Im zweiten Teil der webinale Exklusiv-Interviews haben Sian-Ru Lai und Olga Giechel diesmal Torsten Oelke, Buchautor und Unternehmens-berater, Jens Grochtdreis, Senior Frontend Developer bei Sinner Schrader,  Dania Gerhardt, Co-Founder von Amazee.com, Mario Grobholz, CEO von myonid.de, Florian Bailey, Usability Experte und Remo Burkhard, CEO bei vasp datatecture in Singapur, interviewt.

Im Kreuzverhör erzählen die Sechs vom Inhalt ihrer Vorträge, welche Themen sie selbst spannend auf der webinale fanden und was ihre persönlich größten Misserfogle waren. Wie auch in Teil 1 sind ihre Antworten über Kreuz zusammengeschnitten.

Für die Leser, die nicht auf die webinale kommen konnten, was waren die Kernaussage und Key-Notes zu deinem Vortrag?

Torsten Oelke: Für mein aktuelles Buch „Stars des Internets. Erfolgreiche Web-Unternehmer und ihre Geschichte“ habe ich mit vielen erfolgreichen Unternehmensgründern wie Lars Hinrichs, Craig Newmark, Stefan Glänzer u.v.a. gesprochen. Aus ihren Geschichten, die das Buch erzählt, den Rückschlägen und kleinen und großen Erfolgen kann man sehen, was einen erfolgreichen Gründer ausmacht. Darum geht es in dem Vortrag.

Jens Grochtdreis: Eine Seite sollte in erster Linie gut nutzbar sein. Sie darf dabei auch sehr gerne gut aussehen, wobei das immer sehr subjektiv ist. Eine Seite sollte Inhalte immer allen zugänglich machen, egal wie sie darauf zugreifen (Browser, Screenreader, Handy) und nicht von Javascript abhängig sein. Ausnahmen sind hier Applikationen. Und zu guter letzt sollte eine Seite auch einen sinnvollen, semantischen, guten Code haben. Das macht die Arbeit für alle Beteiligten effektiver, für den Kunden damit günstiger und für den Endanwender weniger fehleranfällig.

Dania Gerhardt: Mit der weltweiten Verbreitung von Facebook hat sich Social Networking vollends im „Mainstream“ etabliert. Reale Freunde werden virtuell gebündelt, Status-Updates kommentiert und Fangruppen aufgesetzt. Die Social-Networking-Bewegung wandelt sich aber auch zunehmend zu einer Social-Collaboration-Bewegung. Das Internet wird dabei von Internetleadern als Mittel für die Verbreitung von gesellschaftlichen Initiativen und die Zusammenarbeit eingesetzt. In anderen Worten: Gesellschaftlicher Wandel beginnt zunehmend vor dem Screen. Mein Vortrag zeigte anhand von Beispielen diesen Wandel und wie er durch Technologie unterstützt wird.

Mario Grobholzgt: Wir betreiben die Plattform für Eigenmarketing myonid.de. Das Portal ist als Monitoring-Tool für die eigene Online-Reputation gestartet und hat mittlerweile ein ganzes Maßnahmenbündel für die berufliche Selbstvermarktung etabliert. Der Name myON-ID, englisch für „meine Online-Identität“, beschreibt unser Programm: Hier stellen sich Nutzer als Marke dar und nehmen damit ihr Personal Branding im Netz selbst in die Hand. Im Internet nur präsent zu sein, wird zukünftig allein nicht mehr ausreichen, weil gerade die junge Generation längst in Social Networks aktiv ist. Für Menschen, die berufliche Ziele verfolgen, geht es darum, sich ideal zu positionieren und auf sich aufmerksam zu machen. Also ihren Personal Brand aktiv aufzubauen und zu gestalten. Wer heute sein Online-Image nicht kennt, geht sorglos mit einer wichtigen Ressource – seiner Person als Marke – um. Umgekehrt profitieren diejenigen, die bewusst und gezielt ihre eigene Person im Internet präsentieren von der Kraft des „sozialen Netzes“.

Florian Bailey: Grundsätzlich sollte eine Applikation auch einem einzelnen User Mehrwert bieten, aber umso mehr sie einen kommunikativen oder kollaborativen Ansatz enthält umso stärker kann sie viral wachsen. Es ist ein bisschen so als wenn man Microsoft Office mit Google Docs vergleicht: Office benutze ich meistens alleine, zu Google Docs lade ich weitere Nutzer zur Zusammenarbeit ein. Es gibt viele weitere einzelne Faktoren aber das ist eigentlich der Kerninhalt der häufig dahinter steht und den ich referiert habe.

Remo Burkhard: Es geht um Komplexitätsreduktion im Business. Durch Infografiken, Bilder, Karten, Geschichten und andere visuelle Methoden. Wir haben festgestellt, dass dies die Effizienz steigert und die Umsätze erhöht.

Wir haben hier auf der webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge und welche Speaker findest du persönlich interessant?

