smart home intlight leon schug

Auf den ersten Blick ist Leon Schug ein normaler Schüler aus der elften Klasse. Er ist 16 Jahre alt und kommt aus dem hessischen Biebesheim. Aber er geht auf ein Internat für besonders leistungsstarke Schüler – und werkelt in seiner Freizeit an einer App für das Smart Home. IntLight heißt die Anwendung. Sie erkennt, ob eine Person ein Zimmer betritt und sorgt dann automatisch für die Beleuchtung. Die Steuerung weiterer Geräte wie Heizungen oder Türen soll folgen. Um die Datensicherheit zu gewährleisten, findet die Übertragung der Daten über das hausinterne Netzwerk statt, kommentiert der Jugendliche ganz selbstverständlich.

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Mit der Idee, einem ersten Prototypen und knapp 30 Seiten Businessplan traten er und zwei Mitstreiterinnen beim Wettbewerb Jugend gründet an – und ergatterten den zweiten Platz. Der Gründer-Wettbewerb wird seit 2006 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Als Hauptpreis winkte zuletzt ein Aufenthalt im Silicon Valley. Für IntLight gab es immerhin drei neue Laptops.

Für viele Teilnehmer endet der Weg spätestens nach dem Finale. Für Leon Schug geht es weiter – die Idee und die erste App-Version sind ihm nicht genug. Er will das Produkt weiterentwickeln und im kommenden Jahr beim Wettbewerb Jugend forscht antreten. Dafür hat er sich kurzerhand ein neues Team gesucht. Im Interview erklärt er die Gründe.

Leon, es ist schon ungewöhnlich, dass du in deinem Alter unter die Gründer gegangen bist. Jetzt tauschst du auch noch dein Team aus. Was ist passiert?

Für Jugend gründet habe ich mir zuerst ein Team gesucht. Danach kam die Idee. Im Laufe der Zeit ergab sich, dass meine Mitstreiterinnen die Idee zwar weiterführen wollten, aber nicht mit dem selben Ehrgeiz wie ich. Das hätte nicht gepasst. Also habe ich mir zwei weitere Personen gesucht, die das wirklich umsetzen wollen.

Woher nimmst du in deinem Alter diese Fähigkeiten? Woher die Motivation?

Erst gab es nur die Idee. Und es hat mir einfach Spaß gemacht, an etwas eigenem weiterzuarbeiten. Viele an meiner Schule nehmen an diesen Wettbewerben nur teil, weil sie das in ihrem Lebenslauf stehen haben wollen. Das ist bei mir und den beiden Jungs nicht der Fall. Das technische Wissen kommt einerseits durch den Informatik-Unterricht an unserer Schule. Aber das meiste haben wir uns selbst beibringen müssen, beispielsweise über das Internet.

Ihr entwickelt eine Anwendung für das Smart Home. Warum?

Wir haben uns das Smart Homes als Vorbild genommen und wollen Vorgänge weiter automatisieren. Mit unserer Lösung muss man nicht mehr sagen, ob das Licht an oder aus sein soll – das passiert von alleine. Dazu orten wir den Nutzer im Haus – und dann schaltet das Handy die Lampen automatisch an oder aus.

Für die Ortung setzt ihr auf Beacons?

Genau, wir setzen auf Beacons, also kleine Bluetooth-Sender. Wir verwenden vier auf einer Etage. Damit können wir nicht nur die Position bestimmen, sondern auch die Richtung, in die eine Person schaut. Ein Beispiel: Wenn man in Richtung des Fernsehers guckt und ein festgelegtes akustisches Signal wie ein Klatschen von sich gibt, geht dieser an.

Mit Hilfe von Beacons lässt sich feststellen, in welche Richtung eine Person schaut?

Wir können feststellen, in welche Richtung das Handy positioniert ist. Das ist derzeit die Voraussetzung. Mit einer Apple Watch am Handgelenk wäre das noch leichter feststellbar.

Du gehst nebenbei normal zur Schule. Wie viel Zeit nimmt das Smart-Home-Projekt in Anspruch?

Das hängt immer etwas davon ab, wie viel Zeit ich gerade für die Schule aufwänden muss. Teilweise haben wir bis zu neun Stunden nach der Schule noch daran gesessen. In einer Klausurenwoche haben wir weniger Zeit.

Das Produkt ist noch nicht live. Wollt ihr die Marktreife erreichen?

Unser Ziel ist es, das Produkt marktreif zu bekommen. Gerade sind wir dabei, einen vollfunktionsfähigen Prototypen zu bauen. Jetzt können wir schon das, was andere Smart Homes können: mit dem Handy jede beliebige Lampe im Haus an- oder ausschalten. An allen weiteren Funktionen arbeiten wir gerade.

Wann peilt ihr die Marktreife an?

Wenn wir nur vom Thema Licht reden, dann werden wir das in den nächsten Wochen marktreif bekommen. Das Problem ist, dass wir die Beacons derzeit fix im Raum installiert haben und damit die Abstände kennen. Später muss der Nutzer die Beacons in jedem Raum positionieren können und die Abstände mit dem Handy selbst abmessen. Diese Entwicklung wird nochmal ein bis zwei Monate dauern. Dann hätten wir einen fertigen Prototypen. Alles weitere kann ich schwer abschätzen.

Wie geht es bei dir nach dem Abitur weiter – folgt ein Informatik-Studium oder die Selbstständigkeit?

Ich werde mein Abitur 2017 machen, derzeit bin ich in der elften Klasse. Ich schwanke gerade, ob ich überhaupt studieren möchte. Wenn ja, würde ich Informatik oder Wirtschaftsinformatik studieren und anschließend gründen oder zuvor in einem größeren Unternehmen arbeiten. Wenn nicht, würde ich direkt mit anderen, die studiert haben, gründen. Parallel studieren und gründen ginge natürlich auch.

Glaubst du also nicht daran, dass du dein aktuelles Projekt über die kommenden Jahre fortführst?

Wenn ich realistisch bleibe, denke ich nicht, dass ich es schaffe, das Projekt neben dem Abitur aufzubauen. Ich könnte also erst danach weitermachen. Aber bis dahin werden das schon andere Firmen realisiert haben – und ich brauche eine neue Idee.

Danke für das Gespräch!

Bild: Leon Schug/IntLight