Lillydoo_@MaxThrelfall

Sven Bauer (links) und Gerald Kullack (rechts) mit der Berliner Hebamme Sissi Rasche, die das Startup bei der Produktentwicklung berät

Die Gründer von Lillydoo glauben zu wissen, was Eltern für ihre Kleinsten wollen: Eine hautfreundliche Windel ohne Farbstoffe oder Parfüme, mit niedlichen Aufdrucken. Und das alles im Abo. Wahlweise gibt es dazu Feuchttücher – die sind ebenfalls hautfreundlich und biologisch abbaubar.

„Es ist Zeit für eine neue Marke“

Tatsächlich haben die ehemaligen Procter-&-Gamble-Manager Gerald Kullack (32) und Sven Bauer (30), die das Startup Lillydoo im Februar 2015 gründeten, eine Marktlücke entdeckt. Denn das Geschäft mit den hautfreundlichen Windeln läuft bestens. Zwar verraten die Gründer keine Umsätze, sagen aber, dass „mehrere tausend Abonnenten“ Lillydoo aktuell nutzen würden. Die meisten von ihnen würden alle vier bis fünf Wochen 49,50 Euro für das Abo bezahlen, sagt Kullack im Gespräch mit Gründerszene.

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„Windeln eignen sich hervorragend für ein Online-Abo“, glaubt Kullack, der genauso wie sein Mitgründer Sven Bauer noch keine Kinder hat. „Anders als beispielsweise bei Beauty-Produkten, wo man regelmäßig nach neuen Produkten stöbert.“ Jahrelang sei in dem Bereich nichts passiert, das wisse er aus seiner Zeit bei Procter & Gamble. „Es ist an der Zeit für eine neue Marke, die den Markt etwas aufrüttelt.“

Mehrere Millionen in der Serie-A-Finanzierung

Etliche Business Angels glauben an den langfristigen Erfolg von Lillydoo. Schon in der Seedrunde im Sommer 2015 konnten die Gründer einen siebenstelligen Betrag einsammeln. Unter den Geldgebern: Florian Heinemann von Project A, die Amorelie-Gründer Lea-Sophie Cramer und Sebastian Pollok sowie Björn Kolbmüller und Paul Schwarzenholz von Flaconi, eWings-Gründer Thilo Hardt und die eDarling-Gründer Lukas Brosseder und David Khalil. Der Handelsregisterauszug des Startups ist so lang, dass dem einen oder anderen Gründer schon beim Anblick schwindelig werden dürfte. Schließlich gilt: Wer viele Anteilseigner hat, muss es auch vielen Recht machen.

Doch Kullack bereut nicht, für Lillydoo von Anfang an viele Investoren zugelassen zu haben: „Wir würden immer wieder so viele Geldgeber an Bord holen“, sagt er. „Nur so hat man zu jedem Thema nicht nur einen, sondern gleich drei Ansprechpartner.“ Den Kontakt zu der Berliner Szene habe er anfangs über Flaconi-Gründer Kolbmüller bekommen, der ebenfalls mehr als zwei Jahre für Procter & Gamble tätig war.

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Wie Gründerszene nun erfuhr, hat Lillydoo erst vor wenigen Wochen erneut Geld eingesammelt. Mehrere Millionen hätten bestehende Geldgeber in der Serie-A-Runde investiert, sagt Kullack. Unter anderen seien Björn Kolbmüller, Thilo Hardt und Florian Heilemann erneut mitgegangen. Mit dem eingesammelten Geld haben die Gründer die Expansion in die Schweiz finanziert. Bald sollen zudem neue Produkte auf den Markt kommen, beispielsweise Babypuder oder eine mobile Wickelunterlage.

Das Vorbild? Ein Rasierklingen-Abo

„Lillydoo soll als Marke moderne Mütter ansprechen. Wir wollen eine besonders hautfreundliche Alternative zu bestehenden Markenprodukten bieten“, sagt Kullack. Die Abonnenten seien in ganz Deutschland, Österreich und Schweiz verteilt und hätten unterschiedliche Hintergründe. „Unsere Konsumenten leben nicht alle im Berliner Prenzlauer Berg.“

Das Vorbild für Lillydoo sei zum einen The Honest Company aus Los Angeles gewesen, verrät der Geschäftsführer. Das börsennotierte Unternehmen der US-Schauspielerin Jessica Alba verkauft faire und handfreundliche Baby- und Kinderprodukte und wird mittlerweile mit 1,7 Milliarden US-Dollar bewertet. Das zweite Vorbild: Das US-Startup Dollar Shave Club, das Rasierklingen im Abo vertreibt und kürzlich an Unilever verkauft wurde – Gerüchten zufolge für eine Milliarde US-Dollar. „Wir dachten uns: Wenn es mit Rasierern geht, dann funktioniert ein Abo mit Windeln auch.“

Neue Produkte in der Pipeline

20 Mitarbeiter beschäftigt Lillydoo mittlerweile. Produziert werden die Windeln und Feuchttücher in Europa, nahe Deutschland. Den genauen Standort möchte Kullack nicht verraten. „Wir haben nur Produktionspartner gewählt, die Premium-Marken bedienen und unsere Philosophie verstehen“, sagt der Gründer. Das Distributionszentrum liege in Berlin.

Die heißesten Startups aus Frankfurt

Der Finanzsektor der deutschen Bankenmetropole ist deutlich spürbar, aber auch Insurtech, Autos und Hygieneartikel prägen hier die Gründerszene.

Die Vision für Lillydoo haben die Geschäftsführer klar vor Augen: „Wir wollen dem Konsumenten das freundlichste Abo-Modell anbieten“, sagt Kullack. Schon jetzt können Kunden das Abo jederzeit kündigen und nicht passende Windeln sogar zurückschicken.

Und das langfristige Ziel? Ob sich Kullack ein Exit an seinen alten Arbeitgeber Procter & Gamble wünscht, wollen wir wissen. Doch der Gründer hält sich bedeckt. Kein Kommentar.

Bild: Lillydoo