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„Piep, piep, piep“, immitiert Thorsten Muschler die Geräusche seines alten Analog-Modems. Als er 1999 die Webseite Maschinensucher.de startet, ist das Internet in Deutschland noch Neuland. „Es gab viele bunte Seiten“, aber kaum etwas habe funktioniert, sagt Muschler mit einem Lächeln.

Heute, 18 Jahre später, betreibt er den größten Marktplatz für Gebrauchtmaschinen in Europa. Wie bei Ebay Kleinanzeigen können Händler Inserate für etwa Sägevorrichtungen, Pressen oder Elektromotoren einstellen. Insbesondere bei Holz-, Metall- und DruckMaschinen decke sein Unternehmen in Europa den Großteil des Marktes ab. Über konkrete Zahlen will der Gründer jedoch nicht reden. Nur soviel verrät er: Das Volumen der angefragten Maschinen liege bei über 500 Millionen Euro pro Monat – und das, ohne jemals Geld aufgenommen zu haben. Maschinensucher ist komplett eigenfinanziert und will das auch bleiben.

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Auf die Idee zu Maschinensucher kam Muschler über einen Nebenjob. Bei einem Händler von Verarbeitungsmaschinen für Kunststoff wird er beauftragt, eine Internetseite zu erstellen. „Dadurch habe ich mich zwangsweise mit dem Thema Gebrauchtmaschinen beschäftigt“, erinnert er sich. Inserate für Maschinen ins Internet zu stellen ist Ende der 1990er Jahre zwar möglich, aber keiner der Anbieter sei ansatzweise professionell gewesen, meint Muschler. Wer damals beispielsweise ein eingestelltes Inserat anpassen wollte, musste sich mit einer E-Mail direkt an den Webseitenbetreiber wenden.

Von Code keine Ahnung

Vollkommen unpraktisch, findet Muschler, und baut spontan eine Webseite, bei der die Nutzer ihre Maschinen selbst einstellen, kaufen und verkaufen können – ohne, dass der Betreiber der Webseite händisch eingreifen muss.

Das einzige Problem: Thorsten Muschler ist kein Techie. Er habe sich zwar gerne mit Computern beschäftigt, aber als Maschinensucher.de um die Jahrtausendwende entsteht, studiert er gerade Philosophie, Psychologie und Kommunikationswissenschaften. Von Code hat er keine Ahnung.

Also bringt sich der Gründer das Programmieren kurzerhand selbst bei. „Ich bin im Nachhinein erstaunt, wie viel Programmcode ich damals geschrieben habe“, sagt Muschler stolz. Auch heute sei noch viel Code von damals vorhanden. „Aber wenn sich Entwickler heute den Code anschauen, dann schmunzeln sie natürlich.“

Als Thorsten Muschler die Domain für den Gebrauchtmaschinen-Marktplatz registriert, wohnt er noch bei seinen Eltern. 2000, ein Jahr später, zieht er in eine WG, richtet sich dort ein Minibüro von zwölf Quadratmetern ein und betreibt die Seite neben dem Studium. „Meine Tage im letzten Uni-Jahr waren ziemlich lang“, erinnert er sich.

Nachdem Muschler sein Studium 2002 abschloss, arbeitet er Vollzeit für sein Startup – auch wenn es sich schon vorher wie eine Vollzeitstelle angefühlt habe: „Ich habe eigentlich immer gearbeitet“, sagt er. Wie viele Stunden genau, daran kann er sich nicht mehr erinnern. Vielleicht 50 bis 100 Prozent mehr als ein normaler Angestellter, schätzt der Gründer. Zudem habe er oft keinen Unterschied zwischen Privatleben und Arbeit gemacht. Alles sei miteinander verschwommen.

Nachdem er acht Jahre komplett alleine an dem Startup arbeitet, stellt er 2008 den ersten Mitarbeiter ein, einen ehemaligen Kommilitonen, der als Entwickler arbeitet. Zum damaligen Zeitpunkt hat Muschler das kleine WG-Zimmer bereits verlassen und wohnt in einem zweistöckigen Loft, das auch als Büro dient.

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Bloß kein Provisionsmodell

Heute arbeiten 13 Mitarbeiter für die profitable Firma, 30 sollen es bis Jahresende sein. Das Team bezieht eine komplette Etage in einem Bürogebäude und expandiert gerade auf eine zweite Etage. Mit der internationalen Plattform Machineseeker.com ist der Marktplatz in insgesamt 50 Ländern verfügbar.

Geld verdient das Unternehmen von Muschler mit Werbung und Pauschalen für die Inserate. Wenn einer der derzeit 5.300 Händler auf der Plattform ein Angebot schaltet, fallen dafür mindestens 29 Cent pro Maschine im Monat an.

Das sei ein ziemlicher Kampfpreis, findet Muschler. Er habe sich absichtlich gegen ein Prosivionsmodell entschieden, auch wenn das bei Produkten, die meist bei 5.000 Euro anfangen und bis zu einigen Millionen Euro kosten können, sehr lukrativ wäre. Aber die Händler würden es nicht akzeptieren, glaubt der Gründer.

Genau das würde aber die Konkurrenz tun, die seit Kurzem am Markt ist. Die Neuen seien Investoren-getrieben, denn „ohne Investoren kommt man nicht mehr in den Markt, weil der Markt besetzt ist und man entsprechend viel investieren muss“, so Muschler. Um schnell viel Geld zu machen, würden viele neue Anbieter würden deshalb auf ein Provisionsmodell setzen.

Einer dieser Wettbewerber ist etwa Trademachines, das Startup des Seriengründers und Marathonläufers Heiko Koch, oder die US-Firma Machinio, das im Juli drei Millionen Dollar einsammelte.

Bild: Maschinensucher