Torsten Oelke: Dr. Mirko Caspar von Metaversum ist sicherlich ein spannender Speaker. Zumal er das Management einer virtuellen Welt verstanden hat, auch nach dem Second-Life-Hype und unter erschwerten finanzwirtschaftlichen Marktbedingungen Investoren zu überzeugen.

Jens Grochtdreis: Ich finde es interessant, dass jemand von Adidas über Ideenmanagement spricht und bin auch am Thema RIA und Silverlight interessiert, das hier auf der webinale ja häufiger vorkommt. Interessant finde ich besonders die Vorträge, in denen über den Tellerrand hinausgedacht und Zukunftsprognosen gewagt werden.

Dania Gerhardt: Ich würde mir gerne den Vortrag „Ubiquitous Social Networking“ von Andreas Richter anhören, finde aber auch weitere Vorträge interessant, wie z.B. „Erfolgsfaktoren von Internetgründern“ von Torsten Oelke.

Mario Grobholz: Ich finde jeden Vortrag interessant, der über Dinge berichtet, die noch nicht zig mal in der Presse behandelt wurden. Es muss einen Grund geben, den Vortrag live zu sehen, denn ansonsten kann ich mir auch die Pressemitteilung des Unternehmens durchlesen oder die Slides bei Slideshare anschauen.

Florian Bailey: Den „Improve Everywhere“-Vortrag werde ich mir mit Sicherheit ansehen, damit haben sie ja quasi eine globale Bewegung geschaffen.

Remo Burkhard: Ich finde die Stimmung genial und die Referate interessant, die Video im Web thematisieren. Wir setzen Video im Netz für das Training und die Ausbildung von Mitarbeitenden ein.

Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg bzw. was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

Torsten Oelke: Mich an einem Startup zu beteiligen, für dessen Thema ich keine Leidenschaft hatte. Es hat mich gelehrt, dass dies eine Grundprämisse des erfolgreichen Unternehmertums ist. An den Erfolgsgeschichten der „Stars des Internets“ kann man dies übrigens gut beobachten.

Jens Grochtdreis: Ich kann mich an keinen echten Misserfolg erinnern, nur an einige stressige Projekte. Das eine oder andere Projekt ist auch schlecht gelaufen, aber mit der Zeit vergesse ich viele Details. Das ist – glaube ich – auch besser so. Ich nutze meine Hirnwindungen für Besseres als mir Misserfolge zu merken.

Dania Gerhardt: Wow, das ist eine sehr schwere Frage! Ich tendiere dazu, nie etwas zu bereuen, weil ich zu dem Zeitpunkt der Entscheidung meine Gründe hatte, so zu handeln. Und bis jetzt ist mir auch wirklich im Leben sehr viel Gutes und sehr wenig Schlechtes passiert.

Mario Grobholz: Mein erster beruflicher Fehler war, dass ich damals in der ersten Phase der „New-Economy“ nicht selbst ein Unternehmen wie Google, eBay oder Amazon gegründet habe. Der zweite war, dass wir bei myON-ID nicht Twitter erfunden haben.

Florian Bailey: Da gibt es sicher viele. In letzter Zeit? Von einer Funktion als externer Berater in ein Startup-Team zu wechseln, dieser Positionswechsel ist schwieriger als ich zuerst dachte und ich habe es in dem Fall nicht gut hinbekommen. Als Berater hat man immer eine Position des fröhlichen Allwissens, da man einen guten Überblick hat und nur wenig selbst umsetzen muss. Wechselt man aus dieser Position in ein Team, kann sich leicht die Erwartung aufbauen, den gleichen Überblick zu behalten und alles umzusetzen, das funktioniert eben nicht so gut.

Remo Burkhard: Der größte berufliche Misserfolg war, dass wir nur auf „maßgeschneiderte Lösungen“ gesetzt haben. Über die Jahre haben wir eine Vielzahl von Projekten mit einem großen Businessimpact umgesetzt. Dadurch haben wir eine gute Kundenbasis aus unterschiedlichsten Bereichen, von Banken, Zahnärzten, Regierungen, Behörden, Bahnen, Flughäfen, Werbeagenturen, Schulen, Universitäten, Beratungsfirmen und Industriekonzernen aufgebaut. Diese individuellen Lösungen sind für den Kunden optimal, doch haben wir zu spät fertige Lösungen für ausgewählte Branchen als fertige Produkte entwickelt. Der Misserfolg war, dass unser Businessmodell von damals nur bedingt skalierbar war und sehr an uns zwei Gründer und Berater geknüpft war. Es waren alles Einzelanfertigungen.

Auf dem Blog von Sian-Ru Lai geht`s weiter zum vollständigen Interview von: Torsten Oelke, Jens Grochtdreis, Mario Grobholz, Florian Bailey, Remo Burkhard, Remo Burkhard, Boris Pawlenka, Frank Reese, Dania Gerhardt, Martin Meyer-Gossner, Leo Sauermann, Matthias C. Schroeder, Michael Domsalla, Vitaly Friedman