Manchmal ist es gut, einfach mal vor die Tür zu gehen. Mit ein paar Leuten zu sprechen. Nicht nur im eigenen Saft zu schmoren. Was ist das eigentlich – dieses Internet der Dinge? Alle reden drüber. Aber niemand hat eine wirkliche Vorstellung. Und was bedeutet es für die Enstehung von neuen Businessmodellen und welche Rolle spielen Startups? Ein Besuch beim neuen OpenBerlin-Innovationscenter von Cisco in Berlin-Schöneberg, im Betahaus in Kreuzberg bei der Deutschen Bahn und eine Ausfahrt mit dem StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani hat mir klarer vor Augen geführt, was uns in Zukunft erwartet und wo die Chancen liegen.

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Die Dinge werden sprechen. Unsere gesamte Umgebung aus Holz, Stahl, Stoffen oder Kunststoff. Ganz egal. Ja, alles, was uns umgibt, lernt die digitale Sprache. Durch Sensoren, kleine eingebaute Minicomputer. Ein endloser Datenstrom wird produziert und gibt uns die Möglichkeit, mit den Dingen zu kommunizieren, sie zu steuern oder zu überwachen. „Der Kern der Dinge ist im Grunde immer die Datenübertragung“, erklärt mir Ehssan Dariani. Und er hat recht. Auch das menschliche Gehirn macht nichts anderes, als Daten zu übertragen. Wer den Schlüssel zur Datenübertragung besitzt, hat die Macht über die Dinge. Der Kern jeden Geschäftes wird in Zukunft der Umgang mit Daten sein.

Die Aufgabe, die wir für das Internet der Dinge lösen müssen, besteht darin, die Menge der produzierten Daten zu sortieren, zu verstehen und Softwareoberflächen zu schaffen, mit denen wir sie manipulieren und so die Dinge nach unseren Vorstellungen arbeiten lassen und gestalten können. Und an dieser Stelle entstehen gerade unendliche Möglichkeiten für junge Unternehmen, die das verstehen und umsetzen können. Das Smartphone ist schon jetzt die Steuerzentrale unseres täglichen Lebens und wird dann zur Fernbedienung für das Internet der Dinge. Wir wollen mit einem Klick unsere gesamte Umgebung steuern können. Bis dahin ist nicht mehr weit. Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, weil hier neue Businessmodelle entstehen. Das Geld lockt.

Die deutsche Industrie beginnt die Entwicklung zu verstehen und sucht dringend Kontakt zu Startups, um mehr Geschwindigkeit in Sachen Digitalisierung aufzunehmen. Vielleicht ist nicht mehr die Herstellung des Strommastes, mit dem in Zukunft das Geld verdient wird, sondern die digitale Steuerung eines Energie-Grids, aus dem sich jeder Kunde individuell seine Versorgung zusammenstellen kann. Vielleicht ist es nicht mehr das Auto oder die Bahn, mit dem Geld verdient wird, sondern die Steuersoftware für seine Elektronik. Oder das Shoppingsystem, mit dem wir in den selbstfahrenden Autos und im ICE der Zukunft auf der Fahrt ins Büro oder in die nächste Stadt einkaufen und Unterhaltung konsumieren.

Im neuen Innovations-Center von Cisco wird genau an dieser Schnittstelle gearbeitet. Welche digitalen Layer zwischen den Dingen und uns werden in Zukunft nötig und von Vorteil sein? Cisco stellt die Daten seiner Sensoren zur Verfügung. Startups haben die Möglichkeit, damit zu arbeiten, digitale Anwendungen zu erfinden und sie zu testen. Wir bleiben dran und berichten, was dort entsteht.

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Dann gab es noch einen gediegenen Abend in Berlin-Charlottenburg. Feinste, schäbigschicke Altbauwohnung, ausgesuchte Weine, gutes Essen und exklusives Publikum. Auch Lars Hinrichs, der Gründer von Xing, war zugegen. Auf dem Sofa unterhielten sich Diskutanten über die Liebe, Privatheit und Nähe in digitalen Zeiten. Man sah gut aus, war geschmackvoll und zeitgemäß elegant angezogen und war etwas angestrengt um absolute Lockerheit bemüht.

Ist das die Rückkehr der elitären, privaten Pariser oder Berliner Salons der 20er-Jahre? Hier traf sich die Bohème, um zu parlieren, zu rauchen, zu trinken und über die Zukunft zu theoretisieren. In den Vorkriegsjahren schwang bei dieser Art von Veranstaltungen auch immer eine leise Melancholie und eine diffuse Lust am Untergang mit. Der dann ja leider auch ziemlich schnell kam. Wir werden überleben. Ganz sicher.

Aber erstmal genießen wir unseren melancholischen Herbst-Sonntag und hören Musik.
Makellose Melancholie für regnerische Tage. Von den Carpenters.

Yo La Tengo gehen lieber surfen.

Evan Dando liebt New York. Wir auch.

 

Foto: Youtube / Screenshot / Evan Dando