Marco_Maas

xMinutes-Gründer Marco Maas

News-Apps gibt es viele. Nun soll Ende des Jahres eine Anwendung starten, die schon vorher weiß, was sich der Leser wünscht: xMinutes. Entwickelt wird sie von Marco Maas, einem der bekanntesten Datenjournalisten Deutschlands. Das Besondere an der App: Anhand von Bewegungs- und Sensoren-Daten will xMinutes vorhersagen, welche Artikel, Podcasts und Videos der Nutzer wann konsumieren will – und das alles weit besser als Facebook. Dessen Algorithmus führe zu Filterblasen, kritisiert Gründer Maas, der mit seiner Firma OpenDataCity schon große datenjournalistische Projekte u.a. für Spiegel Online und Süddeutsche.de umgesetzt hat. „Mich hat frustriert, dass mir mittlerweile nur noch Artikel von Stern.de angezeigt wurden.“

Neben der Verarmung des Nachrichten-Feeds stört den Gründer noch ein weiteres Problem: „Derzeit verteilen wir Journalisten unsere Inhalte ziemlich blöd und naiv.“ Redaktionen müssen bisher regelrecht raten, wann ihre Leser sich für Themen und spezielle Artikel interessieren könnten.

Spiegel Online und die Apothekenumschau sind mit dabei

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xMinutes soll das alles besser können. „Der Name steht dafür, wie viel Zeit der Nutzer hat“, so Maas. Meldet das Smartphone, dass der User morgens aufgewacht ist und das Gerät kurz zur Hand nimmt, wird xMinutes beispielsweise knappe Nachrichten in Textform präsentieren. Steigt der User später aufs Fahrrad, um zur Arbeit zu kommen, oder verkabelt seinen Kopfhörer, hält die App Audio-Stücke parat. Am Abend bieten sich je nach individuellem Medien-Konsum längere Lesestücke und Videos an. „Ein besonderes Problem ist für uns derzeit noch das Wochenende“, sagt Marco Maas. „Da gibt es meist keinen regelmäßigen Tagesablauf, dafür aber häufig ein überraschendes Nutzerverhalten.“

Zusätzlich zu dem individualisierten Nachrichten-Feed will xMinutes noch mit etwas anderem punkten: Im Angebot der App sind bereits jetzt eine Vielzahl namenhafter, sehr unterschiedliche Medienmarken vertreten. Zu den derzeitig 21 Partnern gehören u.a. die Tagesschau, Spiegel Online, die Deutsche Welle, aber auch die Apothekenumschau sowie die Berliner und die Hamburger Morgenpost. Statt diverser Medien-Apps soll xMinutes deren Angebote künftig bündeln. Journalistische Angebote, die in einer ähnlichen Richtung experimentieren wie BR24 vom Bayerischen Rundfunk, beschränken sich bisher auf Medienangebote eines Verlags.

Bei xMinutes arbeitet das Team derzeit am finalen Design. Anfang Dezember soll das Projekt in eine geschlossene Beta-Phase gehen. Wer teilnehmen möchte, kann sich hier anmelden. 1.000 Testnutzer will xMinutes dann genauestens vermessen und ihnen einen mundgerechten Nachrichten-Mix auf das Smartphone bringen. Letztlich soll es dabei aber nicht bleiben. „xMinutes soll nicht nur eine App sein“, sagt Marco Maas. „Die Vision ist, dass es auch auf anderen Geräten in deiner Umgebung läuft.“ So soll irgendwann auf Wunsch auch der smarte Badezimmerspiegel kuratierte Nachrichten einblenden oder das Auto Podcasts anbieten.

Google finanziert 70 Prozent der Entwicklung

Dafür legt die App ein umfangreiches Datenprofil des Users an. Diese sehr persönlichen Informationen würden aber nicht an Werbe-Kunden weitergereicht, verspricht Marco Maas: „Wir wollen die gesammelten Daten für das journalistische Angebot nutzen und nicht für irgendetwas anderes.“ Finanziert wird xMinutes über zwei Jahre zu 70 Prozent durch die Digital News Initiative von Google. Ein Mitspracherecht bei der Entwicklung hat der Konzern jedoch nicht, auch Daten werden nicht weitergegeben. Den Rest des nötigen Geldes steuert die Firma Datenfreunde von Gründer Marco Maas bei. Wie sich das Projekt danach rentieren soll, steht noch nicht fest. So könnte Geld beispielsweise über den Lizenzverkauf an Hersteller smarter Alltagsgegenstände hereinkommen. Aber auch hier will xMinutes mit seinen Usern experimentieren. „Mein Favorit ist das Spotify-Modell“, sagt Marco Maas. „Du zahlst im Monat deinen festen Betrag und kannst dann auf Inhalte aller Publisher zugreifen.“

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Ob das xMinutes-Team auch nach dem Auslaufen der Google-Finanzierung erfolgreich ist, bleibt abzuwarten. „Wir können mit Sicherheit nicht die Probleme lösen, an denen die Medienbranche seit mehr als einem Jahrzehnt werkelt“, versucht Datenjournalist Maas die Erwartungen zu dämpfen. Auch xMinutes wird sinkende Anzeigeneinnahmen nicht wieder herbeizaubern. Trotzdem soll xMinutes im Grunde zwei große Probleme des Journalismus lösen: ein besseres Nachrichten-Facebook erfinden und ein Spotify-Bezahl-Modell etablieren. „Man muss halt nach den Sternen greifen“, sagt Maas. „Dafür sind Startups ja da.“

Bild: Datenfreunde GmbH