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Die beiden Kreatize-Gründer Simon Tüchelmann und Daniel Garcia (von links)

Die Maschine in der Halle steht schon seit drei Jahrzehnten an ihrem Platz. Warum sollten wir sie umstellen?, fragten ihn die Mitarbeiter. Zu dieser Zeit hatte Simon Tüchelmann gerade das Unternehmen seiner Familie übernommen.

Er selbst war Mitte 20, der Mittelständler Tübinger Stahlfeinguss – kurz TSF – schaute schon auf eine 40-jährige Geschichte zurück. „Unserer Firma ging es nicht gut und es war klar, dass ich viele Dinge umwerfen muss“, erzählt Tüchelmann. Gemeinsam überlegte er mit den Mitarbeitern etwa, wie sich Abläufe in der Fabrik vereinfachen ließen, nach dem Konzept des Lean Manufacturing. Zwei Wochen Workshop, danach sollten die Maschinen anders stehen, die Produktion besser laufen und erste Ergebnisse erkennbar sein. „Immer wieder kamen einige Mitarbeiter und haben versucht mich zu überzeugen, dass wir doch alles erst einmal so lassen sollen“, erzählt Tüchelmann. Die späteren Erfolge überzeugten sie schließlich.

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Geschäftsführer Tüchelmann (zweite von links) in der Fabrik von TSF

Der Jungunternehmer schaffte es innerhalb von einigen Jahren die Firma wieder auf Vordermann zu bringen: Die Firma hätte den Umsatz verdoppelt und wieder mehr Leute eingestellt. Die Belegschaft ist seit seinem Einstieg von 45 auf 70 gewachsen, erzählt Tüchelmann.

An dieser Stelle könnte die Geschichte aus dem schwäbischen Tübingen enden. Doch das tut sie nicht: Denn der junge Geschäftsführer merkte während seiner Zeit beim Mittelständler noch etwas anders. „Die Unternehmen in dem Markt haben ein grundlegendes Problem“, sagt er. „Will ein Unternehmen eine Serienproduktion für ein bestimmtes Bauteil in Auftrag geben, muss es oft mehrere Angebote einholen.“ Manchmal bis zu zehn unterschiedliche. Die Angebote werden oft noch per Fax hin und her geschickt. Ein großer Aufwand für beide Seiten.

Dieses Problem will Tüchelmann nun mit seinem Startup Kreatize lösen. Ende 2015 hat er das Unternehmen zusammen mit dem RapidApe-Gründer Daniel Garcia gegründet. Parallel leitete Tüchelmann weiter das Familienunternehmen und probierte die Plattform von Kreatize direkt mit dem Stahlguss-Betrieb aus.

Automatisch einen passenden Produzenten suchen

Auf der Plattform von Kreatize laden die Auftraggeber beispielsweise die Daten von einem Bauteil hoch, das sie produzieren lassen möchten. Das Startup prüft automatisch, welches Produktionsverfahren am besten ist, etwa mit einem Laser-Verfahren oder per 3D-Druck. Und dann wird der Auftrag an ein Unternehmen vermittelt, Kreatize schlägt den passenden Produzenten vor und erhält eine Provision bei der Vermittlung.

„Ein großes Problem in der Branche ist außerdem das Pricing“, sagt Tüchelmann. Durch ein eigenes Tool versucht Kreatize diesen Schritt zu vereinfachen: Dafür fließen historische Preise und die Daten der Maschinen in das System. „Und das Unternehmen erhält dann automatisch einen Preisvorschlag“, erklärt Tüchelmann.

Einen Auftrag des Berliner Kofferherstellers Horizn Studios für ein bestimmtes Bauteil hätte Kreatize beispielsweise vermittelt, insgesamt 15 Unternehmenskunden zählt das Startup. Ihr Fokus liegt gerade darauf Mittelständler auf die Plattform zu holen.

Arbeiten in der Fabrik in Tübingen

Mitgründer Garcia war mit seinen Entwicklern mehrfach in Tübingen, ein Teil des Teams hat von dort aus gearbeitet. „Es war wie in einer anderen Welt“, sagt Garcia. Zum Beispiel die Reaktionen der TSF-Mitarbeiter zu dem neuen Projekt ihres Chefs. „Meine Mitarbeiter haben gesagt, deine Startup-Idee wird nie funktionieren“, sagt Tüchelmann und lacht. Sie hätten ihm dann die Gründe aufgezählt, warum Kreatize scheitern müsste, es sei einfach zu komplex. Und Tüchelmann sagte dann: „Hey, danke für das Feedback.“

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