Alexander Stelmaszyk Kopie

Am Ende des Tages – müssen alle ins Bett. Gründer Alexander Stelmaszyk hat uns erklärt, was mit Matratzen geht.

Wenn man mit Alexander Stelmaszyk über das Thema Matratzen spricht, kann man erleben, was echte Leidenschaft ist. Der Mann ist Mitgründer und Geschäftsführer von BettenRiese, verantwortlich für die Bereiche Category Management und Marketing und brennt für sein Thema. Gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer und Mitgründer Stefan Zundel hat er den Online-Matratzenshop Buddysleep gegründet. Im Gespräch mit Gründerszene erklärt er, warum so viele Startups jetzt auf Matratzen setzen.

Gefühlt gibt es gerade einen Overkill an Matratzen-Startups. Woran liegt das?

Möbel online zu verkaufen ist seit einigen Jahren ein wachsender Markt und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Matratzen in den Fokus rücken. Gerade jetzt, wo das Thema gesunder Schlaf immer mehr zum Trendthema wird. Bis jetzt war der Matratzenkauf für den Konsumenten wenig positiv besetzt – er hatte die Wahl aus den bekannten Matratzen-Outlets an jeder Ecke, der Standard-Ikea-Matratze oder den teuren Alternativen aus dem Fachhandel.

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Wie mischen die Matratzen-Startups nun den Markt auf?

Die neuen Online-Matratzen-Unternehmen haben den Such- und Kaufprozess vereinfacht, bieten nicht nur Informationen an, sondern sorgen mit großzügigen Serviceversprechen dafür, dass der Matratzenkauf einfacher und angenehmer geworden ist. Marken bieten mit modernen und ansprechenden Produktpräsentationen eine Orientierung, vor allem für eine immer jüngere und Lifestyle-affine Käuferschaft. Diese Chance in einem sich entwickelnden Markt haben viele Startups erkannt. Am Ende werden sich aber nicht alle neuen Marken etablieren können – Qualität, Innovation und cleveres Marketing werden sich durchsetzen.

Sind die neuen Matratzen aus dem Netz besser als die aus dem Bettengeschäft nebenan?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Es gibt online und offline hochwertige Matratzen, aber auch schlechte Modelle. Grundsätzlich ist das Risiko, sich die „falsche“ Matratze zu kaufen, durch die neuen Online-Anbieter aber deutlich gesunken. Dafür sorgen der einfachere Zugriff auf verständlich aufbereitete Informationen sowie das Angebot, ein gekauftes Produkt auszuprobieren. Das Produkt Matratze wird durch den Innovationsantrieb der Startups weiterentwickelt und gleichzeitig kann durch optimierte Prozesse ein preislicher Vorteil an den Kunden weitergegeben werden.

Wie können sich Matratzen denn überhaupt unterscheiden und voneinander abgrenzen?

Matratzen waren bis jetzt in erster Linie Produkte, die sich optisch kaum voneinander unterschieden haben. Dank der populär gewordenen „one fits all“-Matratzen spielt neben den verwendeten Materialien, dem Liegegefühl und natürlich dem Preis seit einiger Zeit aber auch das Produktdesign eine wichtige Rolle. Das erste Mal gilt also das altbekannte Prinzip „Das Auge kauft mit!“ auch für den Matratzenmarkt und bietet Marken einen ganz neuen USP.

Wie kann der Kunde sichergehen, dass er ein qualitativ gutes Produkt kauft?

Maßgeblich für eine gute Matratze sind die Materialeigenschaften des Kerns und des darum befindlichen Bezuges. So verfügen Schäume und Latex über ein Raumgewicht. Je höher das Raumgewicht, desto mehr Material wurde verarbeitet – ein Qualitätsmerkmal, an dem man sich orientieren kann. Zudem ist das Thema Druckentlastung wichtig, um Verspannungen vorzubeugen oder sogar zu lindern. Dafür stehen Gelschaum oder Viskoschaum hoch im Kurs, da sich das Material an den Körper anpasst. Für den Bezug gilt: Er sollte strapazierfähig und waschbar sein, sowie während der Nacht die Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung unterstützen. Für eine bessere Hygiene im Bett.

Geht es eigentlich nur um das Image?

