Seinen Nachnamen kennt man noch aus dem Geschichtsunterricht: Schließlich war der Onkel von Magnus Graf Lambsdorff lange Jahre FDP-Vorsitzender und Wirtschaftsminister. Der 54-Jährige ist selbst in der FDP aktiv, hat gleichzeitig aber auch einen Tech-Bezug und kennt die Startup-Szene. In seinem Job als Personalberater arbeitete er unter anderem für Facebook und Google, als Investor steckte er sein Geld bereits in mehrere deutsche Startups.

Im Berliner Startup-Kosmos wird er künftig häufiger anzutreffen sein. Lambsdorff steigt als Partner beim Company Builder Hitfox ein. Im Gründerszene-Interview spricht er über seine neue Aufgabe und seinen politischen Hintergrund.

Magnus, mit 54 Jahren bist du vergleichsweise alt für die Startup-Szene. Wie kam es zu dem Job bei Hitfox?

Ich kenne Jan Beckers von Hitfox schon lange durch gemeinsame Projekte. Bei Fyber war ich zum Beispiel als Seed-Investor mit dabei. Es hat mich immer beeindruckt, wie Jan neue Ideen entwickelt und umsetzt. Irgendwann sind wir ins Gespräch gekommen, wie es denn wäre, mich an Bord zu holen.

Und deinen alten Job bei der Personalberatung Egon Zehnder hast du einfach aufgegeben?

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Ich hatte dort eine wunderbare Zeit und hätte komfortabel noch viele Jahre bleiben können. Aber ich fühlte mich wie auf Auto-Pilot: sicher, aber ohne wirklich neue Herausforderungen. Ich war 20 Jahre dabei und hätte sicher weiter segeln können. Aber ich wollte wieder etwas wagen und gestalten. In Deutschland wird dann gleich nur das Risiko gesehen. Ich freue mich aber in erster Linie auf die vielen Möglichkeiten, die Hitfox hat.

Welche Aufgaben wirst du bei Hitfox übernehmen?

In meiner Zeit bei Egon Zehnder habe ich mit Führungsteams von internationalen Tech-Unternehmen gearbeitet. Als Chief People Officer bei Hitfox wird ein Teil meiner Aufgaben darin bestehen, die besten Leute für uns zu finden, bei Hitfox zu integrieren und zu entwickeln. Durch die verschiedenen Ventures haben alle hier unglaublich viele Möglichkeiten – junge Talente können bei uns schnell zu Serienunternehmern werden.

Außerdem wirst du dich ums Fundraising kümmern.

Ja, hier zahlt sich mein Alter aus (lacht). Durch mein Netzwerk habe ich Zugang zu traditionellen Branchen, zu Investoren, in die Politik oder zu Verbänden. Dadurch kann ich sicherlich Türen öffnen, denn es herrschen tatsächlich hier und da immer noch Berührungsängste mit der Startup-Szene.

Es gibt Gerüchte, dass ihr euch gerade auf der Suche nach einer großen Finanzierung befindet. Von einem dreistelligen Millionenbetrag ist die Rede. Ist da was dran?

Dass viel über uns geredet wird, ist schön, diese Aufmerksamkeit kann uns nur nutzen. An der Sache selbst ist aber gerade nichts dran.

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Dein Onkel war der langjährige FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff, dein Cousin Alexander ist Europaabgeordneter. Auch du bist in der Partei aktiv. Wie betätigst du dich dort?

In Hamburg bin ich seit November 2014 stellvertretender Parteivorsitzender. Christian Lindner hat mich damals angerufen und gefragt, ob ich nicht bei uns in Hamburg Katja Suding unterstützen könne. Ich habe mich dann vor allem um die Finanzierung des Wahlkampfes gekümmert – und wir haben es geschafft, die FDP von 2,5 Prozent auf mehr als sieben Prozent zu bringen. Bei der Entstehnug des neuen Wirtschaftsforums der FDP habe ich etwas mitgeholfen. Da haben sich etwa 50 Unternehmer aus ganz Deutschland zusammen gefunden, die liberale Politik unterstützen wollen.

Inwiefern hast du dich bei der Politik für die Startup-Szene eingesetzt?

Der frühere Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat die Gründungsszene zum ersten Mal wirklich auf die politische Agenda gesetzt. Wir haben damals viel darüber gesprochen. Als er 2013 die Tour mit deutschen Unternehmern ins Silicon Valley initiiert hat, habe ich ihm mit meinem Netzwerk hier und dort in der Tech-Szene geholfen. Ich verstehe mich da eher als Brückenbauer zwischen zwei gesellschaftlichen Bereichen, die Schwierigkeiten haben, miteinander umzugehen. Auch bei der Argumentation gegen die Besteuerung von Business-Angel-Investments vor ein paar Monaten habe ich mitgewirkt.

Bild: Hitfox