Marcelo Ferreira Foodpanda Brasilien

„Brasilianer geben schnell ihr Geld aus“

Der Lieferdienstvermittler Foodpanda von Rocket Internet ist in über 30 Ländern aktiv – unter dem Namen HelloFood auch in dem WM-Gastgeberland Brasilien, wo die Kunden am liebsten Hot Dogs und Pizza bestellen. Dort leitet Marcelo Ferreira die Geschäfte. Der gebürtige Brasilianer studierte an der Universität in Sao Paulo und ging nach seinem Abschluss als Wirtschaftsingenieur zu der Unternehmensberatung A.T. Kearney, bevor er Ende 2012 als Geschäftsführer zu HelloFood wechselte. Im Interview erzählt er, wieso Brasilianer nicht gerne sparen und welche Nachteile das Land für Gründer und Investoren hat.

Wie gut funktioniert Hellofood in Brasilien?

Bisher sehr gut. Wir haben zwar starke Konkurrenten, aber das zeigt ja nur, dass der Markt ein großes Potenzial hat. Außerdem ist Brasilien mit fast 200 Millionen Einwohnern wirklich riesig. Und es gibt sehr viele Restaurants – alleine in Sao Paulo haben wir 5.000 Partnerrestaurants.

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Wer sind die größten Konkurrenten?

Es gibt zwei Konkurrenten: Der eine ist iFood, der andere RestauranteWeb. Zusammen mit HelloFood laufen über diese Lieferdienste etwa zehn Prozent der Bestellungen in Brasilien. Aber unser größter Konkurrent ist das Telefon, weil die meisten Bestellungen immer noch telefonisch abgegeben werden.

Woran liegt das?

Ein Problem ist, dass wir nicht mit allen Restaurants kooperieren. Wir sind zwar in 30 brasilianischen Städten aktiv, setzen unseren Fokus aber auf Sao Paulo, Rio de Janeiro und Belo Horizonte. Viele der Menschen, die in diesen Städten arbeiten, wohnen aber eigentlich in den kleineren Vororten. Deshalb wollen wir jetzt vor allem dorthin expandieren.

Wie viele Kunden hat Hellofood in Brasilien?

Das kann ich leider nicht verraten. Aber wir wachsen wöchentlich um 15 Prozent.

Bestellen Brasilianer viel über ihr Smartphone beziehungsweise über eine App?

In Brasilien gibt es mehr Handys als Einwohner. Rund 40 Prozent der Handys sind Smartphones, es gibt also viele potenzielle App-Nutzer. Die jüngere Bevölkerung nutzt immer mehr Apps und bestellt auf diesem Wege auch immer häufiger Essen. Aber es gibt natürlich auch viele ältere Leute, die den neuen Technologien noch nicht vertrauen.

Wie gehen die Brasilianer mit Geld um? Sparen sie gerne oder leben sie auf Pump?

Brasilianer geben ihr Geld schnell aus. Die Mentalität dort ist ähnlich wie in den USA: Es dreht sich viel um Konsum. Status ist in Brasilien sehr wichtig, deswegen zeigen die Leute gerne, was sie haben. Man trifft dort beispielsweise immer wieder Leute, die zwei Monatsgehälter ausgegeben haben, nur um ein iPhone zu besitzen. Oder sie fahren ein Auto, das sie sich eigentlich gar nicht leisten können.

Brasilien wurde von Investoren lange gehypt. Gerade gehen die Investitionen aber zurück. Wie gut ist die Lage der Startups in Brasilien wirklich?

Weil das Land so riesig ist, ist auch das Potenzial irre groß. Aber die fehlende Infrastruktur, das schlechte Bildungs- und Gesundheitssystem sind große Probleme auch für junge Unternehmen vor Ort. Außerdem gibt es viel Korruption – weil viele einflussreiche Personen in Brasilien korrupt sind, denken auch die weniger einflussreichen Leute, dass sie korrupt sein dürfen.

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Würdest du trotzdem dazu raten, ein Startup in Brasilien zu gründen?

Definitiv. Alleine Rocket hat zehn Ventures in Brasilien, eben weil das Potenzial in Brasilien so groß ist und es sich deswegen häufig auszahlt. Aber die Bürokratie in Brasilien ist ein großes Hindernis. Es ist irre schwer, überhaupt ein Unternehmen zu gründen oder eine Firma wieder zu schließen. Und einige Kosten – beispielsweise Personalkosten – sind sehr hoch, weil man viele Abgaben an den Staat zahlen muss.

Wie schwierig ist es für Ausländer, in der brasilianischen Startup-Szene zu arbeiten? Muss man unbedingt Portugiesisch sprechen?

Die meisten Menschen in Brasilien sprechen kein Englisch, deswegen ist es tatsächlich schwierig, wenn man gar kein Portugiesisch spricht. Oder man muss immer einen Übersetzer dabei haben. Außerdem sollte man jemanden vor Ort kennen, der die Kultur und die Mentalität der Brasilianer versteht. Um dort also wirklich Erfolg haben zu können, muss man entweder eine Weile selbst in dem Land leben oder Einheimische kennen. Einfach nach Brasilien gehen und alleine dort gründen, ist schwierig.

Bild: Hannah Loeffler