Schillernd und umstritten: der Unternehmer Lars Windhorst, hier bei einer Gerichtsverhandlung in Berlin 2009

Schillernd und umstritten: der Unternehmer Lars Windhorst, hier bei einer Gerichtsverhandlung in Berlin 2009

Lange galt Lars Windhorst als schillernder Jungstar der deutschen Wirtschaft. Schon als Schüler gründete er seine erste Firma. Als Teenager reiste er in Wirtschaftsdelegationen mit dem damaligen Kanzler Helmut Kohl um die Welt. Seine oft riskanten Unternehmungen machten sein Leben auch zur Achterbahnfahrt: Der heute 40-Jährige hat Firmeninsolvenzen hinter sich, meldete auch privat Zahlungsunfähigkeit an. Selbst einen Flugzeugabsturz musste er überstehen. Unterkriegen ließ sich Windhorst von all dem nicht, meist ging es für den Finanzier und Multiunternehmer umso größer weiter.

Jetzt gibt es neue Turbulenzen im Leben von Windhorst: Eine 66-Millionen-Dollar-Klage der Finanzgesellschaft Romanello. Die sitzt im Steuerparadies Belize südöstlich von Mexiko und fordert die Summe von dem deutschen Unternehmer zurück. Dessen Firma Sapinda gibt Anleihen aus, um ihr Investmentgeschäft zu finanzieren. Gegenüber Romanello sei sie der Verpflichtung zur Rückzahlung allerdings nicht nachgekommen und habe auch die Zinsen erst verspätet überwiesen, schreibt die Financial Times.

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Nach Angaben des Romanello-Anwalts gab es nun den Beschluss eines Londoner Gerichts, den Privatjet Windhorsts, Kunstgegenstände und Wein zu beschlagnahmen, um damit die ausstehenden Schulden begleichen zu können. Eine entsprechende Bekanntmachung vom 28. Juli habe der Zeitung vorgelegen.

Dass es juristische Auseinandersetzungen gab, leugnet Windhorst nicht. Ihre Konsequenzen redet er aber klein: „Es wurden weder Konten eingefroren, noch Dinge beschlagnahmt“, beteuerte Windhorst am Mittwoch gegenüber der WirtschaftsWoche. Nach Angaben des Unternehmers seien die Probleme inzwischen gelöst. Der Großteil der offenen Forderungen gegenüber anderen Gläubigern seien bereits bezahlt. Bis Ende September soll alles beglichen sein, verspricht Windhorst.

Denn der Romanello-Streit ist laut Financial Times nur eine von sechs getrennten Zivilklagen über zusammen fast 220 Millionen Euro, die seit März 2016 bei Londoner Gerichten gegen den deutschen Unternehmer beziehungsweise seine Gesellschaften eingebracht wurden. Im Mittelpunkt von Windhorsts Aktivitäten stehen dabei die Gesellschaften Sapinda Holding und Sapinda Invest. Erst Anfang 2017 hatte Sapinda eine 25 Millionen Euro schwere Auseinandersetzung mit dem Versicherungskonzern Generali aus der Welt schaffen können.

Über Sapinda ist Windhorst auch beim bekannten Berliner Startup Fyber involviert: Das Medienunternehmen RNTS, das sich im Besitz der Windhorst-Gesellschaft befindet, hatte das Werbetech-Unternehmen im Herbst 2014 für einen kleinen dreistelligen Millionenbetrag übernommen. Allerdings soll es bei den letzten Tranchen, die im vergangenen Jahr fällig gewesen wären, zu Zahlungsproblemen gekommen sein, heißt es in Unternehmenskreisen. Ob und wie sich RNTS und die Fyber-Altgesellschafter geeinigt haben, drang nicht an die Öffentlichkeit. Auch in der aktuellen Auseinandersetzung mit Romanello wird Windhorst vorgeworfen, sich nicht an Absprachen im Zusammenhang mit RNTS-Aktien gehalten zu haben, heißt es im FT-Bericht.

In Wirtschaftskreisen wird Windhorst gerne als Stehaufmännchen bezeichnet. Allem Anschein nach gilt das auch nach den jüngsten Turbulenzen noch.

Bild: Sean Gallup / Gettyimages