Marco-Vitula Diagnosia Startup-Helden

Marco Vitula, Mitgründer und Geschäftsführer von Diagnosia

„Startup-Held“ Marco Vitula im Interview

Medikamente, deren Inhaltsstoffe und Wechselwirkungen – ein riesiger Markt, wie die Gründer des Wiener Startups Diagnosia erkannten. Aus ihrer Idee für ein Portal nach dem US-Vorbild RxList, auf welchem sich Nutzer über Krankheiten und dazu passende Arzneien informieren können, ist ein Unternehmen geworden, das sein Geld mit Software für Krankenhäuser verdient. Diagnosia Enterprise, so deren Name, wird von Kliniken als Informationsdatenbank für Arzneimittel-Inhaltsstoffe, -Dosierungen und -Wechselwirkungen eingesetzt. 2013 erzielte das Unternehmen damit knapp eine Million Euro an Umsatz. Derzeit beschäftigt Diagnosia 22 Mitarbeiter und will 2015 auch die Schweiz und Deutschland erobern.

Marco Vitula hatte Diagnosia 2011 gemeinsam mit Fritz Höllerer und Lukas Zinnagl gegründet. In der Reihe „Startup-Helden“ spricht der Wirtschaftsinformatiker über die Entwicklungsgeschichte seines Produkts.

Wie bist Du auf die Idee zu Diagnosia gekommen?

Der Initialimpuls kam nicht von mir, sondern von Fritz Höllerer, einem Mitgründer von Diagnosia, im Juli 2009. Ich habe zu der Zeit das erste österreichweite Arztsuchportal, www.arztsuche24.at, aufgebaut, welches später an die österreichischen Gelben Seiten verkauft wurde. Fritz Höllerer, Lukas Zinnagl und ich haben das Konzept laufend gemeinsam adaptiert und verfeinert und sind dabei einen weiten Weg gegangen. Nun verkaufen wir unsere Lösungen Ärzten und Spitälern.

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Seitdem schreiben uns täglich Ärzte an, die uns für unsere innovativen Softwarelösungen loben und mit unseren Produkten sehr zufrieden sind. Seit das der Fall ist, wissen wir, dass wir unseren Product-Market-Fit gefunden haben und wissen, dass die Idee nichts wert ist, sondern nur der Weg zählt, den man geht, um diesen „Fit“ zu erreichen.

Wie kommt Ihr an die Medikamentendaten und für wen sind diese interessant?

Die Stammdaten beziehen wir von den Zulassungsbehörden der jeweiligen Länder und verarbeiten diese in unserem hausinternen sehr bezeichnenden System Diagnosia Brain weiter. Das System entstand im Rahmen einer zweijährigen Forschungsförderung in Kooperation mit dem Research Studio Austria. Es stellt die Grundlage für eine hochautomatisierte Konvertierung, Digitalisierung, Extraktion und Standardisierung der Rohdaten dar und ist unsere Geheimwaffe, um Diagnosia europaweit skalieren zu können.

Unsere AMTS-Lösung (Arzneimitteltherapiesicherheit) entsteht in Kooperation mit dem namhaften Karolinska Institut in Schweden. Diese Daten sind vorwiegend für Mediziner und Pharmazeuten interessant, welche diese Informationen im Zuge der Verschreibungsprozesse benötigen.

Wie verdient Ihr mit Diagnosia Geld?

Wir haben uns im Laufe der Zeit zu einem Anbieter von Arzneimitteltherapiesicherheitslösungen (AMTS) entwickelt – für Außenstehende ein absoluter Nischenmarkt, weltweilt gesehen jedoch ein milliardenschwerer Markt. Geld verdienen wir mit Spitälern, die unsere Software Diagnosia Enterprise einsetzen. Diagnosia Enterprise ist eine Suite, die unterschiedliche AMTS-Datenbanken und die Fachinformationsdatenbank „beherbergt“. Zu den AMTS-Datenbanken zählen Wechselwirkungssysteme, Datenbanken zur Dosierung bei Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz und bei Schwangerschaft beziehungsweise stillenden Müttern.

Vor drei Jahren sagtest Du noch, RxList stelle für Euch keine Konkurrenz, sondern ein Vorbild dar. Ist das immernoch so?

Seit dieser Zeit hat sich einiges geändert. Wir haben verstanden, welcher Markt für Diagnosia interessant und skalierbar zugleich ist, welche Zielgruppe Geld für unsere Produkte zahlt und welche Anforderungen an unsere Produkte gestellt werden. So gesehen sind RxList, Drugs.com und ähnliche Portale für den US-amerikanischen Raum immer noch respektable Unternehmen, wir sehen jedoch heute, dass in Europa das Plateau von Portalen schnell erreicht ist und Umsätze aus Werbung nur beschränkt attraktiv sind. Aus diesem Grund haben wir uns in eine andere Richtung entwickelt.

Welche Tipps gibst Du Gründern nach Deinen eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

Es ist sehr schwer, diese Frage mit wenigen Sätzen zu beantworten. Ich glaube, dass jeder Gründer eigene Erfahrungen machen wird und somit seine eigene Perspektive auf den Aufbau seines Unternehmens hat. Die wichtigsten Erfahrungen habe ich sicher im Bereich Finanzierung und Produktentwicklung gesammelt.

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Ein junger Gründer sollte sich auf jeden Fall bewusst sein, dass seine initiale Idee unter Umständen wieder verworfen werden muss – manchmal sind Iterationen, manchmal Pivots notwendig – das ist komplett normal und gehört dazu. Am Ende der Suche des Product-Market-Fits muss man ein Problem lösen und – nicht zu vergessen – Gewinne machen.

Bild: Diagnosia