LamaPoll

Die LamaPoll-Gründer Stoyko Notev, Maik Maibaum und Lars Langner (v.l.n.r.)

„Solange wir wachsen, sind wir glücklich“

Das Berliner Startup LamaPoll nahm seinen Anfang in einer Bachelorarbeit im Informationsmanagement-Studium von Mitgründer Maik Maibaum. Nach dem Studium trafen er und seine ehemaligen Schulfreunde Stoyko Notev und Lars Langner erneut aufeinander und die drei entwickelten das ursprünglich als Uniprojekt gestartete Umfragetool ab 2009 weiter, zunächst als kostenfreien Dienst für Studenten und den Freundeskreis. Als sie 2011 ein weitergehendes Interesse an ihrem Tool bemerkten, entschieden sie sich, eine GbR zu gründen und sich der Professionalisierung von LamaPoll in Vollzeit zu widmen.

Momentan verfügt das Startup über mehr als 3.000 Kunden und ermöglicht, genau wie SurveyMonkey, die Durchführung von Online-Befragungen und die Auswertung der entsprechenden Umfrageergebnisse. Im Interview mit Gründerszene erklärt Mitgründer Stoyko Notev, weshalb er den US-Riesen trotzdem nicht als echten Konkurrenten sieht und welches seine größten Gründungsherausforderungen darstellten.

Was macht LamaPoll?

LamaPoll ist ein Tool, mit dem man online Fragebögen umsetzen kann. LamaPoll ist dabei so modular aufgebaut, dass man damit tatsächlich alles durchführen kann, was man sich online vorstellen kann, wie Online-Quizze, IQ-Tests, Mitarbeiterumfragen und so weiter. Entsprechend wird es auch von Kunden wie Online-Zeitschriften, die Persönlichkeitstests durchführen, bis hin zu Forschungsinstituten, die ganz komplexe Umfragen durchführen, genutzt.

Liegt die Zielgruppe dann eher im B2B-Bereich?

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Ursprünglich war es als B2B angedacht, wir haben aber auch eine sehr hohe Zahl an Privatleuten, die den Dienst nutzen, da wir auch den Tarif entsprechend angelegt haben. Wir hatten zum Beispiel Leute dabei, die im privaten Umfeld Umfragen zum neuen Auto oder sogar zu Babynahrung angelegt haben. Die größte Masse stellt aber B2B dar, darunter auch überraschend viele Großkonzerne.

Wie verdient ihr daran?

Das Geschäftsmodell ist eigentlich ganz simpel: Die Tarife orientieren sich an der Nutzungsdauer, das heißt, Kunden bezahlen monatlich für die Nutzungsdauer der Umfrage. Dabei gibt es entsprechend mehr oder weniger Funktionen. Kostenlos kann man bereits alles testen – auch richtige Umfragen mit bis zu 100 Teilnehmern. Wenn man etwas Größeres plant, kann man die Umfrage zwar weiterhin kostenfrei umsetzen, bezahlt jedoch für die Laufzeit einen monatlichen Betrag zwischen 49 und 199 Euro. Die Tarife sind monatlich kündbar und up- oder downgradebar.

Gibt es einen Konkurrenten, mit dem ihr euch am ehesten vergleichen würdet?

Ein Name, der sofort in den Sinn kommt, ist SurveyMonkey. SurveyMonkey ist tatsächlich sehr groß und von den Funktionen her mit unserem Produkt vergleichbar, allerdings gibt es gravierende Unterschiede. Der größte: Wir richten uns komplett nach dem deutschen Gesetz, sowohl rechtlich als auch IT-technisch. Unsere Server stehen alle in Deutschland. SurveyMonkey wirbt beispielsweise auf der ersten Seite groß mit 100 Prozent Datenschutz, schreibt jedoch in seinen AGBs, dass alle seine Server in den USA stehen und zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Datenschutzrecht gewisse Unterschiede bestehen.

