Pizza

Flaches Essen ist am besten.

Alles muss viel flacher sein.

Vielleicht wäre der Mensch, der sich bei Google die Namen neuer Betriebssystems-Versionen ausdenkt, gerne ein Pudelzüchter. Verständlich, denn wer wäre nicht gerne täglich von flockigen Schnuppnasen umgeben statt von kalten Maschinen. I know I do. Jedenfalls funktioniert die Benamsung der neuen Android-Versionen bei Google wie in einem gut geführten Hundezuchtzwinger: Bei jedem neuen Wurf immer einen Buchstaben im Alphabet weiterrutschen. Bei den einen heißt das dann Cäsar, Dusty, Egon und Fiffi, bei Google eben Cupcake, Donut, Eclair, Froyo, Gingerbread, Honeycomb, Ice Cream Sandwich und Jelly Bean.

Die neue Version bekam nun den Namen KitKat, ein Kooperationsdeal mit Nestlé, dem Hersteller des zerteilgefälligen Schokoriegels, inklusive  – der Lebensmittelkonzern baute gar seine Homepage zu einer augenzwinkernden Hommage an die Technerdkundschaft um. Völlig unverständlich indes, warum Google bei der Namensgebung so besessen von Süßigkeiten ist. Angeblich habe man sich bei „Kitkat“ an den beliebten Gratis-Snacks orientiert, die man als Google-Mitarbeiter während der Arbeit ja an allen Ecken von Feelgood-Officern unaufgefordert in die Backentaschen gestopft bekommt, wie man so hört, des guten Arbeitsklimas wegen.

Gerettet mit Scheibletten

Dabei weiß ja jeder spätestens seit Douglas Couplands sehr gutem Techmilieu-Roman „Microserfs“, dass Programmierer  am liebsten flache Sachen essen. An einer Stelle des Buchs verliert der überaus sensible Programmierer Michael die Nerven, weil ihm jemand eine Schmähmail über seinen angeblich schlechten Code schickte. Er verschanzt sich hackend in seinem Büro und kommt nicht mehr heraus, und als seine Kollegen sich Sorgen machen, er könnte darin verhungern, schieben sie ihm flache Lebensmittel unter dem Türschlitz durch: Scheiblettenkäse, Kräcker, Poptarts und flach gedrückte Trockenfrüchte. Auch karg belegte Pizza wäre möglich. Der Urban Dictionary nahm den Begriff flat food als bevorzugtes Coder-Futter sogar in sein Lexikon auf.

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Einen Kitkat-Riegel aber kann bei drohendem Programmiererhungertod höchstens durch die maroden Schlüssellöcher dieser legendären Berliner Hinterhaus-Startup-Zwiebelbuden schieben. Darum sollte Google bei weiteren Android-Versionstaufen dringend auf flache Lebensmittel umschwenken, um seine Programmierer nicht von ihrem von der Natur vorgesehenen Ernährungsplan abzubringen. Einzige logische Konsequenz: Als nächstes kommt Version „Leberwurstbrot“. Entsprechend dünn geschnittene Scheiben gleiten mühelos durch die meisten handelsüblichen Türschlitze, der schmalzig-schlonzige Aufstrich legt sich wie Balsam um wundgecodete Programmierseelen. Und auch im Googleschen Skulpturenpark im Garten des Valley-Hauptquartiers, wo man ja gerne passend zu jeder Version eine übermannshohe Skulptur errichtet, könnte sich ein riesiges Leberwurst als beliegbare Pausenfläche sehr gut machen: „Komm, wir machen heute Pause auf dem Leberwurstbrot!“ Es wäre dumm, diese historische Chance für eine Albernheit wie „Lakritzschnecke“ oder „Lolli“ wegzuwerfen. Please, Google, don’t screw that up.

High Noon, die neue Startup-Tech-Kultur-Glosse, erscheint freitags um – Überraschung: 12 Uhr. 

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