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Die Kleiderkreisel-Gründer Justas Janauskas und Milda Mitkute

Wenn Unternehmen Mitarbeiter entlassen müssen, die zuvor tatkräftig die Firma mit aufgebaut haben, ist das immer ein bitterer Schritt. Wohl kaum einen Geschäftsführer lässt das kalt – und falls doch, dann hat er definitiv ein größeres Problem als die Leute, die er gefeuert hat.

Justas Janauskas, Gründer der Kleiderkreisel-Mutter Vinted, hat jetzt angekündigt, jeden vierten Mitarbeiter entlassen zu wollen. Er tat das mit einem brutal ehrlichen Post auf Facebook, den zuerst Exciting Commerce entdeckt hat.

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„Wir ändern die Strategie von Vinted von produkt- zu wachstumsorientiert“, schreibt Janauskas darin. In den vergangenen drei Monaten habe Vinted ein anderes Geschäftsmodell getestet, das das Wachstum verbessert habe. Worin die Strategieänderung genau besteht, verrät der Gründer nicht. Aber er behauptet, mit dem neuen Modell habe man das Geschäftsvolumen in Deutschland verdoppeln können.

Damit die neue Strategie wirklich funktionieren könne, müsse nun die Kostenstruktur angepasst werden, so Janauskas. Sprich: Mitarbeiter würden entlassen, die Ersparnisse daraus werde man ins Marketing stecken. Laut einer Mitarbeiterin, die anonym bleiben will, soll das komplette Münchner Büro geschlossen werden. Außerdem werde der Firmensitz von München nach Berlin verlegt – in der Hoffnung, dass sich dort talentierte Menschen dem Unternehmen anschließen, so der Gründer in seinem Post. Janauskas schließt den Text mit den Worten, dass die Entlassungen der Preis für jene Fehler sei, die die Firma wegen der früheren Strategie gemacht habe: „Es ist ein sehr großes Learning für mich.“

Klar ist: Wer mehr Kunden will, kommt häufig um eine Erhöhung des Marketing-Budgets nicht umher. Mehr Werbung erleichtert definitiv den Erstkontakt mit neuen Zielgruppen. Und das Personal fällt oft als höchster Kostenpunkt ins Gewicht – hier lässt sich also viel sparen.

Es ist allerdings fraglich, ob der geplante Strategiewechsel bei Kleiderkreisel wirklich zum Erfolg führen wird. Denn die Probleme des Unternehmens liegen nicht unbedingt in zu geringen Kundenzahlen, sondern in einer fehlenden Monetarisierungsstrategie. Vor über einem Jahr führte Kleiderkreisel eine Gebühr für verkaufte Artikel ein, nur um sie ein paar Monate später nach viel Protest der Community wieder einzustampfen. „Der Wunsch nach einer Möglichkeit, kostenlos zu verkaufen, war so groß, dass wir dem nachkommen wollten“, sagte eine Sprecherin zu Gründerszene.

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Das zweite Problem des Unternehmens: Der Umgang mit seinen höchst aktiven und loyalen Mitgliedern. Die kritisieren schon lange den fehlenden Service der Plattform. So etwas wie Käuferschutz sei praktisch nicht vorhanden, bemängelte eine Userin gegenüber Gründerszene. Mitglieder beschweren sich außerdem immer wieder über Zensur im Kleiderkreisel-Forum. Dort unterhalten sich Nutzer über private und gesellschaftlich relevante Themen, es bietet ihnen einen echten Mehrwert. Und genau hier scheinen die ehrenamtlichen Moderatoren die Lage nicht im Griff zu haben.

Doch Kleiderkreisel ist für Mitglieder nur dann attraktiv, wenn es sich von Konkurrenzseiten wie Ebay oder Facebook-Gruppen absetzen kann, denn alte Klamotten kann man dort auch verkaufen. Es braucht also einen persönlichen und service-orientierten Umgang mit den Kunden – das hieße zum Beispiel mehr professionelle Service-Mitarbeiter, weniger ehrenamtliche Forenmoderatoren. Und eins ist sicher: Weniger Personal hilft da nicht.

Bild: Vinted