Bitcoin

Der Erfolg der Kryptowährung Bitcoin hat einige Nachahmer hervorgebracht, die teils unter Beobachtung der Bankenaufsicht stehen.

Seit einigen Monaten steht die Kryptowährung Bitcoin hoch im Kurs. Über 2.500 Euro war ein Bitcoin zwischenzeitlich wert. Als neuer, heißer Tipp gilt seit Kurzem Ether, eine andere Kryptowährung, deren Wert sich in den letzten Monaten mehr als verfünffacht hat. Wer glaubt, er könne mit Währungsspekulationen mit jungen Kryptowährungen schnell das große Geld machen, hat vielleicht Recht – oder er verliert alles.

Neben Bitcoin und Ether sind zuletzt einige neue Kryptowährungen aufgetaucht, bei denen sich Anlegern bewusst sein sollten, dass es sich um Hochrisiko-Investments handelt. 

Onecoin

Das Unternehmen hinter der Kryptowährung Onecoin bezeichnet sein Produkt als eine „Finanz-Revolution“. Seit zwei Jahren ist Onecoin auf dem Markt. Doch hinter dem Newcomer der Krypto-Szene steckt womöglich ein Schneeballsystem – auch wenn sich das Unternehmen gegen diese Behauptung wehrt. 

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Die Kryptowährung wurde von der Bulgarin Ruja Ignatova gegründet. Sich selbst nennt die – nach eigenen Angaben – Oxford-Absolventin gerne „Crypto Queen“. Zwei Jahre nach dem Start ihrer Währung soll es sich bei Onecoins bereits um ein „Milliarden-Euro-Unternehmen“ handeln. Es sei die zweitgrößte Kryptowährung weltweit, so das Unternehmen, das unter den Marken OneCoin, OneLife Network und OneAcademy auftritt. Drei Millionen Kunden sollen bereits investiert haben.

Anders als Bitcoins, deren Quellcode offen liegt und die auf diversen Portalen gehandelt werden, können Onecoin-Transaktionen nur über die Website des Unternehmens abgewickelt werden. Anleger sind damit völlig vom Onecoin-Betreiber abhängig. Eine Blockchain soll existieren, ist aber nicht öffentlich zugänglich. 

Die „Finanz-Revolution“ finanziert sich unter anderem durch Schulungen, in denen Interessierte für 130 Euro aufwärts lernen können, wie der Handel und das Schürfen der Onecoins funktioniert. Die teuersten Kurse kosten mehrere Zehntausend Euro. Onecoin-Fans, die andere Kunden werben, bekommen vom Unternehmen Provisionen in Form von sogenannten Token, über die neue Onecoins geschürft werden können.

Doch seit Monaten mehren sich die Zeichen, dass bei der Kryptowährung nicht alles so läuft, wie es laufen sollte. So verbot die deutsche Bankenaufsicht International Marketing Services, dem Zahlungsabwickler hinter der Währung, Anfang Mai Transaktionen mit Onecoins in Deutschland zu tätigen, weil entsprechende Lizenzen fehlen würden. Später mussten auch die Dubaier Gesellschaft OneCoin Ltd und OneLife Network Ltd aus Belize das Geschäft in Deutschland einstellen. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Konten im Wert von 29 Millionen Euro wurden gesperrt und die Bielefelder Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und Verstoß gegen das Gesetz zur Beaufsichtigung von Zahlungsdiensten. Auf Anfrage von Gründerszene heißt es vom Unternehmen, man arbeite „konstruktiv mit den Behörden zusammen“ und „schätze die Bemühungen der Staatsanwaltschaft, die ökonomische Sicherheit zu erhöhen“.

Bitcoin – die Geschichte der Digitalwährung in Bildern

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden sollen mittlerweile 360 Millionen Euro von deutschen Anlegern über Onecoin außer Landes gebracht worden sein. Auch in Österreich und Italien gehen Behörden gegen Personen aus dem Onecoin-Umfeld unter anderem wegen Betrugs vor. Bei Onecoin wähnt man sich erwartungsgemäß im Recht: Man habe „echte Produkte“ im Angebot, das Geschäft sei legal, widerspricht Onecoin den Vorwürfen. Stiftung Warentest warnte jedoch bereits 2016 ganz entschieden vor einem Investment.

