KPMG_Liquiditaetsplanung

Liquidität als unterschätzte Ressource

Gründer müssen ihre zur Verfügung stehenden Ressourcen insbesondere in den Anfangsjahren geschickt einsetzen, um ihre Geschäftsidee erfolgreich realisieren zu können. Häufig wird jedoch der Liquidität als eine der Kernressourcen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ein großer Fehler, wie zahlreiche Statistiken belegen, denn fehlende Zahlungsfähigkeit ist der Hauptgrund für Insolvenzanträge in Deutschland. Deshalb legen Investoren und andere Kapitalgeber höchstes Augenmerk darauf, wie die zur Verfügung gestellte Liquidität eingesetzt wird und sich im Laufe der Zeit entwickelt. Aus diesem Grund bedarf es einer strukturierten und aussagefähigen Planung der künftigen Zahlungsströme.

Wie erstellen Gründer nun einen aussagekräftigen und umsetzbaren Liquiditätsplan?

Erstellung und Anwendung der Liquiditätsplanung

1. Planungshorizont

Besonders bei jungen Unternehmen sollten die Ein- und Auszahlungen mindestens für die kommenden sechs bis zwölf Monate detailliert geplant werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Zahlungsströme für die kommenden ein bis zwei Jahre auch schon grob zu planen.

2. Methodik

Die Datenbasis für die Liquiditätsplanung beruht ebenso wie bei ertragsorientierten Methoden auf den Details der Vertriebs-, Produktions-, Personal- und Finanzplanung und sollte mit diesen abstimmbar sein. Zusätzlich werden hier jedoch weiterführende Informationen benötigt: Welche Zahlungsziele räume ich meinen Kunden durchschnittlich ein? Wie sehen meine Zahlungsziele für wesentliche Ausgaben wie Material oder Marketing aus? Welche finanziellen Mittel werden benötigt, um die Investitionen der nächsten Jahre zu stemmen? Welche finanziellen Mittel werden zur Verfügung stehen?

Bereits die Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen hilft insbesondere jungen Unternehmen ungemein, die Tragfähigkeit und auch die Zukunftsfähigkeit des eigenen Startups zu bewerten.

3. Struktur

Üblicherweise sollte die Liquiditätsplanung in drei Bereiche gegliedert werden:

  • Zahlungsströme aus der operativen Tätigkeit: Hier werden alle Zahlungsströme aufgeführt, die dem normalen Geschäftsbetrieb zuzuordnen sind. Typische Planungskategorien sind beispielsweise Einzahlungen von Kunden und Auszahlungen für Material, Miete, Werbung oder Personal.
  • Zahlungsströme aus Investitionen: Hierunter fallen alle Zahlungen für langfristige Investitionen, wie die Zahlungsausgänge für die Anschaffung von Anlagen, Maschinen oder spezieller Software, aber auch Zahlungen für Übernahmen oder den Erwerb von Patenten.
  • Zahlungsströme für Finanzierungstätigkeiten: Dies umfasst regelmäßig alle Ein- und Auszahlungen im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Typischerweise sind das die Zuflüsse durch Aufnahme von Darlehen, Auszahlungen in Form von Zinsen oder Tilgungen zur Rückführung von Krediten.

4. Kontrolle

Die beste Planung hilft nichts, wenn sie nicht regelmäßig überprüft, hinterfragt und angepasst wird. Entsprechend ist der regelmäßige SOLL-/IST-Abgleich eine zwingende Maßnahme im Rahmen der operativen Unternehmensführung. Die konsequente Überprüfung der Planung hilft dabei, sich zu vergegenwärtigen, ob die selbst gesteckten Ziele erreicht wurden und wo es zu Abweichungen gekommen ist.

5. Steuerung

Die regelmäßige Kontrolle der Zahlungsströme und die dadurch erreichte Transparenz helfen dabei, zu identifizieren, wo es hakt und an welcher Stelle bezüglich der anstehenden Zahlungsströme adjustiert werden muss. Der aktive Umgang mit den Ergebnissen der Nachkontrolle zur Erreichung der langfristig gesetzten Ziele ist eines der wesentlichen Elemente der Liquiditätsplanung und -steuerung.

Unternehmenserfolg nach (Liquiditäts-)Plan

Eine treffsichere Liquiditätsplanung und -steuerung hilft insbesondere Unternehmern in der Anfangs- und Wachstumsphase maßgeblich dabei, den Überblick zu bewahren und gegenzulenken. So können sie einen Zahlungsengpass frühzeitig erkennen und vermeiden. Die zahlungsorientierte Sicht ist zudem einfach nachzuvollziehen und schafft dadurch Transparenz in allen relevanten Bereichen des Unternehmens. So kann die Liquidität als eine der wichtigsten Ressourcen des Unternehmens aktiv geplant und gesteuert werden.

 

Für mehr Informationen zur Liquiditätsplanung, wendet euch an die Experten von KPMG:

Dr. Andreas Liedtke
Senior Manager
Finance Advisory
aliedtke@kpmg.com

 

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