Ein Beitrag von Larissa Meierhoff, Redakteurin bei der Kreativ-Agentur Denkmotor.

Wenn es um neue Ideen geht, besteht immer Diskussionsbedarf. Meist wird dafür viel Zeit gebraucht – die auch gut investiert ist. Diese Zeit kann jedoch sehr viel effizienter genutzt werden, indem auf bewährte Kreativitätstechniken, wie die „Six Thinking Hats“-Methode, zurückgegriffen wird.

Mit dieser Technik soll eine Zeitersparnis von bis zu 50 Prozent möglich sein und das intellektuelle Potenzial um 30 bis 50 Prozent erhöht werden. Je nach Komplexität der zu besprechenden Sache innerhalb eines Meetings, kann eine Problemlösung oder auch Ideenfindung bereits nach 30 Minuten erfolgen. Viele Gründe sprechen für Kreativitätstechniken wie diese, denn traditionelles Denken beinhaltet meist die Suche nach einer Wahrheit und bringt oftmals nur ein Schwarz-Weiß-Denken mit sich – Recht und Unrecht.

Woher kommt die „Six Thinking Hats“-Methode?

Entstanden ist die Idee 1986. Der Kreativitätsforscher Edward de Bono entwarf diese Art der Kommunikationsverhandlung. Vom Namen des Erfinders ergibt sich auch die deutsche Bezeichnung „Denkhüte von De Bono“. Dank der vielfältigen Vorteile dieser Methode hat De Bono zahlreiche Unternehmen und Regierungen beraten und diesen die „Six Thinking Hats“ nähergebracht.

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Die Kreativitätsforschung entwickelte sich bei De Bono aus der Lehre der Medizin und der Kognitionswissenschaften, für die er 1969 promovierte. Aufgrund seiner gegründeten Stiftung Cognitive Research Trust, die seine Lehre verbreitet, und seiner innovativen Techniken zum kreativen Denken, wird er auch als führender Lehrer des kreativen Denkens gepriesen.

Was ist die „Six Thinking Hats“-Technik?

Es handelt sich bei der Kreativitätstechnik um eine Gruppendiskussion in Form eines Rollenspiels. Im Mittelpunkt stehen sechs verschiedene Denkweisen, die nacheinander durchgespielt werden, sozusagen wird „adopting a perspective“ ausgeübt. Diese Denkweisen werden mittels der sechs Denkhüte symbolisiert.

Grundstein der Technik ist, dass die Hüte schnell auf- und abgesetzt werden können, sodass eine andere Sichtweise schnell angenommen werden kann.
Dadurch, dass die Diskussionsteilnehmer alle gleichzeitig mit demselben Hut in die gleiche Denkweise versetzt werden, wird fokussiertes, paralleles Denken erreicht. Die Herausforderung ist für jeden die gleiche, sodass Diskussionen vermieden werden und Zusammenarbeit gestärkt wird. Dabei wird jede Person mit einbezogen und angehört, ohne dass sie dafür verurteilt wird. Kein Blickwinkel kann hierbei außer Acht gelassen werden.

Das Hineinschlüpfen und Hineindenken in eine Rolle bewirkt, dass eine offenere Diskussion möglich ist. Die Herausforderung besteht darin, in der Farbrolle zu bleiben und kooperativ zu sein. So ist diese Methode hervorragend geeignet für die Bearbeitung komplexer Aufgabenstellungen und die Optimierung von bereits vorhandenen Prozessen. Dies betrifft sowohl die Gründerszene als auch jene Menschen, die innerhalb ihres Berufsalltages auf Diskussionen treffen, wie Erzieher oder Studenten. Zudem haben die „Six Thinking Hats“ einen gewissen Spaßfaktor inne.

Die sechs farbigen Hüte

Üblicherweise wird bei Problemen viel diskutiert, teilweise gestritten. Um dies zu vermeiden, werden die Denkweisen aufgeschlüsselt in sechs Hüte. Diese beschreiben das Denkverhalten, dienen aber nicht dazu, die Mitstreiter in eine Schublade zu ordnen.

In den meisten Diskussionen dominiert normalerweise das kritische Denken, was mit den „Thinking Hats“ eingeschränkt, jedoch nicht komplett ausgeschlossen wird. Die sechs Farben der Hüte sind wie folgt zu verstehen:

Weißer Hut

Der weiße Hut steht für den Ist-Zustand. Wird dieser Hut getragen, werden Informationen zum vorliegenden Problem innerhalb des Meetings gesammelt. Alle Argumente, die an dieser Stelle angebracht werden, müssen neutral und objektiv sein. Mit dieser Sichtweise wird ein Überblick über das Problem geschaffen und ohne Wertung, ähnlich wie ein Computer, die Situation erfasst. De Bono nennt diesen Prozess auch „Das weiße Blatt“.

Roter Hut

Der rote Hut ist einer der wenigen subjektiven Denkweisen, die gefordert werden. Hiermit stehen Emotionen und Gefühle im Mittelpunkt. Dabei kann alles ausgesprochen werden, ohne dass eine Rechtfertigung von Nöten ist. Der rote Hut fordert keine Ordnung oder Rationalität und lässt sowohl positive als auch negative Emotionen zu. De Bono nennt diesen Hut auch „Feuer oder Wärme“.

