Martha Stewart

Als wir diese News lesen, fragt ein Kollege in den Raum: „Wer ist denn Martha Stewart?“ Stöhnen. Ernsthaft? Es gibt jemanden, der Martha Stewart nicht kennt? Naja gut, vielleicht kennen wir als Millennials eher Ella Woodward alias Deliciously Ella oder Jamie Oliver.

Dass nun ausgerechnet das Berliner Kochboxen-Startup Marley Spoon Martha Stewart für seine Werbung in den USA ausgewählt hat, zeigt, wen das Startup erreichen will: Frauen höheren Alters, die viel Geld und Zeit haben. Denn genau so lässt sich die Martha-Stewart-Fangemeinde verkürzt beschreiben. Die 74-Jährige gilt als „Amerikas beste Hausfrau“ und ist bekannt, weil sie die All-American-Blondine von nebenan ist, die es ganz nach oben geschafft hat: Mit eigener Fernsehshow, eigener Zeitschrift, zahlreichen Büchern und selbst gegründetem Medienkonzern. Solche Geschichten lieben die US-Amerikaner ja bekanntlich.

Doch Martha Stewart wäre – zumindest international – nicht sehr bekannt, hätte sie nicht einen tiefen Fall erlebt. Wegen Insiderhandels musste die Unternehmerin 2004 ins Gefängnis, der Skandal war riesig. Im vergangenen Jahr verkaufte Stewart schließlich ihre Firma.

Anzeige
Marley Spoon scheint es egal zu sein, dass der Stern von Martha Stewart nicht mehr ganz so hell leuchtet. Das 2014 von Fabian Siegel gegründete Startup hat eine Koooperation mit Stewart ausgehandelt. Künftig wird Marley Spoon in den USA Boxen mit dem Namen „Martha & Marley Spoon“ verschicken, die Zutaten für Rezepte von Stewart enthalten. Im Gegenzug erhält die Multimillionärin für jede Kochbox, die unter dem neuen Namen verkauft wird, eine Umsatzbeteiligung, wie das Handelsblatt schreibt.

Marley Spoon, die Geld von dem Samwer-Fonds Global Founders Capital und Lakestar einsammeln konnte, will einen stärkeren Fokus auf den US-Markt legen. Laut Gründer Fabian Siegel sind die USA schon heute der am schnellsten wachsende Markt. Zum Jahresende will das Startup dort 40 Prozent des Umsatzes verdienen, wie das Handelsblatt berichtet.

Für Wettbewerber HelloFresh, der übrigens mit Jamie Oliver geworben hat und künftig Rezepte für den Thermomix verschicken will, wird es deswegen enger: Das Rocket-Vorzeige-Startup verzeichnet ebenfalls starkes Wachstum in den USA, hat sogar einen eigenen Standort sowie ein Lager vor Ort. Kürzlich hatte auch Amazon bekanntgegeben, mit einer ähnlichen Kochbox starten zu wollen.

Bild: Getty Images / Jemal Countess