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Die KI von Sofie Quidenus versteht Dokumente

Bei künstlicher Intelligenz (KI) denken viele an Roboter, die eigenständig Entscheidungen treffen und die Menschheit bedrohen. Das sei aber nur Science-Fiction, sagt Sofie Quidenus, die ein Startup im KI-Bereich leitet. Mit dem Unternehmen SearchInk arbeitet die 34-Jährige an einer Technologie, die Dokumente wie Rechnungen oder Lieferscheine versteht wie ein Mensch.

Zuvor startete sie im Alter von 21 Jahren Qidenus Technologies in Wien und entwickelte Roboter, die Bücher scannen. Ihre aktuelle Firma gründete Quidenus 2015 in Berlin. SearchInk konnte bisher vier Millionen Euro von Investoren einsammeln, darunter etwa eine Million von der Förderbank IBB. Anfang 2018 will das Startup in der Serie-A-Finanzierungsrunde erneut Geld einnehmen.

Sofie, das Thema künstliche Intelligenz wird gerade stark gehypt. Ist dieser Hype gerechtfertigt?

Wir sind gerade dabei, die nächste industrielle Revolution einzuläuten. In Zukunft werden Computer-Algorithmen in der Lage sein, Dinge zu abstrahieren und eine bestehende Lösung auf ein anderes Problem anzuwenden. Die künstliche Intelligenz, wie wir sie heute kennen, ist aber trotzdem nur eine Verbesserung von Prozessen, wie wir sie schon oft erlebt haben.

Was genau kann Deine künstliche Intelligenz?

Unsere Technologie versteht Dokumente und extrahiert die gesuchte Information, so wie es die menschliche Intelligenz tut. Bisher hat man das Buchstabe für Buchstabe getan. Aber wir erfassen den Kontext, die Bedeutung. So wissen wir, ob das Dokument eine Menükarte ist, ein Lieferschein oder eine Rechnung.

Lernende Systeme: Einmal Künstliche Intelligenz zum Mitreden, bitte!

Einmal Künstliche Intelligenz zum Mitreden, bitte!

Alle sprechen darüber – doch es ist nicht leicht zu verstehen, was Künstliche Intelligenz sein soll. Das Potenzial der Technologie scheint fast grenzenlos.

Und was ist der Nutzen daraus?

Dadurch können wir administrative Backend-Prozesse beschleunigen. Ein Beispielkunde wäre ein Großhändler, bei dem tausende Anfragen von Mitarbeitern manuell in das System übertragen werden. Unsere Technologie braucht dafür nur wenige Minuten, was sonst Stunden in Anspruch nimmt.

Deine Technologie verbessert existierende Prozesse. Was ist mit der künstlichen Intelligenz, wie man sie beispielsweise aus Filmen kennt und die scheinbar jedes Problem lösen kann?

Bisher kann künstliche Intelligenz Prozesse optimieren. Indem Dinge automatisiert werden, die vorher schon gemacht wurden. Viele verwechseln künstliche Intelligenz aber mit einer Superintelligenz.

Eine Superintelligenz?

Sie würde Dinge komplett abstrahieren, selbst Entscheidungen treffen und diese dann auf sämtliche Problemfelder anwenden können. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

Wir sind also nicht auf dem Weg dahin?

Doch, natürlich, das ist ein Entwicklungsprozess – der aber sicher noch 50 bis 100 Jahre dauern wird. Noch ist das Science-Fiction. Man kann sich aber schon darauf freuen, weil es eine spannende Entwicklung ist. Heute aber haben wir nur Tools, die Prozesse beschleunigen, radikal beschleunigen.

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Es wird viel diskutiert, ob dadurch Arbeitsplätze wegfallen. Wie siehst Du das?

Ich kenne keine Industrie, in der eine künstliche Intelligenz komplett die Arbeit ersetzt, die normalerweise ein Mensch macht. Durch uns fallen keine Arbeitsplätze weg. Wir erleichtern Mitarbeitern nur die Arbeit, die sich nicht mehr um das Abtippen von Dokumenten kümmern müssen. Wir sind ein weiterer Beschleuniger, wie schon das Smartphone. Ob das gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage. (lacht)

Wie verdient Ihr derzeit Geld?

Wir sind ein Software-as-a-Service und verrechnen pro prozessierter Seite.

Angefangen hat Dein Unternehmen mit der Erkennung von Handschriften mithilfe von künstlicher Intelligenz. Wolltet Ihr damit nur zeigen, dass Eure Software funktioniert?

Ja, viele Startups sind in dem Bereich künstliche Intelligenz aktiv. Und es ist wahnsinnig schwierig, sich anders zu positionieren. Also sind wir ins Extrem gegangen. Denn Handschriften zu erkennen gilt in der Wissenschaft als Königsdisziplin, weil sie unstrukturiert und einzigartig sind. Ohne künstliche Intelligenz ist das überhaupt nicht möglich.

Bild: SearchInk