Graffiti

Irgendwann muss doch eigentlich jedes Startup gestartet sein und es genug Coworkingspaces geben, oder? Hier ein Accelerator, dort eine Begegnungsstätte für junge Digitalunternehmen. Eine Konferenz jagt die nächste, man weiß gar nicht, wann man vor lauter Networking eigentlich noch arbeiten soll. Aber jetzt gibt es noch ein Zentrum für Startups und das ganze Drumherum in Berlin. Das Team um Gründer und CEO Udo Schloemer baut am Görlitzer Park eine weitere Factory.

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Auf schlanken fünf Etagen und einer Fläche von 14.000 Quadratmetern wird die neue Factory deutlich größer als der bisherige Standort in Berlin-Mitte. Und es soll dort nicht nur gearbeitet werden: Restaurants, eine Bibliothek, Café, Yogaraum, einen Kinosaal und 3D-Drucker wird es am Görlitzer Park geben. Außerdem zieht die Code University ein, die erste private Fachhochschule für Programmierer in Deutschland. Dazu noch ein neuer Digital-Hub der Bundesregierung für das Thema „Internet of Things”. Wir freuen uns jedenfalls drauf und fragen uns allerdings, ob es nach dem Vorbild der Milliarden-Firma WeWork vielleicht inzwischen lukrativer geworden ist, Flächen für die Startup-Szene zur Verfügung stellen, als selber eins zu gründen und damit durchzustarten.

Eine Mutter kämpft wie eine Löwin

Das ganze Thema Gründen bekommt jedenfalls durch die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ ungeheure Aufmerksamtkeit. Auch wenn es in erster Linie um Unternhaltung geht, auch in dieser Staffel wird gezeigt, dass man es mit einer guten Idee und viel Arbeit sehr weit bringen kann. Unbestrittener Höhepunkt der ersten Sendung war Anna Vonnemann, die ihrer halbseitig gelähmten Tochter das Laufen beibrachte. Dafür konstruierte die Künstlerin, die mit Technik nicht allzuviel zu tun hat, eine zunächst sehr einfache Maschine, die bis heute immer weiter entwickelt wurde. Bei ihrer inzwischen 26-jährigen Tochter hat es funktioniert. Sie kann wieder aufrecht laufen. Jetzt soll mit Hilfe der Löwen Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer ein marktreifes Produkt entwickelt werden. Dafür gab es 200.000 Euro für eine Unternehmensbeteiligung von 20 Prozent. Eine unglabliche Geschichte, ein großartiger TV-Moment, wie meine Kollegin Kathrin Spoerr in ihrer Reportage schreibt.

Gründer Ehssan Dariani noch ohne Bart

Dann war da noch die Insolvenz von StudiVZ. Es ist schon seltsam, wenn man die Fotos aus der Gründungszeit des sozialen Netzwerkes aus Deutschland betrachtet. Wie aus einem anderen Zeitalter sehen sie aus. Dabei ist das erst 10 Jahre her. Gründer Ehssan Dariani noch ohne seinen Bart, aber mindestens so streitbar wie heute. Auch wenn es mit dem Netzwerk nach der Übernahme von Holtzbrinck damals steil bergab ging, war StudiVZ so etwas wie der Nukleus der Startupszene. Das Vorbild für viele anderen Gründer. Der Beweis, dass man so etwas von Berlin aus machen kann und dass ein Exit, bei dem viel Geld fließt, möglich ist. Zu Spitzenzeiten zählte das Netzwerk 16 Millionen Mitglieder. Nach einem langen Kampf, ist die Insovenz wohl das endgültige Ende.

Große Aufmerksamkeit mit kleinen Mitteln

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„`Und dann war da noch unser Lieblings-Marketing-Startup True Fruits. Mit einfachsten Mitteln schafft es dieser Smoothie-Hersteller immer wieder, virale Hits in den Netzwerken zu lancieren. Jetzt war es wieder so weit. Ein Wort reichte: Vagina. Die Supermarktkette Rewe war nicht sonderlich begeistert von der Smoothie-Charge mit diesem Namen und nahm das Produkt prompt aus dem Sortiment. Normalerweise werden die schwarzen Flaschen unter dem Titel „Vanille“ verkauft.

True Fruits hat in der Vergangenheit mehrfach mit skurrilen Werbekampagnen auf sich aufmerksam gemacht. Slogans wie „Oralverzehr“ und „Bei Samenstau schütteln“ oder der viel kritisierten Aktion in Österreich, bei der das Bonner Unternehmen kürzlich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert wurde. Auf großflächigen Plakaten waren schwarze, rote und gelbe Flaschen sowie Sprüche wie „Eure Heimat braucht uns jetzt“ oder „Noch mehr Flaschen aus dem Ausland“ zu sehen. Echt witzig, oder?

Die Zukunft der Mobilität

In der kommenden Woche trifft sich die Autoindustrie mit ihren Fans in Frankfurt bei der IAA. Die deutschen hersteller werden sich sehr wahrscheinlich mit Anküdigungen zu Elektroautos überbieten. Man möchte endlich den Ruf loswerden, dass man einer kleinen Firma wie Tesla ständig hinterherlaufen würde. Wir werden vor Ort sein und euch berichten, ob das Projekt Zukunft aussichtsreich angegangen wurde. Es wird Zeit. Zum Thema Mobilität haben wir außerdem eine Überraschung für euch vorbereitet. Haltet Eure Augen offen. Mehr kann ich an dieser Stelle noch nicht verraten.

Bis es nach Frankfurt geht, spazieren wir noch ein wenig durch den Frühherbst in Berlin und hören Musik. Zum Beispiel die legendäre Band Steely Dan. Mitgründer Walter Becker ist leider vergangene Woche verstorben. Hier der bekannteste Song der Band, „Do it Again“.

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