Die Hamburger Modebloggerin Kathrin Wittich ist auch als Helferin in den Messehallen aktiv.

Es fällt schwer, nach dieser Woche einen fluffig unterhaltsamen Rückblick zu schreiben. Deshalb versuche ich es gar nicht erst. In Österreich sterben in einem LKW mehr als 70 Menschen, die sich eigentlich vor der Gewalt in ihrer Heimat in Sicherheit bringen wollten. Vor der Küste Libyens ist ein Boot mit 400 Flüchtlingen an Bord gekentert. Etwa die Hälfte von ihnen ist gerettet worden, fast hundert Leichen wurden inzwischen geborgen. Und in Deutschland kommt es immer wieder zu Gewalt gegen Einrichtungen, in denen Menschen untergebracht werden, die Schutz und neue Perspektiven in unserem Land suchen.

Diese erschütternden Vorgänge lassen uns hier bei Gründerszene nicht ungerührt. Auch wenn diese Nachrichten nicht zu unserem Kerngeschäft gehören, wissen wir, dass unsere klugen Leser sich auch damit auseinandersetzen. Am Donnerstag haben wir eine Liste von Projekten veröffentlich, an denen man sich unkompliziert beteiligen kann, wenn man Menschen auf Flucht helfen möchte. Wer sich in den sozialen Netzwerken umschaut, merkt, dass die Hilfswelle gerade erst anläuft. Jeden Tag wird die Liste der Projekte länger.

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Auf der anderen Seite begegnen wir in den Netzwerken täglich einem unvorstellbaren Hass. Auf alles, was fremd ist. Da werden plötzlich unter vollem Namen Töne angeschlagen, wie man sie in Deutschland lange nicht bewusst in dieser Menge wahrgenommen hat. Dumpfe Vorurteile, Neid und Sadismus brechen sich Bahn – das lässt uns frösteln. Wer gute Nerven hat, kann sich hier die üblen Ausdünstungen der dunkeldeutschen Seele anschauen. In den gesammelten Facebook-Kommentaren wird unter anderem offen zu Gewalt und Massenmord aufgerufen. Es ist beschämend. Aber Angst lassen wir uns nicht einjagen.

Wer sich anschauen will, wie es ist, wenn man aus seinem Land fliehen muss, kann sich hier das Periscope-Video von Bild-Reporter Paul Ronzheimer anschauen. Er hat syrische Flüchtlinge auf ihrem Weg aus ihrer Heimat bis nach Deutschland begleitet – und mit seinem Smartphone gefilmt. 15 Tage lang.

Außerdem ist uns diese Kampagne aus Großbritannien aufgefallen. Menschen, die geflüchtet sind und bereits länger in England leben, werden auf Plakaten vorgestellt.


Und dann war da noch dieses Foto eines verlassenen und ziemlich unaufgeräumten Flüchtlingscamps. Richtig geraten. Es zeigt den Garten der Prager Botschaft, in dem im Jahr 1989 DDR-Bürger auf ihre Ausreise in die damalige BRD gewartet haben. Auch Deutsche waren in ihrer Geschichte Flüchtlinge und auf Hilfe angewiesen. Nicht nur im Jahr 1989.

Gut gefallen haben uns auch T-Shirts, die die Hamburger Modebloggerin Kathrin Wittich alias Kathrynsky trägt. Support refugees with style! Zu haben sind die guten Stücke hier. Kathrin: „Ich hab das Shirt von einem guten Freund, der ist wiederum der Manager von der Band Madsen. Sie treten beim Bundesvisionsongcontest auf und haben sie dafür gemacht.“ 100 Prozent der Einnahmen gehen an Pro Asyl, das sich gegen Abschiebung und für ein faires Asylverfahren in Deutschland einsetzt.

Das Video von Joko & Klaas habt ihr bestimmt schon alle gesehen, oder? Wenn nicht, dann unbedingt anschauen. Die beiden schmerzfreien Klassenclowns können nämlich auch ganz anders.

Wir von Gründerszene ziehen uns jetzt in das Wochenende zurück. Aber vorher gibt es noch Musik.

Robert Forster war mit seiner Band Go-Betweens eine interessantesten Erscheinungen der 80er Jahre. Jetzt ist der Australier mit einem Soloalbum zurück, das am 18. September erscheint.

Und hier ein Song seiner alten Band.

Roberts Bandkollege Grant McLennan ist leider vor einigen Jahren verstorben.

Fotos: Kathrin Wittich