wimdu.com) auch die Holdinggesellschaften Bigfoot I (Dafiti, Lamoda und Teile von Namshi), Bigfoot II (The Iconic, Zalora sowie Teile von Zando und Jumia) sowie BigCommerce (Lazada, Linio und weitere Teile von Namshi), welche die unterschiedlichen Amazon- und Zalando-Konzepte zusammenfassen.

Zalando-Engagement im Mittelpunkt

Zalando wurde nach dem gerade vorgestellten Zahlenwerk zum Jahresende 2012 übrigens mit rund 2,8 Milliarden Euro bewertet, was der Bewertung zum letzten Kinnevik-Investment entspricht. Im vergangenen Jahr hatte der Samwer’sche Haus- und Hoffinanzierer seinen Anteile an dem in der Kernregion nach eigenen Angaben an der Gewinnschwelle stehenden E-Commerce-Riesen auf 35 Prozent ausgeweitet und hatte sich dies im Rahmen eines Zehn-Prozent-Investments im Oktober 287 Millionen Euro kosten lassen.

Bis zum 30. Juni dieses Jahres besteht zudem die Option für weitere knapp drei Prozent im Wert von 100 Millionen Euro. Zum Erwerb eines Pakets im Volumen von 41 Millionen Euro hat Kinnevik sich laut Geschäftsbericht bereits verpflichtet, das Investment selbst allerdings wurde noch nicht getätigt. Die Entscheidung über die verbleibenden 59 Millionen Euro stehe derweil noch aus, heißt es von Kinnevik.

Glossybox mit Problemen?

Im vergangenen Jahr hatte die Bewertung der Beauty Trend Holding GmbH, hinter der sich der Abo-Boxen-Versender Glossybox verbirgt, leicht abgenommen (Anm. der Red.: anders als zuvor verschiedentlich vermeldet jedoch nicht um die Hälfte, hier handelte es sich um einen Druckfehler im Kinnevik-Geschäftsbericht, der mittlerweile korrigiert wurde). Hintergrund dafür dürfte sicherlich ein fehlendendes Übernahmeinteresse des US-Vorbilds Birchbox an dem Klon sein. Dem Vernehmen nach hatte der Berliner Inkubator zwischenzeitlich bereits versucht, die einzelnen Ländergesellschaften an lokale Kosmetikfirmen zu verkaufen – offenbar ebenfalls mit wenig Erfolg.

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Nun wird laut Hörensagen von einer auf Country Managern basierenden Organisation auf eine zentralisierte Steuerung umgestellt. Damit sollen so die Kosten für den Betrieb heruntergefahren werden, wodurch auch Gerüchte über weit reichende Entlassungen eine gewisse Glaubwürdigkeit erhalten. Rund 55 Millionen Euro an Kapital wurden bislang in das Unternehmen investiert.

Betrachtet man die weiteren Anteile an Rocket-Unternehmungen fällt auf, dass sich die Anteile zumindest bei den größeren E-Commerce-Unternehmungen beziehungsweise Holdings alle in vergleichbaren Größenregionen bewegen. Bei Home24, das mit 250 Millionen Euro bewertet wird, liegt die Beteiligung etwa bei 36 Prozent. Der Kinnevik-Anteil, an dem Vernehmen nach derzeit schwer verkäuflichen AirBnB-Klon Wimdu, wird gegenwärtig auf 41 Prozent beziffert, bei den drei Holdinggesellschaften Bigfoot I, Bigfoot II und BigCommerce sind es 39 Prozent, 44 Prozent respektive 29 Prozent.

Wahre Geldflut

Auch wenn sich im vergangenen Jahr die US-Investmentbank J.P. Morgan schlagzeilenträchtig ebenfalls bei einigen Rocket-Ablegern engagiert und auch Tengelmann sein Investment zuletzt deutlich erweitert hatte, bleibt Kinnevik einer der wesentlichen Geldgeber des Inkubators und seiner Portfoliounternehmen. Dabei verstand es das Samwer-Gespann in den letzten Monaten vortrefflich, auch neue Geldgeber wie Summit Partners von den eigenen Aktivitäten zu überzeugen um so den kostenintensiven (und enormen) Expansionskurs zu finanzieren – fast wöchentlich werden zeitweise neue Millionen-Investments bekannt gegeben.

Längst wird dabei übrigens die Abhängigkeit des schwedischen Geldgebers größer, als das anders herum zu sein scheint: Vom reinen Online-Investment, das Kinnevik im vergangenen Jahr in Höhe von umgerechnet insgesamt 810 Millionen Euro tätigte, floss mit 793 Millionen der absolute Löwenanteil in den Samwer-Inkubator beziehungsweise seine Portfoliogesellschaften. Demnach dürfte man in Schweden auf baldige Erfolge hoffen, bislang erscheint das Rocket-Engagement noch nicht besonders lohnend. Zwar habe man in keinem Fall eine festgelegte Exit-Stategie, sondern setze auf Wertschöpfung. Alleine mit den Dividenden allerdings wird man sich langfristig auch nicht zufrieden geben können.

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