mckinsey studie berlin

Berlin, Tempelhofer Freiheit: Standort für einen Gründer-Campus?

McKinsey: 100.000 neue Jobs durch Startups in Berlin

Die Unternehmensberatung McKinsey hat sich in einer Studie den Gründerstandort Berlin vorgenommen. Das Ergebnis für die deutsche Startup-Boom-City: viel Potenzial und einiges an Nachholbedarf. McKinsey schlägt fünf Initiativen vor, mit deren Hilfe bis 2020 100.000 neue Arbeitsplätze in der Stadt entstehen könnten – rund 40.000 in Startups selbst, wenn Neugründungen forciert und Liquidationen vermieden würden sowie das Mitarbeiterwachstum in bestehenden Startups vorangetrieben werden würde; dazu rund 60.000 neue Jobs über Multiplikatoreneffekte.

So analysiert die Studie die Defizite des Standorts Berlin:

  • Es fehlt an Kapital für Wachstumsfinanzierungen, internationale Investoren sind rar
  • Studenten und Absolventen technischer Studiengänge sind gründungsfaul, im Vergleich zu anderen Startup-Hubs gründen in Berlin weniger Ausländer
  • Es gibt zu wenig große, zentral gelegene und flexibel anmietbare Flächen
  • Die einzelnen Gründungsaktivitäten und -formate sind nicht gut aufeinander abgestimmt, Startups sind weder mit etablierten Unternehmen noch mit der Politik ausreichend vernetzt

Das schlägt McKinsey als Lösungswege vor:

  • einen 100 Millionen Euro starken Privatfonds aufsetzen, der sich an Startups mit einem Kapitalbedarf ab drei Millionen richtet
  • Mitarbeitern von Forschungsinstituten und Hochschulen bessere Gründungsanreize bieten, gründungsstarke Professoren auszeichnen, den bereits existierenden Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg ausweiten und ein „Berliner Gründercurriculum“ schaffen
  • eine mehrsprachige One-Stop-Service-Agentur als Verwaltungs-Anlaufpunkt für ausländische Gründer einrichten
  • einen Gründer-Campus an einer zentralen Stelle bauen, zum Beispiel auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof
  • mit einer Senats-Taskforce „Berliner Unternehmensdialog“ etablierte Unternehmen und Gründer zusammenbringen

Für die Studie hat McKinsey über 100 Gründer, Kapitalgeber und Inkubatorenbetreiber befragt. Einige prominente Szeneköpfe redeten mit den McKinsey-Leuten Klartext. Das sind die besten Zitate aus der Studie:

  • T-Labs-Leiter Heinrich Arnold über Gründermentalität: „Das Ambitionsniveau von Gründern ist in Berlin in der Regel deutlich niedriger als beispielsweise im Valley; Gründer geben sich – auch getrieben durch die geringen Lebenshaltungskosten – mit geringen Umsätzen zufrieden, haben Wachstums­pfade und potenzielle Exit-Kanäle oft deutlich weniger vor Augen.“ Und: „Es ist leichter, deutsche Großkonzerne in Kalifornien, Schanghai und Israel zu treffen, wo sie aktiv nach Koope­rationen mit Startups suchen, als an ihren deutschen Standorten.“
  • Casacanda-Gründer Roman Kirsch über Bürokratie: „Es hat ein halbes Jahr gedauert, drei ukrainische Programmierer nach Berlin zu holen. Wir mussten zwei Mitarbeiter für ein paar Wochen quasi vollzeitig abstellen, um alle Visaangelegenheiten und Behördengänge zu erledigen.“
  • TollaboxGeschäftsführer Oliver Beste über Talentsuche: „Seit über einem Jahr suche ich nach einem Magento-Programmierer zur Festanstellung in Berlin und finde niemanden.“
  • DailyDeal-Pressesprecher Michael Hensch über Raumnot: „Wir mussten uns zeitweise auf mehrere Standorte verteilen, damit wir in zentraler Lage bleiben konnten.“
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