DHDL-Investor Carsten Maschmeyer

DHDL-Investor Carsten Maschmeyer

Eine Pizza, die gesund ist – das versprachen die Gründer des Frankfurter Unternehmens Lizza den Investoren in der sechsten Folge der Pitch-Show „Die Höhle der Löwen“. Matthias Kramer und Marc Schlegel stellen einen glutenfreien Teig her, der aus Lein- und Chia-Samen besteht und eine Alternative zur herkömmlichen Pizza sein soll.

Die beiden konnten mit ihrem Auftritt gleich zwei DHDL-Investoren in der Sendung überzeugen: Tech-Experte Frank Thelen und AWD-Gründer Carsten Maschmeyer versprachen den Gründern 150.000 Euro und forderten im Gegenzug 25 Prozent am Unternehmen. Auf Nachfrage von Gründerszene bestätigte Kramer, dass das Investment in dieser Form nach der Show zustande kam.

Im Interview mit Gründerszene erzählt Löwe Carsten Maschmeyer nun, warum er investierte und was ihn an dem Pitch von Lizza überzeugte.

Wann haben Sie das letzte Mal eine Pizza gegessen, Herr Maschmeyer?

Meine letzte Pizza habe ich tatsächlich bei Lizza gegessen, als ich Ende Juni dort war. Sie hat mir sehr gut geschmeckt. Und jetzt freue ich mich auf die kühlere Jahreszeit, das ist die ideale Pizza-Zeit.

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Aber Lizza ist keine fertige Pizza, man muss sie selber belegen.

Das ist ja gerade das Tolle. Jeder kann den Teig belegen, wie er mag. Der eine nimmt nur Tomaten und Zwiebeln, der andere will richtig viel Käse – das kann jeder so machen, wie er will. Das ist das Lizza-Prinzip: gesund, wenig Kalorien, individuell belegbar. Jeder isst gerne Pizza, aber jeder weiß auch, wenn er ein bisschen auf seine Figur und Fitness achtet, dass sie nicht so richtig gesund ist. Lizza hat aus Leinsamen und Chia-Samen einen Teig kreiert. Dieser Teig ist Low-Carb und glutenfrei. Es gibt ja immer mehr Menschen, die eine Unverträglichkeit haben. Deshalb ist unser Teig sehr gesund und hat sehr wenige Kalorien.

Gibt es da wirklich einen Massenmarkt? Ist das nicht eher ein Nischenprodukt?

Ich glaube, dass diese Nische eine Massennische ist. Wenn Sie sich den Erfolg von Chia-Samen und Leinsamen anschauen, dann ist die Zielgruppe sehr groß. Und die Idee, leckere Pizza ohne die ungesunden Bestandteile und Kalorien herzustellen, wird viele Freunde finden.

Na dann wird ja nun richtig Pizza bestellt bei Lizza.

Ja, ich habe das auch bei den Sonnenbrillen von Unbreakable und beim Zauber-Klebestift Blufixx gesehen. Die Server der Startups sind an ihre Grenzen gelangt, weil viele „Höhle-der-Löwen“-Zuschauer sofort auf ihre Websites gegangen sind und bestellt haben. Eine Firma gewinnt alleine durch den Auftritt in der Löwen-Show einiges an Wert. Das ist schon fast eine unbezahlbare Werbung.

Was hat sie an Lizza überzeugt?

Wichtigster Grund für mich zu investieren sind immer die Gründer und ihre Art zu kommunizieren. Wenn das Kommunikationsverhalten schwach ist, nützt auch die beste Idee nichts. Sie werden nicht operativ erfolgreich sein.

DHDL-Pitch: Wir haben die Hipster-Pizza von „Die Höhle der Löwen“ getestet

Wir haben die Hipster-Pizza von „Die Höhle der Löwen“ getestet

Ohne Hefe, weniger Kalorien und aus Chia-Samen – das ist der Pizzateig, der heute bei DHDL präsentiert wird. Kann das schmecken? Unsere Redakteurin hat Lizza getestet.

Was haben die Gründer bei ihrem Auftritt richtig gemacht?

