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Market Logic will dabei helfen, zu erkennen, worauf Kunden beim Marketing anspringen

Bislang arbeitete Market Logic unter dem Radar – seit zwölf Jahren. Vor drei Wochen folgte der Knall: Das Software-Unternehmen gab eine Finanzierung in Höhe von 45 Millionen Euro bekannt. Wer steckt hinter Market Logic aus Berlin?

Seit 2005 vertreibt die Software-Firma ein Programm für die Marketingabteilungen anderer Unternehmen. Dabei liest Market Logic unter anderem mit Hilfe künstlicher Intelligenz Daten aus dem Marketing-Bereich aus und interpretiert diese. CEO Kay Iversen gründete das Unternehmen gemeinsam mit Haiko van Lengen, Olaf Lenzmann und Elizabeth Morgan. Damals hieß das Venture noch Product Value Systems und saß in Magdeburg.

„Die Firmen haben viele Kunden- und Marktdaten, die sie nicht nutzen können, weil die Menge zu groß und zu unübersichtlich ist“, erzählt Iversen. Seine Software agiere als Aggregator. Die Daten werden aus Quellen wie Datenbanken oder Newsartikel aus dem Netz gezogen und gemeinsam mit den bereits vorhandenen Informationen der Market-Logic-Kunden analysiert und in einen Kontext gesetzt. So will das Berliner Unternehmen Einblicke in Märkte, Trends und Kundengruppen ermöglichen. 

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Wenige, aber potente Kunden

Wenn Iversen von seinem Unternehmen erzählt, spricht er gerne von seinen Kunden. Unilever, Coca-Cola oder Colgate seien dabei: „Mittlerweile haben wir die Hälfte der weltweit größten Konsumgütermarken als Kunden.“ Der kleinste Kunde des Software-Unternehmens mache immer noch 750 Millionen Euro Umsatz im Jahr. 

Derzeit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben weniger als 100 Kunden. Für eine Laufbahn von mehr als zehn Jahren erscheint das wenig. „Um 100 Millionen Umsatz zu machen, brauchen wir etwa 250 Kunden“, sagt Iversen als Beispiel. Wie hoch der Umsatz tatsächlich ist, will der CEO nicht kommentieren. Dem Bundesanzeiger ist zu entnehmen, dass der Bilanzverlust im Jahr 2015 bei 15 Millionen Euro lag, davon waren rund 354.000 Euro nicht durch Eigenkapital gedeckt.

Für den Zugang zur Software zahlen die Kunden jährlich Gebühren an Market Logic, laut Iversen sind das zwischen 100.000 und drei Millionen Euro. Der Preis hänge von der Anzahl der Nutzer oder auch der Anzahl an Funktionen ab, sagt er. Bis es zu einem Abschluss kommt, vergehen schon mal bis zu neun Monaten: „Wir suchen nach Kunden, die über eine Milliarde Umsatz machen. Da baust du nicht über Nacht Vertrauen auf.“

Mehr als die Hälfte des Umsatz für R&D

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Auch beim bisherigen Funding und den Investoren hält sich der Gründer bedeckt. Bekannt ist, dass Kapitalgeber Genui aus Hamburg und der US-Investor Summit Partners, der auch in Uber investiert ist, sowie Sycamore an Market Logic beteiligt sind. Sie gaben vor wenigen Wochen das Millionen-Funding. Im Handelsregister steht keine Gesellschafterliste für das als Aktiengesellschaft agierende Unternehmen zur Verfügung.

Nur so viel verrät Iversen dann doch: Zu Beginn sei der High-Tech Gründerfonds für einige Jahre am Unternehmen beteiligt gewesen. Bereits 2010 stieg der teilstaatliche Investor wieder aus. Auch bmp Ventures investierte in das Unternehmen und verkaufte seinen Anteile im Zuge der neuen Finanzierungsrunde. Bmp nennt den Exit „höchst profitabel“. Weder Summit Partners noch bmp reagierten bisher auf Anfragen von Gründerszene.

Mit dem frischen Geld soll der Vertrieb ausgebaut werden, insgesamt arbeiten 200 Mitarbeiter für das Unternehmen in Berlin und Chicago, wo Market Logic seit 2014 eine Tochtergesellschaft hält. Aber es gibt noch andere Pläne. „Wir stecken mehr als die Hälfte des Umsatzes in Research und Development, da lassen wir nicht nach“, so Iversen. So arbeite das Team unter anderem an einem Assistenten fürs Smartphone, dem Marketer einfach ihre Anfragen zurufen können. 

Ausbau des Vertriebs, Aufbau der Marke: Nach einigen Jahren geht das Unternehmen Market Logic nun also in die Offensive und an die Öffentlichkeit. Um bekannter zu werden, wird die Berliner Firma das auch müssen. „Jetzt bauen wir eine Tech-Brand auf“, betont der CEO. „Das ist auch von Investoren gewünscht.“

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Das Gründerteam: Elizabeth Morgan, Haiko van Lengen, Kay Iversen und Olaf Lenzmann (von links)

Artikelbild: Gettyimages/ Hero Images; Bild im Text (bearbeitet von Gründerszene): Market Logic