Swisscoin

Der junge Konkurrent von Onecoin heißt Swisscoin und kommt nicht – wie der Name suggerieren soll – aus der Schweiz, sondern laut Handelsregister aus Leipzig. Auf Anfrage erklärt der Coin-Anbieter, sich jedoch der „Swissness“ seiner Produkte verpflichtet zu fühlen. Auch seien die Unternehmensursprünge in der Schweiz zu finden. Swisscoin funktioniert ähnlich wie Onecoin. So ähnlich, dass es Onecoin ein Dorn im Auge ist.

So wirft die von Onecoin beauftragte Hamburger Anwaltskanzlei Schulenberg und Schenk Swisscoin vor, AGBs geklaut und kopiert zu haben und ging mit einstweiligen Verfügungen gegen dessen Geschäftsbetrieb vor. Auf Nachfrage verweist man bei Swisscom auf „übereifrige Dienstleister und Mitarbeiter“, die „sich nicht in der Lage sahen, den Anforderungen der Geschäftsleitung gerecht zu werden“. Die AGBs von Onecoin seien ohne Wissen der Geschäftsleitung kopiert worden.

Wie auch schon der ältere Wettbewerber verdient Swisscoin Geld unter anderem mit dem Verkauf von Schulungspaketen, mehr als eine Million Nutzer soll es laut Unternehmen geben. Man „arbeite aber intensiv am Ausbau der Vertriebskanäle“, heißt es vom Unternehmen. Zudem soll der Swisscoin-Quellcode „in Kürze“ veröffentlicht werden und eine „zentrale Entscheidungsinstanz“ entfallen. Eine Blockchain sei bereits öffentlich einsehbar, zeige aber bisher nur die Transaktionen eines „Testsystems“. Für die Stiftung Warentest rangiert Swisscoin trotzdem auf einem ähnlichen Risikolevel wie Onecoin. Von Swisscoin heißt es darauf, dass es schwierig ist, „ohne Kenntnisse der internen Systeme, zwischen ’schwarzen Schafen‘ und wirklichen Dienstleistern zu unterscheiden“. Viele andere Coin-Anbieter böten nur inhaltslose Produkte und versuchten Kunden zu täuschen. Anders sei dies bei Swisscoin.

Bisher verkörpern beide Währungen – Onecoin und Swisscoin – aber das Gegenteil dessen, wofür die Krypto-Szene eigentlich steht: nicht öffentliche Quellcodes, Intransparenz und zentralisierte Kontrolle.

Giracoin

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Auch Giracoin reklamiert die Schweiz als finanziell sicheres Herkunftsland für sich. Ähnlich wie bei Onecoin und Swisscoin handele es sich dabei um einen Bitcoin-Nachahmer, urteilt die Stiftung Warentest und warnt von der jungen Kryptowährung, weil Giracoin auf ein mehrstufiges Vergütungssystem setze, um Kunden zu motivieren, andere Menschen zum Kauf zu überreden.

Bei Giracoin wehrt man sich auf Nachfrage von Gründerszene gegen den Vorwurf, ein Schneeballsystem zu etablieren: Vielmehr handele es sich um „ein normales Provisionssystem“, Giracoin biete „tatsächliche und werthaltige Produkte“ wie Services rund um den Zahlungsverkehr an. Auch die Blockchain sei öffentlich einsehbar. 55.000 Nutzer sollen nach Angaben des Unternehmens bereits investiert haben. Den Vorwurf von Stiftung Warentest kann man bei Giracoin „nicht nachvollziehen“.

Auf die Wettbewerber Onecoin und Swisscoin angesprochen, distanziert man sich bei Giracoin ausdrücklich „von unseriösen Anbietern im gleichen Segment“. Worin der tatsächliche Unterschied zu den Geschäftsmodellen der anderen Kryptowährungen besteht, will man auf Nachfrage aber nicht verraten.

Bild: 3dart / panthermedia