Ich habe von Anfang an gemerkt, diese Gründer haben Mut, sie sind kreativ und sie haben Durchhaltevermögen. Das sind die wichtigsten mentalen Eigenschaften. Außerdem waren sie super vorbereitet, haben richtig Leidenschaft gezeigt, brennen für ihre Idee – oder soll ich sagen: sie backen für ihre Idee. Sie haben außerdem unsere Fragen positiv und als Anregung für weitere Optimierungen aufgenommen. Man konnte sehen, wie es in ihren Köpfen gearbeitet hat. Mir hat auch gut gefallen, dass sie kluge, kopf- und herzgesteuerte Menschen sind. Das sind zwei Denker und Lenker, die zugleich anpacken können.

Ist das bei anderen Gründern oft nicht der Fall?

Es gibt Gründer, die haben eine tolle Kreativität. Aber sie haben keinen Plan und kein Verständnis für Zahlen. Die wissen zum Beispiel nicht, was eine Conversion Rate ist, was die wichtigsten KPIs des Unternehmens sind. Das ist bei Lizza ganz anders. Das Herz der Gründer brennt für dieses Produkt und sie haben einen klaren Plan, kennen jedes Detail und gehen sehr kostenbewusst mit ihren Ressourcen um.

Sie achten bei DHDL sehr darauf, dass Startups profitabel sind. Bei ihren anderen Investements wie Barzahlen oder Blacklane scheinen Sie nicht ganz so streng zu sein. Wie passt das zusammen?

Ich frage immer gerne: Wie lange reicht das Geld? Und kommt ein Ende des Tunnels oder beginnt am Ende des Tunnels ein neuer Tunnel? Das ist bei jedem Startup unterschiedlich. Ich weiß bei jeder Firma, wie lange sie mit welcher Investition braucht, um den Breakeven zu erreichen. Wenn man – wie beim Limousinen-Service Blacklane – mehrfach die Märkte erweitert und beispielsweise in die USA geht, wofür man zusätzlich Geld braucht, dann verschiebt sich natürlich der Breakeven nach hinten – der Firmenwert aber nach oben. Das ist dann eine neue Strategie, die mit den Gründern und anderen Investoren gemeinsam entwickelt und beschlossen wird. Aber wir haben gleichzeitig immer im Blick, dass der Breakeven schnell möglich wäre, wenn wir morgen vom Wachstumspedal herunter gehen würden.

Und wie ist das bei Lizza?

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Das kann bei Lizza auch passieren. Vielleicht entscheiden wir uns, gesunde Kekse für Weihnachten herzustellen oder Brotstangen für Restaurants. Dann würde sich der Breakeven nach hinten verschieben, aber der Umsatz erhöhen. Das ist das Reizvolle, dass man mit den Gründern entscheidet: Was ist jetzt wichtiger, wollen wir in einem halben Jahr den Breakeven erreichen, wollen wir die Firma in einem halben Jahr verkaufen und vorher noch ordentlich investieren und sie richtig groß machen? Manchmal sagen wir aber auch: Bleibt erstmal, wo ihr seid, und macht ordentliche Arbeit.

Wie ist es in der „Höhle der Löwen“, wenn sie drei oder vier Investments abgelehnt haben? Steigt der gefühlte Druck, dann ein Investment zu tätigen?

Das ist bei den ersten ein oder zwei Drehtagen bei mir tatsächlich so gewesen. Aber dann habe ich gemerkt, eine Folge, die die Zuschauer sehen, ist ja nicht gleichzusetzen mit einem Drehtag. Es gibt Drehtage, da haben wir sechs Absagen. Oder sechs Zusagen. Die Redakteure der Show schneiden eine Folge aus verschiedenen Drehtagen zusammen. Es soll ja am Ende auch unterhaltsam für den Zuschauer sein. Drei Apps hintereinander will keiner sehen. Insofern kann dieser Druck, nach Absagen investieren zu müssen, gar nicht entstehen.

Danke für das Gespräch, Carsten Maschmeyer.

Bild: Helen Nolan/Gründerszene