Ohlala-Gründer Pia Poppenreiter (28) und Torsten Stüber (33)

Ohlala-Gründer Pia Poppenreiter und Torsten Stüber.

Sex sells. Im Fall des Berliner Startups Ohlala scheint sich das Ganze allerdings schwieriger zu gestalten. Das Portal, das Männern bezahlte Treffen mit Frauen vermittelt, soll sechs Monate nach seiner Seed-Finanzierung über 1,7 Millionen US-Dollar in finanziellen Problemen stecken. Nach Gründerszene-Informationen hat ein großer Teil der Mitarbeiter das Unternehmen bereits verlassen müssen. Zu Hochzeiten sollen bis zu 20 feste und freie beschäftigt gewesen sein, lediglich ein kleines Team um die Gründer Pia Poppenreiter und Torsten Stüber halte laut Insidern noch die Stellung.

Poppenreiter bestätigt auf Nachfrage, dass es Entlassungen gegeben habe. Zur Höhe der Stellenstreichungen wollte sie sich nicht äußern. Auf die Frage, warum ein großer Teil des Geldes aus der jüngsten Finanzierung bereits verbraucht sei, heißt es lediglich: „Wir haben uns refokussiert, um unser Produkt weiter zu optimieren. Diese Entscheidung hat nichts mit unserem Funding zu tun.“ 

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Bei der Millionenfinanzierung im Februar beteiligten sich unter anderem der Moviepilot-Gründer Ben Kubota und Max Fingerlangjähriger Weggefährte Oliver Samwers, an der Runde. Gleichzeitig launchte Ohlala seine Dating-Plattform in den USA. Der Dienst soll derzeit in sieben deutschen Städten und in New York City verfügbar sein.

Den Gründern scheint es nicht zu gelingen, ihr Geschäft zu monetarisieren. Das Buchen von Dates ist für die Nutzer kostenlos. Dabei sollte bereits im März eine Bezahlfunktion auf dem Portal eingeführt werden. Sie sollte den Kunden die unangenehmen Bezahlung während des Dates abnehmen und es Ohlala ermöglichen, eine Gebühr von den Kunden für die Buchung zu nehmen.

Zu aktuellen Umsatz- und Kundenzahlen gibt Pia Poppenreiter auf Nachfrage keine Auskunft. Ersichtlich ist, dass Ohlala im Moment kein Geld mehr für Google-Anzeigen auf seinen Namen ausgibt. Stattdessen wirbt das Liefer-Startup Foodora nun mit dem Begriff Ohlala für ein gleichnamiges französisches Restaurant mit veganen Speisen.

Die Gründerin schreibt in einer Email, dass das Unternehmen gerade strategisch neu ausgerichtet werde: „Wir haben über die letzten Monate erkannt, dass es notwendig ist, erneut Fokus auf [das] Produkt zu legen.“ Rückmeldungen der Kunden würden dabei konkret umgesetzt. „Wir passen unseren Plan auf Grundlage von Nutzerfeedback an. Das würde ich nicht als Scheitern bezeichnen, sondern als notwendige Reaktion auf wichtige Learnings.“

Poppenreiter schreibt außerdem, dass das Gründerdasein brutal anstrengend sei. „Bis zum Product/Market Fit ist es ein langer, steiniger Weg, der länger dauert als ursprünglich gedacht.“ Es sei eine Herausforderung, die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Ebenen unter einen Hut zu bringen.

Vor Ohlala war Poppenreiter bereits an einer anderen Dating-App beteiligt: Mit Florian Hackenberger gründete sie im Jahr 2014 die Berliner Prostituierten-Plattform Peppr. Darauf konnten Freier Verabredungen mit Sexarbeiterinnen buchen. Peppr erlangte kurz nach dem Launch eine große mediale Aufmerksamkeit. Dennoch stieg Poppenreiter im Winter vergangenen Jahres wegen Uneinigkeiten aus dem Unternehmen aus. „Es gab zwischen uns massive Differenzen darüber, in welche Richtung die App gehen soll“, sagte Poppenreiter damals.

Bild: Laura Jost / Ohlala