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Die Knödelkult-Gründer: Matthias Helmke, Felix Pfeffer, Janine Trappe und Raimund Keinert (von links)

Jeden Abend bleiben in vielen Bäckereien des Landes Brote und Brötchen übrig. Nur zu einem Teil werden sie am nächsten Tag nochmals angeboten. Der Rest landet früher oder später in der Tonne und wird verbrannt.

Alleine in Deutschland würden 500.000 Brote am Tag weggeschmissen, erzählt Janine Trappe. 500.000 Brote, aus denen man prima mehrere Millionen Knödel machen könnte. Die Idee dazu kam der Juristin, als sie mit dem Maschinenbauer Matthias Helmke und den Architekten Raimund Keinert und Felix Pfeffer bei einem Stammtisch in ihrer Heimatstadt Konstanz zusammen saß. „Es war spät und wir waren hungrig, als uns Matze von einer Knödelmaschine erzählte“, erinnert sich Trappe. Ihm schwebte ein Gerät vor, in das Bäcker altes Brot oben reinschmeißen und unten kommen Knödel heraus.

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 Die Ernüchterung kam noch am selben Abend. „Leider ist so eine Maschine zu komplex zum bauen“, sagt Trappe. Deshalb schwenkten die Freunde auf eine andere Geschäftsidee um. Eine, bei der sie die Knödel selbst zubereiten wollten: „Wir dachten uns sofort, dass das nicht nur eine nette Spinnerei sein muss.“

Kurz darauf gründeten sie ein Unternehmen mit dem Namen Knödelkult. Seitdem sammeln sie übriggebliebenes Brot von den Bäckereien in ihrem Umkreis ein und geben ihnen dafür einen kleinen Unkostenbeitrag. Das Brot würfeln sie mit einer Maschine in kleine Stückchen und mischen es mit Speck, Käse, Zwiebeln und Gewürzen.

Danach füllen sie es in Gläser und garen sie in einem Wasserbad über eine Stunde lang. „Dadurch werden Keime abgetötet“, sagt Trappe. Die Knödel im Glas sind nun mehrere Monate haltbar. „Sie schmecken kalt, aber noch besser sind sie, wenn man sie in der Pfanne anbrät“, weiß die Gründerin.

In drei Sorten gibt es die Knödel mittlerweile: einen Klassiker mit Speck, Zwiebeln, Bergkäse und Weißwein, eine vegetarische Variante mit Karotten, Ingwer und Nüssen und den sogenannten Dödel im Knödel: mit Brezeln, Obazda und Weißwurst. Schon bald solle es noch mehr Varianten geben, die an die Jahreszeiten angepasst würden, erzählt Trappe. Die Küche teilen sie sich mit einem befreundeten Restaurantbetreiber.

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So sehen die Gläser mit den Knödeln aus.

Auf Startnext gibt es erstes Kapital

Bei den Kunden scheint der eingeweckte Knödel gut anzukommen. Auf der Crowdfundingplattform Startnext sammelten die Gründer in dieser Woche mehr als 23.000 Euro ein – fast das Fünffache des von ihnen gewünschten Beitrags. Mit dem Geld wollen sie sich eine neue Knödelwürfelmaschine kaufen und ihren Online-Shop aufbauen, um darüber künftig die Produkte zu vertreiben. „Mittelfristig wollen wir außerdem versuchen, in die Lebensmittelläden hier in der Region zu kommen“, erzählt Trappe.

Im Moment kosten ein Knödelglas 4,50 Euro: „Unser Ziel ist es, dass wir es unter vier Euro hinkriegen“, sagt Trappe. Das sei notwendig, um in den Supermärkten neben Fertigprodukten wie denen von Pfanni eine Chance zu haben.

Aktiv auf der Suche nach Investoren sind die vier nach eigenen Angaben noch nicht. „Uns haben schon ein paar Leute angesprochen, die sich gerne beteiligen würden“, erzählt Trappe. Denen hätten sie abgesagt. „Wir wollen erstmal die Produktion professionalisieren und dann ganz organisch wachsen, bevor wir uns einen passenden Partner mit ins Boot holen.“

Das Einwecken dauere im Moment noch zu lang, so die Gründerin. „Es ist aktuell unser Nadelöhr, weil wir nur zirka 50 Gläser pro Stunde schaffen.“ Deshalb suchen sie gerade eigene Produktionsräume, in die größere Maschinen passen. Außerdem benötigen sie einen Abfüller, also ein Unternehmen, das die Knödelmasse ins Glas bringt: „Dann ist egal, ob wir ein oder 1.000 Gläser am Tag verkaufen.“

Bild: Knödelkult