Lendingclub, mybucks, fintech, boerse, schlechte Stimmung

Im April bekam LendingClub-Gründer noch den Innovationspreis verliehen, jetzt zieht sein Fehlverhalten die ganze Branche herunter.

Im April kündigte das luxemburgische Fintech-Startup Mybucks an, im zweiten Quartal dieses Jahres an die Frankfurter Börse gehen zu wollen. Nun gab das Unternehmen, das vorwiegend Kleinstkredite an Verbraucher in Afrika vergibt, bekannt, dass der geplante Börsengang aufgrund „anhaltend ungünstiger Marktbedingungen“ vertagt werde. Die Situation im Mikrocap-Markt sei gerade sehr angespannt, hieß es aus Branchenkreisen. Es habe nicht nur einen Grund gegeben, aber der LendingClub-Vorfall sei einer davon gewesen, dem Vernehmen nach.

Vergangene Woche fiel die junge Branche um Online-Kreditvermittlungen in Ungnade, als die US-Aufsichtsbehörde Ermittlungen gegen das börsennotierte Startup LendingClub aufnahm. Das 2011 gegründete und in San Francisco ansässige Unternehmen vermittelt Kredite unter Privatpersonen und ist seit 2014 börsennotiert. Im Mittelpunkt des Skandals steht Gründer Renaud Laplanche, der Beteiligungen an einem Fonds gegenüber dem Aufsichtsgremium verschwiegen haben soll.

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Ihm wird vorgeworfen, dass er mit dem Weiterverkauf von Wertpapieren, die als Kreditpakete gebündelt seien, zweifelhafte Geschäftspraktiken verfolgt habe. Der Verwaltungsrat von LendingClub gab Laplanche kurzerhand den Laufpass. Die Ermittlungen dauern an.

Der Intransparenz-Vorfall hat Konsequenzen: Der FAZ zufolge werden die Aufsichtsbehörden nun die gesamte Branche stärker unter die Lupe nehmen. Dass weitere Aufdeckungen folgen könnten, verunsichert Investoren. Laplanche führte in den USA die größte Kreditvermittlung in der Szene und galt als Vorzeigegründer.

Ein IPO, wie ihn MyBucks anpeilte, ist gegenwärtig angespannten Börsenumfeld also denkbar ungünstig. Man wolle nun weitere Optionen prüfen und das Marktumfeld hinsichtlich eines möglichen zukünftigen Börsengangs bewerten, teilt das Unternehmen mit. Auf Nachfrage von Gründerszene bestätigte das Unternehmen aber, dass die laufende Übernahme der Opportunity-Bankengruppe weiterhin verfolgt werde. 2015 hat MyBucks nach eigenen Angaben 31,3 Millionen Euro umgesetzt und einen operativen Gewinn von 11,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Seit drei Jahren arbeite MyBucks profitabel, heißt es.

Bild: Getty Images / Steve Mack