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Zunächst lief alles rund bei Kukimi, dem Berliner Online-Händler für Diät-Fertiggerichte. Die Kunden mochten das Produkt, die Investoren waren überzeugt und 2016 kam rund eine Million Euro Umsatz zusammen. Dann die Enttäuschung: Bei einer Finanzierungsrunde im November sprang ein Investor in letzter Sekunde ab, die anderen Geldgeber lehnten eine spontane Erhöhung ihrer Beträge ab – so erzählt es Gründer Laurent Kaestli. Das Resultat: Im Dezember musste Kukimi Insolvenz anmelden.

Kukimi Kaestli

„Die Insolvenz war wirklich eine unangenehme Sache, aber uns blieb nichts anderes übrig“, erzählt Kaestli bei einem Gespräch im Kukimi-Büro im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Kaestli, 51 Jahre alt, halb Franzose, halb Schweizer, gründete das Unternehmen 2014. Sein erster Investor war Atlantic-Labs-Chef Christophe Maire, der mittlerweile dutzende Food-Startups in seinem Portfolio hat und den Kaestli schon seit dem Studium in St. Gallen kennt. 2015 stiegen auch der High-Tech Gründerfonds und weitere Business Angels bei dem Startup ein. Insgesamt kam so ein siebenstelliger Betrag zusammen.

Kukimi will mehr als Diät-Produkte anbieten

Die Insolvenz sei für ihn überraschend gekommen, sagt Kaestli. Er will sich deshalb von der Idee hinter Kukimi noch nicht verabschieden. Mit Hilfe von Christophe Maire, der nun laut Handelsregister mit seiner Beteiligungsgesellschaft Atlantic Food Labs sämtliche Anteile hält, will er das Startup aus der Insolvenz retten. „Wir wollen nun erst einmal das Unternehmen stabilisieren und anschließend an der Strategie feilen“, so Kaestli.

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Bisher liefert Kukimi fertiges Diät-Essen zum Kunden nach Hause. Vorgekocht werden die Gerichte mit der sogenannten Sous-Vide-Methode, bei der Lebensmittel bei niedriger Temperatur in einem Kunststoffbeutel gegart werden, um die Aromen sowie den Geschmack zu sichern. Zuhause oder im Büro müssen die Kunden die Gerichte in dem Vakuumbeutel für einige Minuten im Wasserbad erwärmen, bevor sie auf dem Teller landen. Hergestellt werden die Produkte in einer Sous-Vide-Manufaktur in Koblenz, verpackt und versendet von einem Berliner Logistik-Zentrum. Ein Vorbild ist das US-Startup Freshly, das bisher rund 30 Millionen US-Dollar einsammeln konnte.

Am Grundkonzept von Kukimi wird sich laut Kaestli auch künftig nichts ändern, aber: „Diät-Produkte sind saisonale Produkte, im Sommer wollen die Menschen nicht abnehmen.“ Ein Ziel sei es deswegen, mehr Convenience-Gerichte anzubieten, also vorgekochte Gerichte, die zwar gesund, aber nicht zwingend für eine Diät gedacht sind.

Convenience-Produkte für Schwangere

Neu im Sortiment ist deswegen bald eine „Mom Box“ mit Gerichten für schwangere Frauen, die wenig Zeit zum Kochen haben, sich aber gesund ernähren wollen: Hähnchen-Frikassee mit Spargel, Champignons und Getreide. Oder Zartweizen mit Artischocken. Die Verpackungen sind bereits fertig designt, eine neue Webseite soll in den kommenden Tagen online gehen. Bald soll es außerdem ein Abo-Modell für die Gerichte von Kukimi geben. Außerdem will das Startup mehr Unternehmen als Kunden gewinnen, weil diese mehr Geld auf einmal ausgeben.

Kukimi Boxen

Die neue Mom Box

„Wir waren zwar insolvent, aber wir haben jetzt wieder ganz viele neue Produkte in der Pipeline“, gibt sich Kaestli optimistisch. Das Team, das nach der Insolvenz von zehn auf nun vier Mitarbeiter verkleinert wurde, sei extrem ambitioniert. Und auch die Zahlen sähen gut aus, so der Gründer. So seien im Januar und Februar 3.500 Bestellungen eingegangen und 35.000 Gerichte verschickt worden. Das seien 50 Prozent mehr als im selben Zeitraum im Vorjahr. In ersten Quartal dieses Jahres werde Kukimi deswegen profitabel sein.

In diesem Jahr will Kukimi insgesamt drei Millionen Euro Umsatz machen – also dreimal so viel im Vorjahr. Und einen neuen strategischen Investor an Bord holen. „Insolvenz klingt immer erst einmal schlimm, aber sie ist auch eine Chance für einen neuen Start“, so Kaestli.

Dieses Video zeigt, wie Kukimi aktuell funktioniert.

Bilder: Kukimi / Hannah Scherkamp