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Eve-Matratze: Hartes Urteil von der Stiftung Warentest

Es ist ein schwerer Schlag für einige der jungen Matratzen-Startups: Die Stiftung Warentest hat in ihrer aktuellen Ausgabe die Produkte von sechs Online-Matratzenhändlern überprüft – und mit harten Worten die Qualität und den angebotenen Service kritisiert.

Besonders schlecht schnitten dabei drei Anbieter ab: die beiden deutschen Unternehmen Muun (Note 4,1) und Emma (Note 4,2) und das britische Startup Eve, das für seine Matratze gar die Note 4,7 erhielt – mangelhaft.

Für Dicke nicht geeignet?

Die Tester kritisierten, dass die drei Modelle in den Liegeneigeschaften eher etwas für kleine, leichte Menschen seien und nicht für große, schwere. Dabei beanspruchen die Unternehmen für sich, eine Universalmatratze anzubieten, die für Menschen in jeder Gewichtsklasse gleichermaßen geeignet sei: egal ob sie lieber auf dem Bauch, der Seite oder dem Rücken schliefen.

Außerdem wiesen die Tester bei allen drei Modellen nach dem Auspacken der Matratzen „flüchtige organische Verbindungen“ nach. Sprich: Die Matratzen dünsteten mehr oder weniger stark aus. Der Geruch verflog zwar in der Regel in den ersten 24 Stunden, führte aber zu Punktabzug. Bei Eve fanden die Tester zudem das Flammschutzmittel TCPP, bei dem die EU Höchstwerte für Kinderspielzeug festgelegt hat. Es gebe Bedenken hinsichtlich des krebserzeugenden Potenzials, heißt es.

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Grund hierfür ist laut Stiftung Warentest, dass die Eve-Matratzen in Großbritannien hergestellt werden, wo Polstermöbel einem Entzündungstest unterzogen werden müssen. Deshalb enthielten sie Flammschutzmittel, auch wenn die womöglich der Gesundheit schaden könnten.

Abgewertet wurden alle drei Matratzen auch bei der Handhabung, der Deklaration und Werbung – was beispielsweise an fehlenden Griffen für den Transport und einer fehlenden Härtegradangabe lag.

Anstelle der Matratze kam ein Couchtisch

Das beste Ergebnis erzielte die Bodyguard-Matratze von Bett1.de. Sie zeichneten die Tester wie im vergangenen Jahr mit der Note 1,8 aus. Mit einem Preis von 199 Euro ist die Bodyguard auch deutlich günstiger als alle anderen getesteten Matratzen.

Zufrieden dürfte auch der Rocket-Zögling Home24 mit seiner Smood-Matratze sein, die eine gute Bewertung abstauben konnte (Note 2,3). Allerdings hob sich Home24 bei dem Test nicht unbedingt im Service hervor, da es zuerst anstelle der georderten Matratze einen Couchtisch zuschickte  – und den erst nach elf Tagen mit der Matratze eintauschte.

Ein wenig schlechter wurde die Matratze von Bruno bewertet: Sie zeichneten die Tester mit einem Befriedigend (2,7) aus. Auch sie ist allerdings eher für kleine, leichte Menschen geeignet als für große, schwere und das Startup verzichtet darauf, den Härtegrad der Matratze kenntlich zu machen. Allerdings gibt es sonst nicht so viel zu bemängeln.

Nicht getestet wurde die Matratze von Casper – wohl weil das üppig finanzierte Startup aus New York erst seit wenigen Wochen in Deutschland vertreten ist.

Falsche Versprechungen

Besonders störten sich die Prüfer daran, dass einige Startups auf den Webseiten falsche Angaben über ihre Produkte machen. Beispielsweise verkünde Emma, ein optimales Schlaferlebnis zu bieten, unabhängig von Körper- und Schlaftyp. Und Eve werbe damit, die beste Matratze verkaufen zu wollen. Die Tester klingen zynisch, wenn sie schreiben: „Wer nach dem Testergebnis schlecht schläft, kann die Emma-Hotline anrufen. Die liest bei Schlafproblemen Gute-Nacht-Geschichten vor. So verspricht es zumindest der Anbieter in seiner Werbung.“

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Grund für die übertriebenen Aussagen der Startups ist wohl, dass sie sich in einem umkämpften Markt etablieren wollen – mit aggressiver Werbung. Immer mehr Startups verkaufen in Deutschland Matratzen, die günstiger und bequemer sein sollten als die der etablierten Anbieter. Sie geben ihren Produkten hippe Namen und werben damit, dass Kunden die Matratzen bei Nichtgefallen innerhalb einer Frist von 100 Tagen zurückschicken könnten. Das Geld bekämen sie zurück.

Dabei ging das Frankfurter Startup Emma offenbar so weit, dass es das Design der in den USA bereits bekannten Matratze Casper kopierte. Bei beiden Matratzen besteht der Rand aus einem grauen Stoff, die Oberseite ist weiß, an der Seite prangt ein blaues Schild mit der Marke – die Ähnlichkeit ist verblüffend, auch wenn das Innenleben der Matratzen ein anderes ist. Selbst die Kartons ähneln sich. Sie sind beide weiß mit blauen Streifen (siehe Foto).

Eve ändert Produktionsstätte

Der umkämpfte Markt erklärt derweil auch die schnelle Reaktion eines Startups auf den aktuellen Test: Eve verschickte umgehend eine Pressemitteilung. „Nach derzeitigem Kenntnisstand existiert keine wissenschaftliche Studie, die TCPP als Karzinogen für Menschen klassifiziert“, schreibt das Unternehmen. In England sei Brandschutz fest vorgeschrieben. Er sei gerade für Matratzen besonders wichtig, weil die leicht brennbar seien und vergleichsweise viele Menschen in ihren Betten durch ein Feuer zu Tode gekommen seien. Bei dem Test der Stiftung Warentest habe das aber keine Rolle gespielt, bemängelt Eve.

Dennoch kündigte das Startup an, ab September die Matratzen in Deutschland produzieren zu lassen und verspricht: Ab diesem Zeitpunkt werde die deutsche Eve kein TCPP mehr erhalten.

FotorCreated

So ähnlich sehen sich die Produkte von Casper und Emma.

Bilder: Screenshots evemattress.de / emma-matratze.de / facebook.com/emma.matratze.de / casper.com