Günes Seyfarth

Kinder wachsen in den ersten Jahren beinahe im Monatstakt aus ihrer Kleidung. Wer bisher nicht das nötige Kleingeld mitbrachte, war entweder auf Bekannte, Flohmärkte oder lieblose Online-Tauschbörsen angewiesen. An einer Tausch-Plattform für Mütter arbeitet Günes Seyfarth. Sie ist die Gründerin von Mamikreisel. Ihr Startup will nicht nur das Kleidungsproblem in den Griff bekommen, sondern auch den Austausch unter Müttern fördern.

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Seyfarth, eine Deutsche mit türkischen Wurzeln, gründete die auf Mütter spezialisierte Tausch-Plattform Mamikreisel im September 2012 gemeinsam mit der Tauschbörse Kleiderkreisel. Auf der Plattform können Eltern abgesehen von Kinderkleidung beispielsweise auch Spielzeug oder Equipment wie Kinderwagen bekommen. Inzwischen verzeichnet Mamikreisel 470.000 Mitglieder und eine Million Artikel. Vor der Gründung studierte Seyfarth Betriebswirtschaft, war als Tanzlehrerin aktiv, arbeitete als unabhängige Finanzberaterin, als Sales-Managerin und im Online-Marketing. Sie ist verheiratet und hat drei Söhne.

Die Gründerin im Kurzinterview mit Gründerszene.

Wieso hast Du Mamikreisel gegründet?

Ich war mit meinem ersten Sohn auf einem Flohmarkt für Kindersachen – eine Enttäuschung. Es war nicht so nett und freundlich, wie ich es erwartet hatte. Dieses Erlebnis hat mich stark geprägt. Ich dachte mir, das muss besser gehen. Warum gibt es keine Möglichkeit, dass Mamis zu klein gewordene Sachen ihrer Kinder dann, wenn es ihnen passt, ins Netz stellen können? Gerade mit drei kleinen Kindern gibt es so viel Bedarf an neuer Kleidung. Gleichzeitig ist die Kleidung kaum genutzt schon wieder zu klein. Das ist eigentlich sehr schade. Ich kannte damals die Geschäftsführerin von Kleiderkreisel und in einem Gespräch entstand die Idee, etwas Eigenes für Mamis zu machen. Und ich als Social-Media-Expertin und engagierte Mutter habe mich gleich an die Umsetzung gemacht.

Was unterscheidet Mamikreisel von anderen Tauschbörsen?

Mamikreisel ist viel mehr als eine reine Second-Handelsplattform, es ist eine aktive Community, die sich auf Mamikreisel im Forum, auf Facebook und per Chat aktiv über Kinder, Mode und das ganze Leben austauscht. Die App hat diesen Charakter noch verstärkt.

Den Communitygedanken lebt ihr auch auf Facebook. Was ist das Social-Media-Erfolgsrezept?

Für erfolgreiches Social-Media-Marketing muss man ein Gespür für seine Community haben. Wir kommunizieren nicht nur einseitig, sondern auch miteinander. Und wir posten nicht das, was alle posten, sondern versuchen immer Dinge zu haben, die nicht jeder kennt. Dazu gehört auch, sich an Themen zu trauen, die in der Gesellschaft noch tabu sind wie Regenbogenfamilien. Wir wollen es durch die Beschäftigung mit diesen Themen schaffen, dass Mamis respektvoll und tolerant miteinander umgehen. Und es geht darum, auf sein Gefühl zu hören und sich nicht vom Umfeld und der Gesellschaft stressen zu lassen. Das leben wir auf Facebook und Co. Und das merkt unsere Community.

Du bist sozial sehr engagiert. Abgesehen von Deinem Unternehmen bist Du auch Foodaktivistin, verantwortest eine Kita, bist Mutter. Woher nimmst Du all die Zeit und Energie?

Ich habe Spaß am Tun und ich bin organisiert. Aber am wichtigsten ist: Mein Mann unterstützt mich in allem. Nur durch diese Kombi ist das möglich.

Hast Du noch weitere Projekte in Planung?

Ich bin gerade dabei, eine Schule zu gründen. Viele Menschen wissen nicht, was sie wollen und trauen sich nicht, Sachen auszuprobieren. Ich sehe ein grundlegendes Problem in unserem Schulsystem, dass man Kinder von klein auf mit Noten vergleicht. Man fokussiert auf die Defizite und sagt den Kindern, wann sie an was denken müssen. Wenn ich mit Eltern über die Unsinnigkeit von Noten in jungen Jahren spreche, kommt häufig der Satz: Aber dann weiß ich nicht, wo mein Kind steht, wenn es keine Noten bekommt. Ich bin der Meinung, man muss sein Kind ansehen, es verstehen. Dann brauche ich keine Noten.

Aber dazu benötigt man Selbstvertrauen in die eigene Meinung. Doch wie soll man das entwickeln, wenn ich in der Schule einen Stundenplan bekomme und ein Lernziel am Ende des Jahres erfüllen muss – egal, ob meine Talente in dem Bereich liegen oder nicht. Es geht anders: Länder wie Finnland machen es uns vor. Aber ich bin überzeugt davon, dass es zu jedem Problem eine Lösung gibt. Es ist ein großes Unterfangen, doch es lohnt sich.

Danke für das Gespräch.

Bild: Mamikreisel