Friends sharing a pizza

Auch Einhörner haben es nicht leicht. Ein halbes Jahr nach ihrem Börsengang veröffentlicht die niederländische Mutter des Lieferdienst-Vermittlers Lieferando, Takeaway, ihre Geschäftszahlen für 2016 – und die zeigen, wie hart in dem Bereich der Kampf um Marktanteile bleibt. Takeaway ist im vergangenen Jahr mit einem Minus von 30,1 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Vorjahr betrug der Verlust noch 19,6 Millionen. Das bereinigte Ebitda verschlechterte sich dabei um 33 Prozent auf rund 18,3 Millionen.

Gleichzeitig meldet das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr – von 76,7 Millionen auf 111,6 Millionen. Die Zahl der Bestellungen sei in dem Zeitraum um 46 Prozent auf 49,3 Millionen gestiegen. Nach eigenen Angaben ist die Firma damit in fünf Ländern Marktführer: in den Niederlanden, in Belgien, Österreich, Polen und Deutschland – wenn man die beiden zu Delivery Hero gehörenden Portale Lieferheld und Pizza.de nicht zusammenrechnet.

Erfolgreichster Markt sind dabei die Niederlande. Hier erzielte die Firma 2016 ein deutlich positives Ebitda von rund 34,7 Millionen. Auch in Belgien war das Unternehmen im vergangenen Jahr profitabel. Aus Großbritannien zog es sich allerdings im Sommer 2016 zurück. Es habe dort keinen klaren Weg gesehen, um die Marktführerschaft zu erreichen, heißt es in dem Geschäftsbericht.

2016 war ein besonderes Jahr für Takeaway: Im vergangenen September ging das Unternehmen an die Börse und wurde auf einen Schlag zum Unicorn. 175 Millionen Euro spülte der IPO in die Kassen. Die Aktien wurden damals mit einem Wert von 23 Euro gelistet. Derzeit notieren sie bei ordentlichen 32,50 Euro. 

Um sich gegen die starke Konkurrenz von Pizza.de und Lieferheld durchzusetzen, gab Takeaway in Deutschland bereits 2015 über 37 Millionen Euro für Werbung aus. 2016 seien die Marketingausgaben hierzulande noch einmal um 37 Prozent gestiegen, auf 51 Millionen, sagte der Lieferando-Gründer und Takeaway-COO Jörg Gerbig auf Anfrage von Gründerszene. Er betonte, dass die Marketingkosten langsamer gewachsen seien als die Umsätze: „Unsere Kosten pro Bestellung sind nach unten gegangen, und das in allen Märkten.“ 

In Holland bestellten mehr als 21 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahren bei dem Lieferdienst, in Deutschland seien es nur sechs Prozent. Laut Gerbig hat die Firma 8,9 Millionen aktive Kunden insgesamt, 3,9 Millionen sind es in Deutschland.

Der COO sieht hierzulande großes Potenzial: „Wir müssen noch mehr in Marketing investieren, um Neukunden auf die Plattform zu ziehen.“ Außerdem könne man so Restaurant-Betreiber auf die Plattform aufmerksam machen und das Angebot ausbauen. „Zum Zeitpunkt des IPOs haben wir gesagt, dass wir in zwei bis drei Jahren insgesamt und in Deutschland profitabel sein wollen.“ 

Bild: Getty Images / Westend61