Konfliktbewältigung Tipps

Ein Beitrag von Steli Efti, Mitbegründer und Geschäftsführer von Close.io – einer App, die Gründern und Verkaufsteams dabei hilft, mehr zu verkaufen.

Konfliktbewältigung für Startup-Mitarbeiter

Ein Startup zu gründen ist harte Arbeit. All die Begeisterung, die Du anfänglich mitbringst, all die Träume und Visionen, welche Dich inspirieren und vorantreiben, können sich in Frustration verwandeln, wenn die Dinge nicht so laufen, wie Du es Dir vorgestellt hast. Und es läuft nur selten so, wie Du es Dir vorgestellt hast…

Es ist leicht, in so einer Situation anderen Mitgliedern Deines Teams die Schuld in die Schuhe zu schieben. Sie sind dafür verantwortlich, dass dieses und jenes nicht richtig erledigt wurde, und deshalb ist euer Startup nicht erfolgreich. Die Stimmung im Team kippt und schon bald kann sich Unmut und Missgunst ausbreiten.

Startup-Gründer arbeiten unter Hochdruck

Es ist oft stressig, Teil eines Startups zu sein. Die finanziellen Mittel sind begrenzt. Man weiß nie genau, ob das Startup erfolgreich wird oder letztendlich scheitert und alles vergebens war. Und man investiert viel mehr Arbeit, als man das als Angestellter tun würde.

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Konflikte sind unvermeidbar. Du erschaffst etwas aus dem Nichts – dass es hin und wieder zu Reibereien kommt, gehört einfach mit dazu. Wichtig ist, wie Du damit umgehst. Ignorierst Du Konflikte einfach und tust so, als existierten sie nicht? Das kann gefährlich werden, denn irgendwann läuft das Fass über.

Ist es also besser, Streit zu suchen, um Konflikte aufzulösen? Nein, denn wenn ein Konflikt zu einem Streit eskaliert, kann das dem Teamgefüge Deines Startups schaden und die Atmosphäre vergiften.

In diesem Beitrag möchte ich eine einfache und zugleich extrem wirksame Methode der Konfliktbewältigung vorstellen. Mithilfe dieser Methode können Ärgerlichkeiten und Gerangel im Team und zwischen Gründern so bereinigt werden, dass ein gesundes Betriebsklima erhalten und gestärkt wird.

Konfliktbewältigung Schritt für Schritt

1. Der Auslöser

Irgendjemand irritiert oder frustriert Dich, und Du fühlst Dich verärgert, enttäuscht oder verletzt.

2. Entspann Dich

Erstmal bis zehn zählen und Deine Gefühle beruhigen.

Wenn die schlechten Gefühle nachgelassen haben, beschließen viele Leute einfach, über den Vorfall hinwegzusehen. Sie denken sich: „Ich bin nicht mehr sauer, also brauchen wir auch nicht drüber reden, sonst kommt nur wieder neuer Ärger auf.“

Das ist jedoch genau die falsche Herangehensweise. Denn wenn die schlechten Gefühle nachgelassen haben, ist es an der Zeit, darüber zu reden. Der Vorfall ist dann nämlich sowohl Dir als auch der anderen Person noch immer klar in Erinnerung, jedoch nicht so sehr, dass der Gedanke daran Dich an die Decke treibt.

3. Fühl‘ Dich gut

Sorge dafür, dass Du gut gelaunt bist. Wie auch immer Du das anstellst. Alles ist recht – Deine Lieblingsmusik, ein Gespräch mit einem guten Freund, ein Spaziergang im Grünen, Sport, lustige YouTube-Videos, Schokodoping…

4. Suche das Gespräch

Sprich die Person an, die der Auslöser Deines Ärgers war. „Hey, ich möchte gerne ein paar Minuten mit Dir über etwas Wichtiges sprechen. Passt das gerade?“

5. Beschreibe die Fakten

Beschreibe objektiv die Situation, die dazu geführt hat, dass Du Dich schlecht fühlst. Bleib sachlich, wenn Du genau beschreibst, was vorgefallen ist: „Gestern hast Du vor dem ganzen Team gesagt: ,Oh ja, wir sollten unbedingt unseren Verkäufer unsere App designen lassen, und wenn wir schon dabei sind, ich ruf gleich mal meinen Friseur an und frag‘, ob er mir einen Termin für eine Zahnwurzelbehandlung geben kann!’”

Du hast jetzt objektiv beschrieben was passiert ist, ohne Deine eigene Interpretation oder Gefühle hinzuzugeben.

6. Beschreibe Deine Gefühle

Jetzt beschreibe, wie Du Dich gefühlt hast. Tue dies frei von Schuldzuweisung. Denke daran: Dein Ziel ist es, den Konflikt aufzulösen, nicht einen Streit zu gewinnen. Du möchtest, dass die andere Person ihren Standpunkt erklärt, nicht, dass sie sich verteidigt.

„Ich hab mich herabgesetzt gefühlt, es war, als hättest Du meine Meinung zu dem Thema komplett entwertet und mich als dumm dargestellt.”

Du hast jetzt Dein persönliches, subjektives Erleben dargelegt – mit geradezu entwaffnender Offenheit. Das führt meistens dazu, dass die andere Person empänglicher für das Gespräch wird, und folglich das Problem leichter gelöst werden kann.

7. Zeige Deine Wertschätzung für die andere Person

Noch bevor die andere Person antworted, rufe euch beiden ins Bewusstsein, dass es nicht ums Gewinnen oder Rechthaben, sondern um ein gutes Verhältnis miteinander geht.

