Group of Players celebrating their victory

Im Team zum Erfolg – auch das Prinzip eines Accelerators

 

Horst Bente sieht sportlich aus. Mit Funktionshose, Sneakers und einer Brille, die er sich hinter dem Kopf mit einem Band umgebunden hat. Er steht vor den etwa 30 Anwesenden der World of Cyberobics in Berlin-Mitte und erzählt von einem Mann, dessen Name für einen Weltkonzern steht: Adi Dassler, der Gründer der Sportmarke Adidas – sein Großvater.

Geboren im Jahr 1900 hat Adi, der eigentlich Adolf hieß, in der Schuhfabrik seines Vaters anstelle von Filzpantoffeln wie bisher Turnschuhe gefertigt und mit Spikes versehen. Als dann 1954 beim Wunder von Bern die deutsche Mannschaft mit den Schuhen die Weltmeisterschaft gewann, erlangte das Unternehmen aus dem fränkischen Herzogenaurach über Nacht globale Aufmerksamkeit.

Ein Wahnsinnserfolg, der einherging mit einem tragischen Familienstreit. Adi überwarf sich derart mit seinem älteren Bruder Rudolf, dass der die Sportmarke Puma in Herzogenaurach gründete – eine schmerzhafte Konkurrenz für Adidas. Die Brüder sollen bis zu ihrem Lebensende kein Wort miteinander gesprochen haben. Adis Enkel verkauften vor mehr als 25 Jahren ihre Firmenanteile beim Börsengang des Konzern und leben seitdem unter anderem auf den Bahamas, wo sie eine Vermögens- und Unternehmensberatung aufgezogen haben.

Adolf_Dassler

Adi Dassler

Viele Jahre war es um die Familie ruhig – bis jetzt. Nun verkündet Bente ein neues Förderprogramm für Sport-Startups, dass er mit Familienmitgliedern und der Hilfe von Investoren stemmen will: den Leads Sport Accelerator. „Wir wollen uns als Familie da einbringen“, verspricht er. Ziel sei es, die Erinnerung an den berühmten Großvater hochzuhalten.

Das Programm richtet sich an junge Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern und Bereichen, die sich in der Frühphase befinden und die sich noch bis Ende Mai hier bewerben können. Es besteht aus einer dreimonatigen Förderung, die individuell an die Bedürfnisse der Startups angepasst werden soll. Die Unternehmen erhalten für ihre Teilnahme 25.000 Euro, Zugang zu Investoren und die Unterstützung von Experten und Mentoren.

„Wir wählen die Startups aus, die von unserer Infrastruktur, von unseren Kontakten am meisten profitieren können“, sagt der Gründer. Dafür müssen sie dann in etwa acht Prozent ihrer Anteile abgeben. Derzeit sind die Veranstalter noch auf Investorensuche.

Sitz des Accelerators ist in Berlin, weitere Standorte sind laut Bente angedacht. Die Idee, junge Menschen zu fördern, sei ganz im Sinne seines Großvaters gewesen, ist er sich sicher. Denn der sei jemand gewesen, der immer mit den Atlheten gearbeitet habe. Ein Tüftler – und kein Verkäufer oder Marketing-Mann.

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Früher habe der Konflikt zwischen Puma und Adidas die gesamte Stadt dominiert, erzählt der Dassler-Enkel. Damals habe es in Herzogenaurach einen Puma-Bäcker und einen Adidas-Bäcker gegeben, einen Puma-Metzger und einen Adidas-Metzger und zwei Sportvereine: einer, der von Puma und einer der von Adidas gesponsert wurde: „Das war eigentlich der Kalte Krieg, der auf dem Fußballplatz ausgetragen wurde, zwischen den beiden Brüdern.“ Es sei eine tolle, eine witzige Zeit zum Aufwachsen gewesen, findet Bente heute.

Auf die Frage, ob er einen von Rudolfs Nachkommen als Investor bei seinem Accelerator zulassen würde, antwortet er sehr bedacht. „Da gibt es zwei Antworten: die emotionale und die lasse ich mal unbeantwortet“, sagt er und schüttelt den Kopf. Und dann gebe es noch die rationale, die überwiege: „Wir als Familie haben eine Verantwortung den Startups und den Investoren gegenüber.“ Am Ende werde das Projekt an deren Erfolg gemessen, so der Gründer. Beziehungen zur Firma Puma habe er zwar auch heute keine: „Aber das alles ist so lange her, ich glaube die Vernunft würde überwiegen.“

 

Triff Horst Bente, Director von Leads Sports Accelerator, auf der HEUREKA Founders Conference am 20. Juni in Berlin

Bild: Wikipedia / GETTY IMAGES /  Hinterhaus Productions