Nein – beziehungsweise: das sollte es nicht. Bei Matratzen kann man nur immer wieder unterstreichen, dass es auf die Qualität ankommt. Trotzdem stimmt es natürlich, dass der Matratzenmarkt aktuell hart umkämpft ist und alle Marken versuchen, sich schnell mit einem gezielten Image bei den Konsumenten zu etablieren. Dazu kommt, dass wir Matratzenwerbung bisher nur im Stil der „Bis zu 70 Prozent Rabatt“-Aktionen kannten. Nun rücken Marken in den Fokus der Kommunikation. Das Produkt Matratze wird aufgewertet und erfährt einen klassischen Marketingpush. So wie wir es von anderen Gebrauchsgütern bereits viele Jahre kennen.

Früher hat man auf einer Holz-Palette auch ganz gut geschlafen. Sind wir heute zu verwöhnt?

Es ist wie mit vielen anderen Bereichen: Wir sind nicht zu verwöhnt, sondern wir sind aufgeklärter und haben die Möglichkeit, auf bessere Produkte zuzugreifen. Wie hoch die Bedeutung von gutem Schlaf auf unser Wohlbefinden ist, wurde in der Vergangenheit vielfach erforscht. Wir wissen nun viel besser, was schädlich ist und worauf es ankommt. Eine passende Matratze – auch vor dem Hintergrund der Entwicklung von neuen Materialien wie innovativen Schaumsorten – in Kombination mit Wissen um Faktoren wie Raumklima und Achtsamkeit für den Körper spielt eine wichtige Rolle, um unseren Schlaf zu verbessern.

Im übertragenen Sinne heißt das: Heute haben unsere Autos auch viel mehr Sicherheits- und Komfortfeatures als früher. So wird die Fahrzeit sicherer und angenehmer und so ist es auch mit unserem Schlaf: Wir können unsere leider oft knappe Schlafzeit heutzutage gesünder und erholsamer gestalten, denn heute muss niemand mehr mit einem verspannten Körper aufwachen.

Neulich gab es einen Test der Stiftung Warentest. Die neuen Anbieter kamen nicht gut weg. Was haben sie falsch gemacht?

Ich glaube nicht, dass grundlegend viel falsch gemacht wurde, sondern einfach einige Testkriterien, die die Stiftung Warentest festgelegt hat, nicht so gut erfüllt wurden und es so durch die Gewichtung dieser einzelnen Kriterien zur Abwertung einiger Modelle kam. Da die Stiftung Warentest auch in der Matratzenwelt eine hohe Bedeutung im Entscheidungsprozess hat, werden die Ergebnisse aber sicher zu schnellen Lerneffekten und dementsprechend zu Verbesserungen für die Konsumenten sorgen.

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Was ist der USP deines eigenen Startups? Was könnt ihr besser als die anderen?

Bei uns verschwindet die Matratze nicht wie bei anderen „one fits all“-Modellen nach dem Auspacken unter einem Spannbettlaken und sieht dann aus wie jede andere Matratze, sondern das Bettlaken wird mit einem dezenten Reisverschluss an der Liegefläche der Matratze befestigt, so dass der in verschiedenen Farben erhältliche Polsterstoff an der Seite auch mit dem bezogenen Bettlaken immer sichtbar bleibt. Die Matratze wird so zum Designobjekt und mindestens genauso wichtig ist die Tatsache, dass das nervige Bettbeziehen mit diesem System der Vergangenheit angehört und nun viel bequemer, schneller und faltenfrei abläuft.

Du als Matratzen-Experte hast bestimmt drei unschlagbare Einschlaftipps auf Lager, oder?

1. Wenn man nicht einschlafen kann, dann einfach mal versuchen, die Augen aufzuhalten und nicht zum Schlafen zu schließen. Funktioniert mit Sicherheit, denn der Kampf gegen die aufkommende Müdigkeit wird auf jeden Fall verloren.

2. Ist der Kopf abends für den nächsten Tag zu voll, kann man die Gedanken runterschreiben und damit aus dem Kopf laden. Dann kommt die Ruhe sehr schnell.

3. Und last but not least natürlich die passende Matratze, die sofort das Wohlfühl-im Bett-endlich-schlafen-Gefühl auslöst, aber das sollte ja selbstverständlich sein.

Danke Alex für das Gespräch!