Das heißt, man kann bei ihnen nicht wissen, wo die Daten liegen und von wem sie genutzt werden. Darum betrachten wir SurveyMonkey nicht als echten Konkurrenten. Unsere Kunden kommen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum, hier spielt der Datenschutz eine große Rolle. Und viele Kunden entscheiden sich aus Sicherheitsgründen gegen SurveyMonkey.

Und wie sieht es mit Konkurrenten aus Deutschland aus?

In den vergangenen Jahren, vor allem durch den Erfolg von SurveyMonkey, sind einige Unternehmen aufgekommen, aber auch wieder verschwunden. Heute stößt man bei einer Suche auf viele Namen, allerdings fehlen dort entweder entsprechende Funktionen oder Sicherheitsstandards, weil die Daten in der Cloud liegen, der Support nicht auf Deutsch existiert et cetera. Für uns hat sich noch kein ernsthafter Konkurrent in Europa etabliert.

Ich las, ihr Mitgründer habt euch bereits in der Schule kennengelernt?

Ja, wir waren zusammen in einer Klasse und haben uns dann aus den Augen verloren. Später wollten wir dann gemeinsam etwas machen. Die Umfragesoftware betrieben wir anfangs allerdings nur nebenher für uns und für Studenten. Nach dem Studium merkten wir, dass die Nachfrage weiterhin bestand und Unternehmen auch bereit waren, Geld dafür zu zahlen – deswegen beschäftigen wir uns heute Vollzeit mit LamaPoll.

Wir sind zu viert dabei und seit 2011 mit der heutigen Version online. Wir haben einen Diplom-Informatiker, einen Absolventen aus dem Informationsmanagement und ich bin Diplom-Betriebswirt. Neu haben wir auch einen Doktor der Mathematik dabei, der sich um die schwierigeren Sicherheits- und Datenbankthemen kümmert.

Ihr seid eigenfinanziert?

Das stimmt. Wir haben uns zwar umgeschaut, da es natürlich einfacher ist, mit mehr Geld zu agieren, aber wir wollten unter anderem auch nicht zu viel Macht abgeben. Der ausschlaggebende Punkt war dann, dass LamaPoll stabil wächst. Dabei nehmen wir in Kauf, dass wir langsam und generisch wachsen. Solange wir wachsen, sind wir glücklich.

Also habt ihr eine Weile von eigenen Ersparnissen gelebt?

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Mehr oder weniger. Anfangs hatten wir noch Nebenjobs oder haben studiert, sobald wir aber sahen, dass die Nachfrage groß war, haben wir das Risiko auf uns genommen und keine weiteren Arbeiten mehr angenommen beziehungsweise gekündigt und uns vollständig auf LamaPoll konzentriert. Durch die monatlichen Abonnements sind die Einnahmen relativ stabil und planbar. Wenn es mal schwierig wurde, haben wir aber auch mal externe IT-Aufträge angenommen. Heute sind wir profitabel.

Plant ihr zu expandieren?

Unser Tool ist bereits in die wichtigsten Sprachen übersetzt – wir haben auch Kunden aus Übersee und Japan. Wir haben aber gesehen, dass unser Hauptvorteil, die Sicherheit und der Datenschutz nach deutschem Gesetz, schon im DACH-Raum am relevantesten ist, darum wollen wir uns beim Vertrieb vorerst auch weiter auf den deutschsprachigen Raum fokussieren.

Worin bestand für dich oder das Team während der Gründung die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung bestand darin, dass wir ohne Erfahrung auf dem Gebiet der Markt- und Sozialforschung oder Onlineumfragen starteten und zu Beginn gar nicht wussten, wer denn so etwas einsetzt. Und dass wir alle vier zwar schon gearbeitet hatten, mit vielen Dingen aber noch nicht in Berührung gekommen waren. Schon eine Rechnung ins Ausland zu schreiben, war für uns eine Herausforderung. Wir haben sehr viel lernen müssen, da wir uns ohne Mentoring und ohne externe Unterstützung auf einen komplett neuen Markt gestürzt haben.

Bild: LamaPoll