Schwarzer Hut

Die bereits erwähnte Dominanz von kritischer Denkweise wird im schwarzen Hut aufgegriffen. Hier finden sämtliche negativen Aspekte und Risiken Platz. Dabei darf nicht aus den Augen gelassen werden, dass die Argumente stets sachlich zu sein haben und dementsprechend nur eine objektive Einschätzung erlaubt ist. Dies hält die Diskussion friedlich. De Bono nennt dies „Schwarzmalerei“.

Gelber Hut

Der gelbe Hut bildet das Pendant zu dem schwarzen Hut. Mit ihm werden die positiven Aspekte eines Problems oder Idee festgehalten. Die Suche nach Chancen und Pluspunkten machen das Projekt erstrebenswert. Auch realistische Hoffnungen und Ziele dürfen mit dem gelben Hut formuliert werden. Bei dieser Perspektive ist jeder Teilnehmer dazu angehalten, etwas Positives zu sagen. Das Best-Case-Szenario findet während der Diskussion an dieser Stelle statt. Diese optimistische und spekulative Denkweise nennt De Bono „Sonnenschein“.

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Grüner Hut

Der grüne Hut erweitert die Perspektive der „Six Thinking Hats“ um Kreativität. Die Suche nach Alternativen bringt neue Ideen und Ansätze hervor. Diese neuen Ansätze müssen nicht in erster Linie realistisch und normal sein, sondern können auch irrational sein – sofern diese helfen, Lösungen für die Argumente des schwarzen Hutes zu liefern. Kritische Meinungen sind untersagt. De Bono bezeichnet das assoziative Denken des grünen Hutes als „Wachstum“.

Blauer Hut

Der blaue Hut hat sozusagen die Oberhand über die gesamte Diskussion. Vorab kann eine Person als Moderator ernannt werden, die diesen blauen Hut trägt, oder aber das gesamte Team benutzt ihn. Der blaue Hut organisiert den Denkprozess und fasst Ereignisse zusammen. Er entscheidet darüber, ob ein Hut noch einmal aufgesetzt wird und trifft letztlich die finale Entscheidung. Des Weiteren sorgt der blaue Hut, sei dieser von einer einzigen Person getragen, dafür, dass keine Rolle überstark interpretiert wird, oder Personen im Gespräch untergehen. De Bono nennt ihn „Der blaue Himmel“.

Der Ablauf der „Six Thinking Hats“-Methode

Im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen, wie die „Six Thinking Hats“ umgesetzt werden können, besonders was die kreative Gestaltung des Prozesses angeht. Es können tatsächlich farbige Hüte verwendet werden, oder imaginäre Hüte. Es wird empfohlen, einen farblichen Marker mittels Kärtchen oder Armbänder zu setzen, um die Vorstellung der Rolle nicht aus den Augen zu verlieren. Wichtig ist währenddessen immer: das Denken und der Denker darf nicht verurteilt werden.

Nach Klärung der Fragestellung finden alle Teilnehmer in einem Raum Platz und beginnen mit dem weißen Hut. Alle Zahlen, Fakten und Studien werden zusammengetragen. Während des gesamten Meetings werden alle Argumente, die aufgebracht werden, schriftlich festgehalten. Optimal ist hierfür ein Flipchart, das für alle gut einsehbar ist. Nacheinander folgen der rote Hut, der schwarze, der gelbe, der grüne und letztlich der blaue Hut.

Der Moderator, der den blauen Hut trägt, fasst am Ende der Runde noch einmal alle Argumente zusammen. Die gesammelten Argumente werden nun in Pro und Contra geteilt und der Moderator streicht, welche sich gegenseitig aufheben. Eventuell werden nun noch einmal andere Hüte aufgesetzt, um zu einer eindeutigen Lösung zu kommen.

Die Vorteile

Die Methode und dessen Regeln sind sehr einfach und kostengünstig umzusetzen, zumal sie Arbeitszeit einspart und Denkprozesse verbessert. Die limitierte Sichtweise auf eine Sache, also die Fokussierung, während des Tragens eines Hutes, trennen ganz deutlich die Persönlichkeit der Teilnehmer und die Denkweise, die gefördert wird. Dank dieser Konzentrationsmethode werden die Kräfte einer Gruppe gebündelt und oftmals kommen Erkenntnisse zu Tage, die vorher nicht absehbar waren.

Weitere Vorteile sind:

  • Es kann risikofrei gesprochen werden, weil niemand verurteilt wird
  • Erzeugt die Wahrnehmung verschiedener Perspektiven
  • Verleitet zu kreativerem und kritischerem Denken
  • Verbessert die Kommunikation
  • Erleichtert die Entscheidungsfindung
  • Reichhaltige und ausgeglichene Untersuchung eines Themas oder Problems
  • Unabhängige Denker werden gefördert
  • Vorrangig objektive Argumente
  • Fördert besseres Zuhören und Toleranz gegenüber den anderen Sprechern
  • Ideen werden mit mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit vorgestellt

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die„ Six Thinking Hats“-Technik bessere Ergebnisse erzielt, als wenn eine bloße Diskussion ohne Regeln geführt wird. Sie ist eine gute Methode, um festgefahrene Argumentationsketten aufzulockern und beugt angespannten und endlosen Diskussionen vor.

Bild: Gettyimages / Emma Innocenti