Frische Zutaten, passend abgepackt und frisch – so will Marley Spoon zum abwechslungsreichen Kochen motivieren.

Man weiß es ja eigentlich ganz genau: Abwechslungsreiche Ernährung muss sein. Der Gesundheit wegen und weil man sich doch einfach besser fühlt, wenn man mal „etwas anderes“ gegessen hat. Am besten natürlich selber kochen. Und auch wenn wir das zu Hause eigentlich recht häufig tun – es sind dann doch gerne mal die gleichen Sachen. Die Gewohnheit siegt eben.

Marley Spoon will Abhilfe schaffen und die passenden Zutaten aus nachhaltiger Produktion gleich in der richtigen Menge und samt Rezept nach Hause liefern. Perfekt. Also gleich mal anmelden, das Wort Abonnement verkneift man sich beim Berliner Startup weitestgehend. Zum Thema Abo heißt es auf der Webseite: „Ja, aber mit großem ,aber‘. Marley Spoon bietet dir eine flexible Mitgliedschaft“. Zwei Mahlzeiten pro Woche also – wir wollen realistisch bleiben – für zwei Personen. 38 Euro kostet das. Das Geld könnten wir auch für … ach, was soll’s! Es ist ja für die Gesundheit und das gute Gewissen. Das Angebot in dieser Woche wirkt ausgeglichen. Wir entscheiden uns für Orangen-Saibling auf Haselnuss-Tagliatelle und roter Beete für den Samstag und knusprigen Erdnuss-Lachs auf Koriander-Reis und Mango-Gurken-Gemüse am Sonntag.

Die Lieferung klappt bestens, wie verabredet wird das Paket am Freitag vor 20 Uhr gebracht. Von DHL, dem Paketdienst der Post, mit dem ja nicht alle zufrieden sind. Wir können uns nicht beschweren – man sollte aber besser zu Hause sein, wenn der Bote kommt. Die Lieferung ist vollständig, die Zutaten sind gut – fast liebevoll – verpackt und gekühlt, als das Paket ankommt. Netter Touch: Eine handgeschriebene Karte mit Kontaktdaten liegt bei.

In sechs schritten führt die Rezeptkarte zum Ziel.

Am Samstagvormittag dann ein erster Blick auf das Rezept. Sieht nicht besonders kompliziert aus. Ist es zum Glück auch nicht. Alles ist schnell zubereitet, der Aufwand gering, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. So soll es sein. Und dann schmeckt es auch noch gut! Allein beim Blick auf den Berg an Pappe und Plastik sowie das (umweltfreundliche) Kühlmaterial kommt beim Aufräumen allerdings die Frage auf, ob man das Ganze nicht etwas effizienter verpacken kann. Auch wenn es so ja ganz nett aussieht und praktisch ist.

Ein paar Tage später kommt der Friendly Reminder per Mail: Wir sollen unser Geschmacksprofil noch vervollständigen und schreiben, was wir „gar nicht möchten (z.B. kein Vegetarisch, kein Schweinefleisch, keine scharfen Speisen o.ä.)“. Machen wir. Weil wir die zwei kommenden Wochenenden nicht in Berlin sind, möchten wir bei den Lieferungen aussetzen. Einfach online auf Pause stellen kann man (noch) nicht, wir müssen das Marley Spoon das per Email mitteilen. Funktioniert, wir bekommen keine Lieferung.

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Auch in den kommenden Wochen läuft alles wie geschmiert. Die von Marley Spoon vorgeschlagenen Mahlzeiten sind zwar meist nicht unsere erste Wahl, aber das ist schnell geändert: Auf der Website können wir aus einer Reihe von Gerichten auswählen. Und fast immer finden wir dort etwas Leckeres. Koreanische Nudeln mit Süßkartoffeln, Lauch und Gemüse oder nussige Forelle mit Za’atar Kartoffeln und Zitronen-Brokkoli. Dem eigenen Versprechen bleibt Marley Spoon in jedem Fall treu, die Gerichte sind einfach zubereitet und treffen einen sehr angenehmen Punkt zwischen nicht zu langweilig und nicht zu extravagant.

Zwei Ausrutscher gibt es dann allerdings doch noch. Eines Donnerstags – der Freitag danach war ein Feiertag – kommt der Anruf von Marley Spoon: Der DHL-Bote streikt kurzfristig. Wir haben die Wahl: Soll die Lieferung noch am gleichen Abend „bis 24 Uhr“ zu uns gebracht werden oder am Freitagvormittag, fragt man uns. Wir haben Freunde zu Besuch und sitzen auf dem Balkon, also warum nicht noch am Abend? Und tatsächlich: Um 23:45 Uhr steht der erschöpfte Kurier vor der Tür.

 

Die zweite Panne: Zwar kommt das Paket wie angekündigt am Freitag zwischen 18 und 20 Uhr. Allerdings ist eine der beiden Mahlzeiten nicht mehr in Ordnung. Bei Fisch sieht das gar nicht hübsch aus. Wir machen ein Foto und schicken es per Mail an die angegebene Kontaktadresse. Die Reaktion kommt prompt, eine Entschuldigung und das Gericht müssen wir nicht bezahlen. Ein paar Tage später liegt dann noch ein Gutschein im Briefkasten, den wir an Freunde weitergeben sollen. Ob dahinter Marketing steckt oder uns die Aktion milde stimmen soll – oder beides?

Top oder Flop?

Marley Spoon liefert interessante, gut schmeckende und etwas ausgefallene Gerichte. Letzteres ist fast schon ein Problem. Wenn man sich voll auf Marley Spoon einlässt, wünscht man sich manchmal auch banaleres Essen in der Auswahl. Okay, vielleicht nicht unbedingt Spaghetti mit Pesto, das kriegen wir gerade noch hin. Doch unseren Geschmack traf Marley Spoon mit seiner Vorauswahl selten. Zum Glück ist das schnell korrigiert, das Angebot ist meist recht umfangreich. Und auch Lieferpausen sind problemlos möglich. Ja, es ging auch manchmal etwas schief. Die Probleme löste das Startup aber immer sehr ordentlich. Bei Marley Spoon bemüht man sich um engen Kundenkontakt.

Unsere Mitgliedschaft haben wir über den Sommer erst einmal gestoppt. Weil wir meistens an den Wochenenden kochen, aber gerade dann viel unterwegs sind. Im Herbst werden wir wahrscheinlich wieder Kunden. Wenn der DHL-Bote am Freitagabend das Zutaten-Paket an die Haustür bringt, dann ist das einfach ein wunderbarer Weg, den inneren Schweinehund zu überwinden und abwechslungsreicher zu kochen.

In der vergangenen Woche haben wir in unserer Rubrik „Top oder Flop?“ den Blumenversand von Bloomy Days getestet.

Bild: Marley Spoon