Discount Stores Aldi And Lidl Increase Their Popularity

 

Es ist ein Gerücht, das seit einiger Zeit den deutschen Lebensmittel-Einzelhandel beschäftigt: Bald schon soll der Lebensmittelbringdienst Amazon Fresh auch in Deutschland starten – und viele traditionelle Supermarkt-Ketten wappnen sich dafür. Kürzlich hat auch der Discounter-Riese Lidl angekündigt, sich in dem Bereich besser aufstellen zu wollen. Nach Medienberichten wolle der Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, um frisches Obst und Gemüse und Tiefkühlprodukte im Internet anzubieten. Demnach sollte das im Dezember vergangenen Jahres der Fall sein. Ein Test.

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Bestellen

Eigentlich kaufe ich sehr gerne bei Discountern ein, weil mir deren Handelsmarken in der Regel gut schmecken. Doch jedes Mal wieder überkommt mich in den Läden ein Gefühl der Überforderung, ähnlich wie ich es jetzt hier im Online-Shop habe: zu viele Produkte, die für mich an unverständlichen Stellen liegen. Ich weiß nicht, wohin ich zuerst schauen soll. Die Trockengewürze über den Tiefkühlsachen, die Eier beim Wasser und die Windeln bei den Waschmitteln. Hilfe!

Und auch die Webseite des Discounters ist so übersichtlich wie ein voller Wühltisch. Da gibt es Handtücher, dort Reisen, oben reichen die Reiter von Billiger über Angebote (was auch immer da der Unterschied ist) zu Kochen und Blumen. Darunter stehen die Schnäppchen der Woche, alles anklickbar. Ich brauche einige Sekunden, bis ich irgendwo das Wort Lebensmittel sehe. Als ich daraufklicke, werden mir einige Tüten mit haltbarer Milch, Zucker und Sahne angezeigt. Ich klicke auf „alle Produkte ansehen“ und lande endlich dort, wo ich hinwollte. 

Jetzt scrolle ich im Shop über zwölf verschiedene Kategorien, die alle nochmal unterteilt sind. Sie heißen beispielsweise Kochen & Backen, Feinkost und Frühstück. Ich klicke auf Frühstück und sehe weitere Unterkategorien, darunter Brot und Gebäck, Nuss-Nougat-Creme, Marmelade und Säfte. Hinter jeder finde ich bekannte Marken, aber auch Handelsmarken, die günstiger sind. Einige davon soll es nur online geben, lese ich dort.

Ich lege ein paar Lebensmittel in den Warenkorb und klicke mich weiter durch die Kategorien. Es gibt keine frischen Waren, kein Obst und Gemüse. Keine Tiefkühlkost – also auch kein Käse, keine Eier, kein Eis. Nur Haltbares.

Das Brot ist zum Aufbacken, der Kuchen kommt eingeschweißt in einer Tüte, ebenso wie die Croissants. Konservierungsstoffe inklusive. Erstaunt stelle ich fest, dass ich zwar Milch, O-Saft, Wein und eine gute Auswahl an Spirituosen bekomme, aber kein Mineralwasser. Sicherlich zwei Minuten lang durchsuche ich den Shop danach. Nichts.

Alles in allem kaufe ich 16 Artikel für knapp 32 Euro ein. Eigentlich soll der Versand pauschal 4,95 Euro kosten, aber Lidl schaltet derzeit eine Aktion, bei der es dem Kunden die Versandkosten zurückerstattet. Die nehme ich gerne mit. Die Ware könnte ich theoretisch 90 Tage lang zurückgeben, was ich bei Lebensmitteln fragwürdig finde, zumindest wenn sie dann wiederverkauft werden.

Liefern

Einen Tag danach erhalte ich drei Emails von Lidl, in denen steht, dass sich unterschiedliche Produkte meiner Bestellung auf dem Weg zu mir befinden. Den Lieferzeitpunkt kann ich nicht auswählen, der Discounter verschickt via DHL. Einen Tag später ist dann auch der DHL-Bote bei mir – beziehungsweise in meinem Haus, was ich nicht mitbekomme, weil ich gerade bei der Arbeit bin. Ein Nachbar hat die Bestellung für mich angenommen. Sie besteht aus zwei Päckchen. In einem befinden sich die meisten Produkte. Alle sind mit viel Packpapier umwickelt. In dem anderen steht lediglich eine Flasche Wein in einem Halter aus Karton. Meiner Bestellung liegt die Rechnung bei. Das war es.

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Auspacken

Nach dem Auspacken bleibt ein Berg zerknülltes Packpapier übrig. Die Lebensmittel – darunter Gummibärchen, Orangensaft und Oliven – sind alle heil bei mir angekommen, auch die Milchtüten. Um die richtige Kühlung der Waren braucht sich weder das Unternehmen noch der Kunde bei diesen Produkten Gedanken zu machen. 

Fazit

Was man dem Discounter lassen muss: Der Onlineshop ist wie auch der Offline-Laden günstig. 60 Cent für einen Liter haltbare Milch empfinde ich nicht als viel Geld. Das Angebot an Waren ist zwar sehr beschränkt, bei manchen Produkten wie Nudeln und Brotaufstrichen gibt es aber eine Auswahl, auch bei Bioware. Für einige Leute mag auch die gut sortierte Schnapsecke im Shop von Vorteil sein – für mich nicht, ich hätte mich mehr über Mineralwasser gefreut.

Einen Pluspunkt dafür, dass der Discounter bei der Verpackung auf Plastik verzichtet. Bei den haltbare Lebensmitteln ist es nicht schlimm, dass Lidl mit DHL liefert und Pakete so unter Umständen länger beim Postamt oder bei einem Nachbarn liegen. Blöd wäre allerdings gewesen, wenn ich die Lebensmittel von einem Postamt hätte abholen müssen – dann kann ich gleich zum nächsten Supermarkt gehen und meine Einkäufe von dort aus heimschleppen. 

Sehr gefehlt haben mir frische Waren wie Käse und Obst, denn davon ernähre ich mich hauptsächlich. Der Lebensmittel-Einkauf in dem Shop kann also den Gang zum Supermarkt sicherlich nicht ersetzen – zumindest nicht, solange sich Lidl nicht besser gegen Amazon Fresh rüstet.

Bild: Getty Images / JEFF J MITCHELL