„Ich schätze die Zusammenarbeit mit Dir sehr. Und deshalb spreche ich das an. Ich möchte nicht, dass etwas zwischen uns steht. Ich möchte, dass wir diese Sache klären, ohne dass wir einander irgendetwas nachtragen.“

Du hast der anderen Person jetzt angeboten, den Konflikt auf eine positive Art zu bereinigen.

8. Hör zu

Die Antworten die Du bekommst, fallen üblicherweise in eine von diesen drei Kategorien:

A) Entschuldigung!

„Das tut mir leid! Das war wirklich nicht meine Absicht. Ich hab das nur gesagt, weil wir alle so gestresst waren, und ich wollte die Stimmung ein bisschen aufheitern mit einem kleinen Witz. War mir nicht bewusst, dass Dich das so verletzt hat, ich wollte Dich wirklich nicht als dumm darstellen. Bitte entschuldige, wenn das so rübergekommen ist.”

B) Das hast Du nun davon!

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„Weißt Du was? Ich bin froh, dass Du das ansprichst, denn ich denke tatsächlich, dass Du schlechte Arbeit leistest. Weißt Du, warum ich diesen Spruch losgelassen habe? Weil Du mir zum fünften mal den Bericht nicht abgeliefert hast, auf den ich schon seit zehn Tagen warte. Sorry, ich hätte das wahrscheinlich anders ansprechen sollen. Meine Absicht war nicht Dich zu verletzen, aber ich war einfach sauer.“

Jetzt weißt Du, dass es hier nicht nur um einen dummen Witz geht. Es brodelt tatsächlich ein Konflikt – und Du bist daran beteiligt. Gib der anderen Person die Möglichkeit, sich zu erklären, und versuche ihre Sichtweise nachzuvollziehen. Denn jetzt habt ihr die Chance, das tatsächliche Problem zu lösen, anstatt über einen dummen Witz zu streiten.

C) Du hast Dich dumm gefühlt, weil Du dumm bist!

„Ja, ich hab das gesagt um Dir zu zeigen, was ich von Dir halte. Endlich kapierst Du es!“

Jetzt weißt Du, dass Du es mit einem Arschloch zu tun hast. Verschwende Deine Energie nicht mit dem Versuch, ein gutes Verhältnis aufzubauen. Das ist fast unmöglich, und die Mühen nicht wert. Hoffentlich suchst Du Dir die Leute, mit denen Du zusammenarbeitest, sorgfältig genug aus, um nicht in so eine Situation zu gelangen. Falls doch, lerne daraus, und sorge dafür, in Zukunft wählerischer zu sein.

9. Reicht euch die Hände

Wenn ihr beide die Sache geklärt habt, reicht euch die Hände. Freut euch, dass ihr diesen Konflikt gemeinsam bewältigt habt. Oftmals wirst Du feststellen, dass die anderen Person sogar dankbar dafür ist, dass Du das Thema zur Sprache gebracht hast.

Kein Konflikt ist zu klein

Warte nicht auf große Konflikte. Je kleiner der Konflikt, desto besser. Denn wenn Du diesen Prozess mit kleinen Schwierigkeiten durchläufst, bist Du besser darauf vorbereitet, wenn es mal zu einem wirklich schwerwiegenden Konflikt kommt.

Lasse nicht zu, dass sich Dein Gemüt so erhitzt, dass Du irgendwann in die Luft gehst und der Konflikt eskaliert. Es sollte nie soweit kommen wie: „Du hast einen dummen Spruch über mich abgelassen. Du lässt überhaupt immer nur dumme Sprüche los, und weißt Du auch warum? Weil Du ein dummes Arschloch bist!“ – „Was zur Hölle stimmt nicht mit Dir? Ist doch nicht mein Problem, wenn Du keinen Sinn für Humor und kein Selbstbewusstsein hast!“

Wenn es erst einmal so weit gekommen ist, ist es wesentlich schwieriger, den Konflikt beizulegen.

Kehre Konflikte nicht unter den Teppich

Die meisten Menschen wollen Konflikte vermeiden. Denn Konflikte sind unbequem und oftmals mit Angst besetzt. Wenige Menschen wissen, wie sie Konflikte in Chancen verwandeln können.

Wenn Du ein Thema meidest, brodeln innerlich jedoch oft die negativen Gefühle weiter. Diese negativen Gefühle werden sich auf unterschiedliche Weisen manifestieren:

  • Die unterdrückten Gefühle tauchen anderswo wieder auf

So werden aus kleinen Konflikten dauerhafte Mini-Feindschaften. Es kommt zu Sticheleien, und sich darauf einzulassen ist sinnlos und destruktiv, wenn Du das tatsächliche Thema nicht ansprichst. Manchmal ist sich die andere Person selbst nicht einmal bewusst, warum sie so fühlt und handelt, und es ist wichtig, dann herauszufinden, was die wirkliche Ursache des Grolls ist.

  • Cliquenbildung

Eine Person fängt an, schlecht über die andere Person hinter ihrem Rücken zu reden. Anstatt Teamwork hast Du dann mit Mobbing und verhärteten Fronten, die ihre Energien nicht darin investieren, Eure gemeinsame Vision zu verwirklichen, sondern sich gegenseitig klein zu machen. Deshalb ist es wichtig, Konflikte so früh wie möglich zu bereinigen.

Konflikte konstruktiv nutzen

Konflikte beizulegen kann den Team-Zusammenhalt stärken. Ihr habt eine Herausforderung gemeinsam gemeistert und das Verständnis untereinander verbessert. Ihr habt nicht nur ein Problem gelöst, sondern zugleich die Kommunikation in eurem Startup verbessert. Das zählt zu den wichtigsten Dingen, die ihr als Startup erreichen könnt.

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