Linkedin Facebook Börse

Linkedin, Facebook & Co.: The only way is up…

Es ist bislang ein gutes Börsenjahr für Online-Unternehmen. Bei Facebook, Linkedin und auch bei Xing, das mittlerweile mehrheitlich zu Burda gehört, steigen die Kurse bereits seit Jahresbeginn – bei Ersterem um über 60 Prozent seit dem Jahres-Tiefststand. Für Google gilt das Gleiche. Und selbst das zuletzt stark gebeutelte Groupon scheint mit neuem Chef und neuer Ausrichtung wieder für Hoffnung bei den Anlegern zu sorgen. Auch hier entwickelte sich der Kurs in den vergangenen Monaten strikt nach oben – wenngleich auch auf deutlich geringerem Niveau. Kein Wunder also, dass sich angebliche IPO-Pläne bei Twitter wie ein Lauffeuer verbreiten.

Linkedin untermauert den Börsenerfolg derzeit mit beachtlichen Nutzerzuwächsen. Deren Anzahl schoss binnen Jahresfrist um mehr als ein Drittel empor, allein von April bis Juni dieses Jahres kamen 20 Millionen hinzu. Ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung verweist das Business-Netzwerk nun 238 Millionen Mitglieder. Zur Orientierung: Der ebenfalls 2003 gestartete, aber niemals im großen Rahmen ins Ausland expandierte Konkurrent Xing kommt hier auf 13 Millionen. Aber auch die aktuellen Geschäftszahlen stimmen bei Linkedin: So verbesserte sich der Gewinn verbesserte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 33 Prozent auf knapp vier Millionen US-Dollar, der Umsatz stieg um 59 Prozent auf 364 Millionen US-Dollar an. Letzterer ist zwar weiterhin stattlich. Allerdings flacht die Wachstumskurve bereits ab, zuvor hatte sich das Plus auf 81 Prozent belaufen.

Dass Facebook sich nach dem Absturz wieder gut entwickelt, liegt an zwei Faktoren. Zum einen war das Jungunternehmen zum IPO enorm überbewertet, was sich zu einem nicht geringen Teil auf die Gier der Vor-IPO-Investoren zurückzuführen lässt. Entsprechend war der freie Fall der Aktie viel mehr eine notwendige Korrektur als ein Zeichen fehlenden Potenzials. Zum anderen hatte das Unternehmen zuletzt mit seiner Werbestrategie überzeugen können: Der Umsatz aus mobiler Werbung war auf 656 Millionen Dollar hochgeschossen und macht nun schon 41 Prozent des Werbegeschäfts aus, wie das soziale Netzwerk gerade erst vermeldete.

… aber es bleiben offene Fragen

Mit Blick auf die jüngsten Anstiege stellt sich derweil die Frage, wie lange diese Wachstumskurven aufrecht erhalten werden können – beim Umsatz ist der Knick bereits zu spüren.

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Linkedin etwa hat sich dieses zu Teilen mit der Geduld der Nutzer erkauft: Aggressive Email-Werbeaktionen hatten diese auf die Folter gespannt. Lange wird das US-Unternehmen dies nicht aufrecht erhalten können, ohne die Business-Netzwerker zu vergraulen. Ein Argument spricht allerdings auch weiterhin für Linkedin. Außerhalb Deutschlands gibt es wenige Alternativen. Und Netzwerken im Geschäftsumfeld wird immer wichtiger.

Bei Facebook ist es der genaue Blick auf die Anzeigenkunden, der Fragen aufwirft. Denn ein beträchtlicher, von dem Unternehmen allerdings nicht genau bezifferter Teil der mobilen Werbeeinnahmen stammt von Jungunternehmen, die ihre mobilen Apps mit Venture Capital auf der Plattform bewerben. Sollte sich das bald als (zu) wenig effizient erweisen, könnten die Erträge bei Facebook schnell sinken. Ohnehin ist offen, wie viel Werbung das Netzwerk seinen Nutzern auf den kleinen Smartphone-Bildschirmen zumuten kann, um das Wachstum weiterhin hoch zu halten. Genau das wird aber notwendig sein, um die – wieder fast an die 100-Milliarden-Euro-Marke gerückte – Bewertung zu rechtfertigen. Linkedin könnte bald unter dem selben Druck stehen.

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