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„Software ist im Grunde nichts anderes als ein nicht verschleißendes Handelsgut“

Als weltweit erste Online-Börse für Gebrauchtsoftware ist Li-x im Februar dieses Jahres gestartet. Über den Software-Marktplatz im Netz können Unternehmen nicht mehr benötigte Lizenzen, zum Beispiel von Betriebssystemen, an interessierte Betriebe verkaufen. Dabei berechnet das Programm die tagesaktuellen Kurse auf Basis von Angebot und Nachfrage: Der Einkäufer legt einen Maximalpreis fest, der Anbieter gibt ein Minimalgebot ab. Damit orientiert sich das Konzept von Li-x an dem einer Wertpapierbörse.

Das Argument der Macher: „Software verschleißt nicht und ist wertbeständig“. Diese Ansicht bestätigte im Sommer 2012 auch der europäische Gerichtshof und entschied, dass Softwarehersteller den Weiterverkauf von gebrauchten Lizenzen nicht unterbinden dürfen. Der Bundesgerichtshof validierte das Urteil im darauffolgenden Jahr.

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Der Entwicklung von Li-x ebnete dieser Entscheid den Weg: Mitgründer Boris Vöge, der bereits in der Software-Remarketing-Branche tätig war, und der studierte Mathematiker und Informatiker Sven Mutzl taten sich zusammen und begannen mit der Konzeption einer Gebrauchtsoftware-Börse. Noch in diesem Jahr wollen die Gründer aus der Beta-Phase in den regulären Betrieb wechseln. Derzeit beschäftigt das B2B-Startup mit Sitz in Hamburg 14 Mitarbeiter.

Mit Gründerszene hat Li-x-Mitgründer Boris Vöge über rechtliche Grundlagen, schwarze Schafe und den Rest der Welt gesprochen.

Ihr wendet Euch mit Eurer Gebrauchtsoftwarebörse nicht an Privatpersonen, sondern ausschließlich an Unternehmen. Welche Faktoren müssen gegeben sein, damit ein Betrieb seine gebrauchten Softwarelizenzen über Li-x verkaufen kann?

Gebrauchtsoftware muss die im europäischen Urheberrecht verankerten rechtlichen Rahmenbedingungen erfüllen. Das heißt, dass das Unternehmen die Lizenz in der Europäischen Union oder der Schweiz erworben haben muss. Außerdem muss sie unbefristet sein. Ein weiteres Kriterium ist, dass der Verkäufer die Lizenz bei sich löscht, sie also für den eigenen Bedarf unbrauchbar macht.

Wie stellt ihr dann sicher, dass die Anbieter keine schwarzen Schafe sind?

Bevor eine Lizenz auf Li-x gehandelt wird, durchläuft sie einen sogenannten Clearing-Prozess. Zunächst laden die Verkäufer die entsprechenden Kaufnachweise auf die Plattform. Dann kontrollieren unsere Clearing-Mitarbeiter, ob es sich um legal erworbene Ware handelt. Es kann vorkommen, dass sich Anbieter zum Beispiel im Release irren. Dann halten wir Rücksprache – und korrigieren gegebenenfalls. Grundsätzlich gilt: Bevor eine Lizenz über Li-x weiterveräußert wird, muss der Erwerb nachgewiesen und die Rechtekette dokumentiert sein. Nur geclearte Lizenzen kommen ins Portal.

Um welche Lizenzen geht es ganz konkret?

Wir wollen das gesamte Angebot-und-Nachfrage-Spektrum für Standardsoftware abdecken. Zum Start von Li-x wird die gesamte Microsoft-Produktpalette von älteren bis aktuellen Releases gehandelt. Mittelfristig planen wir Erweiterungen um Adobe-Produkte, Virtualisierungssoftware sowie CAD-Anwendungen für den breiten Markt.

Mit Preo hast du 2005 schon einmal ein Software-Remarketing-Unternehmen gegründet. Wieso hat es da einen zweiten Anbieter gebraucht?

Wir haben Li-x entwickelt, um Käufer und Verkäufer von gebrauchter Software schnell und unkompliziert zusammen zu bringen. Damit heben wir den klassischen Gebrauchtsoftwarehandel ins Internet. Preo ist ein traditioneller Offline-Händler, bei dem Unternehmen zusätzlich zur Transaktion ein Beratungs-Add-on bekommen.

Wie kam es dann zur Gründung von Li-x?

2010 hatte ich die Idee, dass der Lizenz-Handel wesentlich vereinfacht werden kann, wenn Software als Commodity betrachtet wird. Software ist zwar etwas komplexer – es gibt Releasestände und gegebenenfalls Wartungsverträge – aber im Grunde ist sie ein nicht verschleißendes Handelsgut. Nachdem 2012 die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt wurden, holte ich meinen Mitgründer Sven an Bord und wir starteten mit der Entwicklung.

Aktuell erhebt ihr bei jeder Transaktion eine Provision in Höhe von zwölf Prozent des Verkaufspreises. Wie sah das vor dem Start aus und wie zukünftig?

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Die Grundfunktionen sollen weiterhin auf Provisionsbasis laufen. Wir planen aber, weitere Features zu launchen. Die additive Nutzung von Extra-Services ist dann kostenpflichtig. Bislang ist die Börse ausschließlich aus Eigenkapital finanziert. Für Gespräche mit Investoren sind wir aber offen.

Erst seit der Liberalisierung des Software-Marktes in Europa ist es überhaupt möglich, eine Plattform wie Li-x zu betreiben. Gab es denn im Rest der Welt ähnlich konzipierte Tools, die Euch als Vorbilder dienten?

Nein. Eine Gebrauchtsoftwarebörse gibt es bislang nirgends. Bei der Entwicklung haben wir uns an traditionellen Wertpapierbörsen orientiert. Genau wie hier, bestimmen auch auf Li-x Angebot und Nachfrage den Preis und die Kurse werden transparent gebildet. Aufgrund der geklärten Rechtslage beim Wiederverkauf von Software fokussieren wir uns im Moment klar auf Europa.

Apropos Europa: Ihr wollt in die Schweiz, nach Österreich, Frankreich und England expandieren. Welchen Zeitrahmen peilt ihr diesbezüglich an?

Bis Ende des Jahres wollen wir auch in andere europäische Märkte einsteigen. Unser Ziel ist eine bedeutende Marktstellung bis Mitte 2015 im deutschsprachigen Raum. Auch die Benelux-Staaten sind für uns interessant.

Bild: Li-x