Martin Poreda Kununu Startup-Helden

Die Brüder Mark (33, l.) und Martin Poreda (37) gründeten 2007 Kununu

„Startup-Held“ Martin Poreda im Interview

Für die Jobentscheidung zählt schon längst viel mehr als eine angemessene Bezahlung. Faktoren wie Work-Life-Balance und eine gute Arbeitsatmosphäre sind für viele Bewerber genauso wichtig wie eine attraktive Position. Mit einem Arbeitgeber-Bewertungsportal nimmt sich das Wiener Startup Kununu dem Informationsdrang von Jobsuchenden an.

Anzeige
Auf der Plattform können Insider ihren Arbeitgeber anonym bewerten. 694.000 Erfahrungsberichte zu 177.000 Unternehmen verzeichnet das Portal aktuell. Geld verdient Kununu durch kostenpflichtige Arbeitgeberporträts von Unternehmen wie Allianz, Siemens oder Microsoft, welche den Dienst für Employer Branding nutzen.

Die Brüder Poreda hatten Kununu 2007 gegründet. Mark Poreda hatte vor der Gründung in Australien ein Multimedia-Studium absolviert und anschließend Internet-Apps für verschiedene österreichische Unternehmen gebaut. Er ist der technische Kopf hinter Kununu. Sein Bruder Martin Poreda hatte nach seinem BWL-Studium mit Schwerpunkt Personalwirtschaft zehn Jahre in verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Seine Erfahrungen als Angestellter und Bewerber sollen ihm Anregung für Kununu gewesen sein. Im Interview spricht er über Betrugsvorwürfe, die Arbeit im Geschwister-Team und was der Exit an Xing im vergangenen Jahr brachte.

Wie geht ihr sicher, dass bei Kununu Unternehmen nicht durch Fake-Bewertungen für sich selbst werben?

Wir achten auf die Qualität der Erfahrungsberichte. Neben bestehenden technischen Sicherheitsvorkehrungen sorgt unser Community-Management-Team für eine manuelle Kontrolle. Am Ende, was bringt’s? Wenn ein Mitarbeiter aufgrund von Fake-Bewertungen in einem Unternehmen zu arbeiten beginnt und dieses enttäuscht verlässt, haben beide Seiten nichts gewonnen. Schlimmer noch, Zeit und ist Geld verloren.

Wie viel Zeit verwendet Kununu darauf, Rufschädigungs-Vorwürfe durch Unternehmen zu bearbeiten?

Wir bekommen vereinzelt E-Mails von Firmen, die uns Rufschädigung vorwerfen. Da wir rechtlich einwandfrei agieren, reicht es, diese mit Hinweis auf die aktuelle Gesetzeslage zu beantworten. Also maximal eine Stunde pro Monat. Es gibt auch Unternehmen, die nicht gelistet sein wollen, aber wie sagt man so schön: Das Leben ist kein Wunschkonzert. Auch diese Firmen müssen sich der neuen Realität des Social Web, Bewertungen und aktivem Reputationsmanagement stellen.

Anfang 2013 wurde Kununu von Xing übernommen – was hat der Exit an Änderungen gebracht?

Kurzum: mehr Arbeit. Als Teil der Xing-Familie bekommt Kununu noch mehr Aufmerksamkeit. Zudem präsentieren wir uns seit Anfang des Jahres mit völlig neuer Optik und Neuorganisation der Bewertungsinformationen. Die beiden Produkte „Unternehmensdarstellung“, die bis 2014 auf den Plattformen als für sich stehende Produkte existierten, wurden verschmolzen. Natürlich bringt der Zusammenschluss auch etwas längere Entscheidungswege, Rücksichtnahme auf Hierarchien, Begehrlichkeiten und eine Brise „Politik“ mit sich – typische Ingredienzien, die in einem kleinen Startup tendenziell nicht vorkommen.

Ist es manchmal schwierig, mit seinem Bruder zusammenzuarbeiten?

Mein Bruder und ich hören oft von Außenstehenden, dass wir auch als Geschwister eine außergewöhnlich innige und seltene Beziehung pflegen. Tatsächlich haben wir in den sieben Jahren als Gründerduo kein einziges Mal gestritten und waren uns, vor allem in schwierigen Zeiten, eine gegenseitige Stütze. Wladimir Klitschko hat einmal zu seiner Beziehung mit Vitali gesagt, dass „es der Gegner im Ring eigentlich mit zwei Gegnern in einer Person zu tun hat“ – bei Mark und mir könnte man das, umgelegt auf Unternehmensaufbau und -führung, genauso beschreiben. Wir sind uns einig, dass wir nie ohne den anderen gründen werden.

Was macht den Reiz der Wiener Startupszene aus?

Anzeige
Mark und ich gründeten und arbeiteten an Kununu in einer Zeit, in der es in Wien keinerlei Startupszene, Coworking Spaces, Hubs, Festivals/Summits, Entrepreneur-Studiengänge, geschweige denn eine Förderlandschaft beziehungsweise Investorenszene gab. Nach wie vor wird es Internetgründern nicht leicht gemacht zu gründen. Die Förderlandschaft ist ein Witz, Investitionsvolumen in Seed-Projekte sinken und die Stadt Wien zeigt wenig Interesse an einem österreichischen Silicon-Valley. Die Infrastruktur hat sich wohl gebessert, zum Beispiel in Bezug auf Coworking, und es ist heute leichter, auf Gleichgesinnte zu treffen, was sicherlich motivierend wirkt. Wer in Österreich als erfolgreich gelten will, muss es zuerst anderswo schaffen. Ohne den Deutschen gäbe es viele österreichische Projekte – Kununu inbegriffen – gar nicht (mehr). Mark und ich bekamen in Berlin unsere erste Finanzierungszusage für Kununu.

Bild: Kununu