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Sein Deutschland-Büro hat Loanboox gerade in Köln eröffnet (Symbolbild)

Köln bekommt ein neues Fintech: Das Schweizer Startup Loanboox startet ab Juli in der Dom-Stadt und bringt damit sein Portal, über das Gemeinden und Städte Kredite finden können, nach Deutschland. 

Das Startup bewegt sich teilweise in der Branche des Peer-to-Peer-Lendings, wo Kredite nicht über Banken sondern über alternative Anbieter wie Versicherer oder Privatpersonen ausgegeben werden. Bereits bekannte Fintech-Unternehmen, die so Privatpersonen Darlehen ermöglichen, sind etwa Lending Club oder Auxmoney.

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Gründer Stefan Mühlemann

Doch anders als bei diesen Firmen sind die Nutzer von Loanboox Städte oder ganze Gemeinden. Das Startup bietet eine Onlineplattform, über die diese passende Finanzierungsmöglichkeiten finden können. In der Schweiz wurden mithilfe des Startups nach eigenen Angaben bereits Darlehen in einer Höhe von zwei Milliarden Euro finanziert.

Dabei ist das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen jedoch nur Vermittler, mischt sich weder in die Auszahlung noch in die Rückzahlung der Kredite ein. „Wir sind eine Kommunikationsplattform, auf der sich Kreditgeber und -nehmer treffen“, betont Gründer Stefan Mühlemann, der Loanboox im September 2016 startete. „Die Initiative kommt immer vom Kreditnehmer. Dann werden die Kapitalgeber informiert, sie machen ihre internen Prüfprozesse und offerieren – oder auch nicht.“ Sollte es zu einem Ausfall kommen, müssten sich die beiden Parteien selber darum kümmern. 

Zudem bietet Loanboox keine gebündelten Finanzierungen an, es gibt jeweils nur einen Investor pro Kredit. Das Startup selbst finanziert sich über eine Gebühr, die es vom Kreditnehmer erhält: 0,01 Prozent der Kreditsumme. 

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Im Gegensatz zu einigen Online-Kreditplattformen will das Startup jedoch mit Banken zusammenarbeiten. Der Gründer sieht sein Startup nicht als direkte Konkurrenz zu etwa den Sparkassen, von denen sich die Gemeinden Geld leihen können. „Kommunen handeln rational und suchen ein breites Angebot an Kapitalgebern, um transparent die günstigsten Angebote zu erhalten – so zeitsparend wie möglich“, glaubt Mühlemann. Die Banken können ihre Angebote auch über Loanboox offerieren. „Ich gehe davon aus, dass die Regionalbanken erkennen, dass sie mit uns einen Gratisvertriebskanal haben“, sagt er. So hätten die Banken die Option, im ganzen Land Finanzierungsmöglichkeiten zu entdecken und somit das Risiko zu diversifizieren. Daneben bieten institutionelle Investoren wie etwa Versicherungen oder Pensionskassen Kreditfinanzierungen für Städte und Co über das Portal.

Im Juli startet das junge Unternehmen mit Deutschland in den zweiten Markt, die Sprache und ähnlichen Regulierungen seien der Grund dafür, so Mühlemann. Die deutsche Niederlassung befindet sich in Köln, dem Gründungsort eines Wettbewerbers: Firstwire. Das Kölner Startup vermittelt, wie auch Commnex aus München, ebenfalls Kredite an Gemeinden.

Bild: Gettyimages/Westend61