Ein Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.

Jetzt ist es soweit. Das Streamen von Musik ist endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Warum? Weil jetzt auch Aldi in das Geschäft einsteigt. In Zusammenarbeit mit Napster bietet der Lebensmitteldiscounter, den inzwischen auch die Amerikaner lieben, für 7,99 Euro im Monat 34 Millionen Songs und 10.000 Hörbucher an. Das Angebot ist monatlich kündbar. Aldi ist ein Mysterium und deutsches Kulturgut zugleich. Jeder hat eine Beziehung zu diesem Supermarkt, in dem man sich einfach aus den offenen Kartons bedient. Das gibt uns das gute Gefühl, nicht für die Präsentation, sondern nur für eigentlichen die Waren zu zahlen. Die ewigen Weisheiten der Deutschen zu Aldi lauten ungefähr so:

  • „Die haben da wirklich tollen Wein für 2,99 Euro.“
  • „Hinter den Aldi-Produkten versteckt sich ja eigentlich Markenware, die im anderen Supermarkt viel teurer ist.“
  • „Da stehen auch viele dicke Autos auf dem Aldi-Parkplatz.“
  • „Der Aldi-Champagner ist besser als viele teure Tropfen aus Frankreich. Wirklich!“
  • „Ein ganzer Einkaufswagen voller Sachen – und man zahlt keine 50 Euro.“

Es ist eben so. Keine Geschmacksnote schmeckt uns Deutschen besser als – billig. In keinem Land der Welt wird weniger Geld für die täglichen Nahrungsmittel ausgegeben als in Deutschland. Funktioniert das auch mit Musik? Apple Music ist gefühlt das Gegenteil von Aldi Live. Es kommt aus Amerika. Und da sind wir hierzulande natürlich besonders kritisch. Wir wissen ja inzwischen, was Coca Cola im gesunden deutschen Körper anrichten kann. Apple fühlt sich irgendwie teuer und zu aufgebrezelt an – und war da nicht auch irgendetwas mit Daten? Wie die New York Post berichtet, nutzen insgesamt 15 Millionen Menschen Apple Music. Knapp die Hälfte der Apple-Kunden sollen die automatische Verlängerung des Abos allerdings deaktiviert haben, heißt es. Mein Tipp: Aldi Life hat gute Chancen sich durchzusetzen. In Deutschland.

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Beim Schreiben dieser Kolumne mischt sich urplötzlich auch noch Saturn mit der Musikflat Juke ins Streaminggeschäft ein. „Grenzenlose Unterhaltung. Überall.“, heißt es in der Werbung, die in meine Mailbox purzelt. Drei Monate sind kostenlos. Dann kommen die inzwischen handelsüblichen 30 Millionen Songs im Archiv und drei unterschiedlich teure Abomodelle. Ja, Streaming ist angekommen, in den Discountern, in den Elektrosupermärkten und will auf die Geräte und in die Köpfe der Menschen. Finden Sie gleich hier im nächsten Gang rechts, neben den Dosentomaten und den extrafeinen Erbsen. Kann ich empfehlen. Besonders günstig heute.

Wenn nach dem Musikgenuss noch die Wohnung aufgeräumt werden muss, kommt gleich das nächste unwiderstehliche Angbot um die Ecke. Die freundlichen Helfer von Book a Tiger warten nämlich schon auf den Einsatz in unseren vier Wänden. So sagt es jedenfalls das Plakat, wenn man genau hinschaut. Wenn man nicht so genau hinschaut, bekommt man eine leichte Gänsehaut. Was will der Typ mit der Katze denn? Ach so. Einfach nur in Erinnerung bleiben, sagen mir meine coolen Kollegen, die offenbar durch gar nichts mehr zu erschüttern sind. Es sei denn, die laktosefreie Milch ist ausgegangen. Das Fotomotiv hätte etwas mit Internet-Memen zu tun. Ach so. In jeder normalen, sensiblen Seele entfaltet dieses Motiv allerdings Nebenwirkungen, die bis jetzt noch gar nicht erforscht worden sind. Wenn Sie hier mal schauen mögen. Auf eigene Gefahr.

Auch das Blumenversender-Startup Bloomydays ist in dieser Woche mit seiner Werbung auffällig geworden. In den allseits beliebten Charts der frauenfeindlichen Werbung des Jahres von Terre des Femmes hat es Bloomydays immerhin auf einen guten zweiten Platz geschafft. In der Begründung der Jury heißt es: „Der Berliner Internetblumenhändler stellte in seiner Plakatwerbung eine aufbrechende Blütenknospe so dar, dass sie unwillkürlich an eine Vagina erinnert. Die Sexualität der Frau wird damit instrumentalisiert. In Kombination mit dem Text: ‚Je schöner die Blumen, desto schöner das Dankeschön‘ wird die Frau in eine passive Rolle des Dankens und Erhaltens gedrängt. Somit wird mit Geschlechterstereotypen gearbeitet: Frauen lassen sich mit Blumen beschenken und Männer bekommen dann Sex als Dankeschön.“ Hat das jetzt auch etwas mit Memen zu tun? Wahrscheinlich.

Wie man als One-Man- oder Women-Show so richtig Geld mit der Digitalisierung verdient haben uns in dieser Woche die spindeldürre Instagram-Queen Chiara Ferragni und Elon „Tony Stark“ Musk verraten. Chiara inszeniert ihren Alltag auf Instagram als endlose Abfolge von Aufenthalten in Luxushotels, Markenklamotten und Sternerestaurants. Da schauen auch wir gerne mal hin. Sieht alles gut aus und was könnte man gegen gepflegte Oberflächen haben? Hässlichkeiten gibt es schon genug. Wenn man mag, kann man auch die fabelhafte Welt von Chiaras Mops auf Instagram erleben. Für Leute, die es etwas tiefsinniger mögen.

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Eine Spur tiefsinniger präsentiert sich auch Elon Musk im Wirtschaftsministerium in Berlin. Unter der gemütlichen Aufsicht des Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel darf er dem staunenden Publikum von Raketen, Elektroautos und dem Klimawandel erzählen. Wir hoffen, dass sich hinter der freundlichen Oberfläche des Elon Musk nicht in Wirklichkeit ein James-Bond-Schurke verbirgt, der die Welt wahlweise beherrschen oder zerstören will. Wir haben derzeit nämlich keinen James Bond zu bieten, der ihn daran hindern könnte. Nirgends. Auch Sigmar Gabriel steht dafür leider nicht zur Verfügung.

Oh. Das Bat-Zeichen leuchtet am Himmel. Wir müssen dann mal los in unser Superhelden-Wochenende, das selbstverständlich per Hand und nachhaltig aus Luxushotels, Sternerestaurants und teuren Markenklamotten hergestellt wurde. Aber vorher gibt es noch luxuriöse Musik. Völlig umsonst und gratis. Und ohne Abomodell.

Alles richtig gemacht. Popwerpop von The Anydays.

Wir hätten da noch ein paar weitere Frisurenvorschläge.

Ist der Einsatz von Gogo-Tänzerinnen eigentlich frauenfeindlich? Entscheidet selber.

Fotos: Screenshot / Youtube / The Phantom KEys / Frank Schmiechen / Bloomy Days