Sibilla Kawala-Bulas (l.)

Sibilla Kawala (ganz rechts) hat sich vor die DHDL-Investoren getraut – mit Erfolg.

Um die Gunst der Investoren buhlte Sibilla Kawala im Dirndl. Kawala ist die Gründerin des Hamburger Onlineshops Limberry und eine der ersten Kandidatinnen der neuen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ (DHDL), die Vox seit gestern Abend zeigt.

Auf Limberry können Frauen und Männer Trachtenmode bestellen, von der Spitzenbluse bis zum Bundschuh. Ursprünglich wollte Kawala in der Sendung 150.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile bekommen. Doch Judith Williams und Carsten Maschmeyer legten ein Gegenangebot vor: Sie würden sich zusammen mit 20 Prozent an Kawalas Unternehmen beteiligen, dafür aber auch 250.000 Euro zahlen. Kawala stimmte zu.

Die GmbH hinter Limberry gründete Kawala bereits 2010. Ihren Start in die Selbstständigkeit finanzierte sie über einen Bausparvertrag, außerdem gab es finanzielle Unterstützung aus Familie und Freundeskreis. Zusammen mit inzwischen acht Mitarbeitern betreut Kawala heute das E-Commerce-Startup, das erst über Umwege zu seinem heutigen Geschäftsmodell kam. Limberry arbeitet nach eigenen Angaben seit Mitte 2015 profitabel.

Wir haben mit der Gründerin über ihren Auftritt bei DHDL gesprochen.

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Sibilla, bislang hast Du Dein Unternehmen aus eigenen Mitteln finanziert. Wieso hast Du Dich dazu entschieden, Dir Risikokapital aus einer Fernsehshow zu holen?

Limberry steckt gerade in der Wachstumsphase. Wir wollen das Produktsortiment erweitern und sowohl in Österreich und der Schweiz als auch international bekannter werden. Die Sendung habe ich als Chance gesehen, erfahrene Unternehmer an meine Seite zu holen. Die Aussicht auf ein Investment war für mich zweitrangig. Ich war vor allem auf der Suche nach Mentoren, die mir mit ihrem Know-how und ihrem Netzwerk weiterhelfen können.

Wie hast Du die Sendung hinter den Kulissen erlebt?

Ich war erstaunt, wie echt alles ist. Ich habe mich selbst immer gefragt, ob die Löwen vorab wirklich keine Infos über die Gründer bekommen. Tatsächlich setzen sie sich mit null Vorwissen auf ihre Stühle.

Wie war es für Dich, zum ersten Mal vor Investoren zu pitchen – und dann auch noch vor laufender Kamera?

Ich war die Tage vorher sehr nervös, konnte nachts kaum schlafen. Als es dann soweit war, ist die Aufregung von mir abgefallen. Die Investoren haben zwar viele kritische Fragen gestellt, ich war aber gut vorbereitet: Im Vorfeld hatte ich mir alle Folgen der ersten und zweiten Staffel angesehen und zusätzlich Dragons’ Den und Shark Tank geschaut. Ich habe mir vier Seiten mit Fragen heraus geschrieben und sie für mich beantwortet.

Die heißesten Startups aus Hamburg, Digga!

Aus den letzten beiden Staffeln ist bekannt, dass ein Großteil der DHDL-Deals geplatzt ist. Nun haben Dir Judith Williams und Carsten Maschmeyer 250.000 Euro für insgesamt 20 Prozent der Firmenanteile zugesagt. Ist dieses Investment schon zustande gekommen?

Ja, ist es. Frau Williams und Herr Maschmeyer sind offiziell dabei. Generell finde ich es schade, wenn Medien solche Formate kaputt machen, indem sie berichten, dass am Ende „nur“ ein gewisser Teil der Finanzierungen stattfindet. Ich bin der Meinung, dass die Absprung-Quote nicht großartig anders ist als in der VC-Welt. Man sollte das in Relation sehen, bevor man das Format schlecht schreibt.

In der Sendung wird aber doch der Eindruck erweckt, als wäre ein Investment per Handschlag beschlossene Sache. Und das ist nun mal nicht so.

Natürlich muss aufgedeckt werden, dass das nicht unbedingt der Fall ist. Man sollte aber auch zeigen, dass solche Finanzierungsquoten marktüblich sind. Mal machen Investoren einen Rückzieher, weil ihnen zum Beispiel falsche Informationen vorgelegt wurden. Mal springen die Gründer ab.

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Hast Du seit der Aufzeichnung im März schon mit Williams und Maschmeyer am Tisch gesessen?

Wir haben uns schon einige Male gesehen und telefonieren fast wöchentlich. Das ging gleich nach der Sendung los: Donnerstag war Drehtag in Köln. Am Montag sind wir dann mit der Due Dilligence gestartet. Die haben wir innerhalb von einer Woche durchgezogen. Kurze Zeit später saßen meine beiden Mitgesellschafter und ich bei Herrn Maschmeyer im Büro, auch bei Frau Williams waren wir schon. Und beide haben uns in Hamburg besucht.

Deine ursprüngliche Idee, auf Limberry individuelle Damenmode zu verkaufen, ging schief. Das Geschäft blieb erfolglos. Erst Dirndl und Lederhosen brachten Umsätze. Glaubst Du, der frühe Fehlschlag hat Dir vor den Investoren einen Vertrauensvorschuss eingebracht?

Obwohl die Firma anfangs nicht lief, habe ich nicht aufgegeben. Ich hatte damals das Glück, noch ein bisschen Geld für eine Konzeptänderung zu haben. Das habe ich auch im DHDL-Pitch deutlich gemacht. Carsten Maschmeyer hat dann zu mir gesagt, dass Gründer, die schon mal gescheitert sind, im Silicon Valley interessanter für Investoren sind. Ich weiß, wie es ist, hinzufallen und weiterzukämpfen. Und ja, das hat mir wahrscheinlich auch in der Sendung geholfen.

Bild: Vox